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Fische in Aquarien: Nein Danke!

Das stille Leiden der „Zierfische“

Stand September 2015
Fische sind faszinierende Lebewesen, die in der Natur majestätisch durch Meere und Flüsse gleiten. Werden die Wasserbewohner jedoch eingesperrt und gezwungen, ihr Leben hinter Glasscheiben in oftmals kargen und engen Becken zu verbringen, leiden sie entsetzlich.
Die Haltung von tropischen Fischen erfreut sich heute großer Beliebtheit. Mit geschätzten 80 Millionen sogenannten „Zierfischen“ in deutschen Wohnzimmern sind Fische rein zahlenmäßig die beliebtesten „Haustiere“ der Deutschen. Hinter der Zierfischhaltung steckt jedoch eine profitgierige Industrie, die lediglich darauf baut, möglichst viele Fische zu fangen, zu züchten und letztlich zu verkaufen – ohne Rücksicht auf die Tiere. Schätzungen zufolge sterben in deutschen Aquarien jährlich mehrere hundert Millionen Zierfische (1).
 
Die Tiere leben in unnatürlicher Umgebung und leiden.
Meeresfische
Einem Bericht des Washingtoner Worldwatch Institute (WI) zufolge werden jährlich 500 bis 600 Millionen Zierfische aus den Meeren geschöpft (2). Zahlreiche Wildfänge stammen aus tropischen Gewässern, zumeist aus Korallenriffen, wo sie illegal entnommen werden – vielerorts werden die Korallenriffe regelrecht leer gesammelt. Ein großer Teil der Tiere überlebt die häufig sehr langen Transportwege über Tausende von Kilometern nicht oder stirbt später aufgrund mangelnder Sachkenntnis unerfahrener Tierhalter in den Aquarien.
Die besonders beliebten bunten „Exoten“ stammen vornehmlich aus Indonesien und von den Philippinen. Da die Nachzucht von Meerwasserfischen äußerst schwierig ist, handelt es sich bei über 90 Prozent aller Meerwasserfische um Wildfänge. Allein in Indonesien werden ca. 1.200 Arten von Rifffischen gehandelt (3).
Bunt, wunderschön – aber eingesperrt.

Das große Geschäft mit dem Leid der Fische

Ein großes Problem stellt auch das illegale Fischen mit Cyanid, einem hochpotenten Atemgift, dar: Viele Fischtaucher kommen nur zu ihrem Fang, indem sie Cyanid in die Korallenriffe, in denen die Fische leben, einspritzen (4). Die Fische werden dadurch betäubt und treiben reglos im Wasser, wo sie von den Tauchern leicht eingesammelt werden können. Viele Tiere überleben diese zwar verbotene, aber weiterhin stark verbreitete Fangmethode nicht: Etwa die Hälfte wird auf der Stelle vergiftet, viele weitere sterben noch nach ihrem Verkauf an Cyanid-Rückständen. Doch Cyanid ist nicht nur für Fische tödlich – auch die Korallen, auf denen die Tiere leben, sterben, Es dauert Tausende von Jahren, bis sich die Korallenriffe wieder erholen (5). Die Cyanidfischerei stellt daher einen immensen Schaden für das einheimische Ökosystem dar.
Das ebenso illegale, aber weiterhin praktizierte „Dynamitfischen“ mit selbstgebauten Flaschenbomben verschlimmert die Zustände vielerorts und verwandelt artenreiche Riffe in leblose Unterwasserkrusten. Die Fischer weichen daher auf immer entlegenere Fanggebiete aus und verlängern damit die Transportwege der Tiere weiter.
Ein trauriges Beispiel - der Paletten-Doktorfisch
Als „Dorie“ im Kinderfilm „Findet Nemo“ wurde der Paletten-Doktorfisch (Paracanthurus hepatus) 2003 weltbekannt. Seither ist die Nachfrage nach dem im Indopazifik verbreiteten Fisch enorm angestiegen. Vor allem die prächtigen Farben machen den bis zu 30 cm großen nicht ungefährlichen Fisch bei „Meerwasseraquarianern“ sehr beliebt. Doch der Paletten-Doktorfisch steht auf der Roten Liste der IUCN und eine artgerechte Haltung in Gefangenschaft ist nahezu unmöglich.
Hauptumschlagplatz des Doktorfisches ist die indonesische Stadt Denpasar auf Bali. Aufgrund der hohen Nachfrage aus Europa und Nordamerika werden dort jede Woche bis zu 500 Doktorfische „benötigt“ (6). Die Tiere werden für den Transport in Plastiktüten abgepackt, die zu 30 Prozent mit Wasser und 70 Prozent Sauerstoff gefüllt werden.
Viele Fische werden zu Billigpreisen regelrecht “verramscht”.
Süßwasserfische
90 Prozent der deutschen „Aquarianer“ halten Süßwasserfische. Diese sind leichter zu züchten als ihre Salzwasserkollegen und werden daher auf sogenannten „Fischfarmen“ vermehrt. Doch trotz der erfolgreichen Nachzucht floriert auch hier der Handel mit Wildfängen.
Das Zentrum des Zierfischhandels mit Süßwasserfischen liegt in der brasilianischen Stadt Barcelos und ist ausschließlich auf dem Wasserweg erreichbar. Die Stadt liegt am Rio Negro, einem Seitenarm des Amazonas. Jeden Monat werden bis von hier zu 3 Millionen Wildfänge weltweit verschickt.

Warum die Tiere in Gefangenschaft leiden – 6 Fakten über Fische


1. Fische können Verhaltensstörungen entwickeln. Bei vielen in Gefangenschaft lebenden Tieren entwickeln sich sogenannte Stereotypien. Eine Stereotypie ist ein sich wiederholendes Verhalten. Es tritt infolge von Frustration, wiederholten erfolglosen Versuchen, mit der Umgebung zurechtzukommen, sowie Fehlfunktionen im Gehirn auf. Stereotypien stellen sich ein, wenn die Haltungsbedingungen der Tiere ihre Anpassungsfähigkeit überfordern. Viele Aquarien sind für die Fische deutlich zu klein – eine daraus resultierende Verhaltensstörung bei Fischen ist das ständige rastlose Im-Kreis-Schwimmen. Nicht selten kommt es zu gesundheitlichen Schäden und zu einem deutlich früheren Sterbealter als in der Freiheit (7).

2. Fische sind wundervolle Lebewesen mit einer individuellen Persönlichkeit und Eigenschaften, von denen die meisten Menschen leider nur sehr wenig wissen. Fische kommunizieren miteinander, bilden Gruppen und trauern, wenn ihre Gefährten sterben (8).

3. Fische verständigen sich untereinander unter Verwendung einer umfassenden Palette von niederfrequenten Geräuschen – von Summen und Schnalzen bis hin zu Jaulen und Wimmern. Diese Geräusche, die der Mensch nur mittels spezieller Instrumente wahrnehmen kann, drücken Verhaltensmuster wie Werbung, Alarm oder Unterwerfung aus (9). Pumpen und Filter, wie sie in vielen häuslichen Aquarien notwendig sind, stören diese Kommunikation leider sehr. Der Fischexperte Phillip Lobel drückte diese Problematik wie folgt aus: „Wir unterbrechen die Kommunikation der Fische, und wenn es ganz schlimm kommt, treiben wir sie damit sogar in den Wahnsinn (10).“

4. Fische sind leidensfähig und empfinden Schmerz: Wie die Biologin Victoria Braithwaite erklärte, „empfinden Fische Schmerzen und leiden, wie dies bei Vögeln und Säugetieren der Fall ist (11).“ Wissenschaftliche Studien zeigen ebenso, dass Fische starke Schmerzen empfinden (12).

5. Die meisten Fische genießen ein Leben in Gemeinschaft und entwickeln spezielle Beziehungen zueinander. Auch altruistische Verhaltensweisen sind ihnen nicht fremd. Eine südafrikanische Publikation dokumentiert die Beziehung zwischen Blackie, einem Goldfisch, der an einer Deformation litt, die es ihm fast völlig unmöglich machte, zu schwimmen, und Big Red, dem größeren Fisch, der mit ihm das Aquarium teilte. Jeden Tag nahm Big Red Blackie Huckepack und schwamm mit ihm umher; wenn sie gefüttert wurden, transportierte Big Red seinen Freund an die Oberfläche, wo sie gemeinsam aßen (13).

6. Es gibt Freundschaften zwischen Menschen und Fischen! Fischer berichten von Freundschaften mit Fischen, denen sie die Stirn streicheln. Die Männer haben erkannt, dass die Fische sie wiedererkennen und sich ihnen regelmäßig nähern (14).

Fische sind soziale Tiere, die in Aquarien dahinsiechen.
FAZIT: Fische in Aquarien – Nein Danke!
Das Geschäft mit den Tieren fordert immer wieder Opfer.

Was Sie tun können

Fische gehören in die Freiheit – nicht in kleine Glaskästen, in denen sie enorm leiden. Bitte kaufen oder züchten Sie niemals Fische! In einigen Tierheimen warten Fische auf die Vermittlung in ein neues Zuhause.
Falls Sie bereits Fische halten, lassen Sie die Haltung bitte auslaufen und gestalten  Sie den vorhandenen Tieren  das Leben so angenehm wie möglich. Überprüfen Sie, ob die Wassertemperatur (auch in den Wintermonaten) fortwährend im optimalen Bereich liegt. Des Weiteren benötigen Fische, die nicht in Freiheit leben, ein ausreichendes Wasservolumen mit Strukturelementen, Filtration, regelmäßige Temperaturkontrollen, eine regelmäßige Reinigung des Aquariums und gut angereichertes Wasser. Sie können Ihren Fischen ihr trauriges Leben in Gefangenschaft erleichtern, indem Sie das Aquarium dem natürlichen Lebensraum der Tiere so gut wie möglich anpassen.

Weitere Informationen über Fische finden Sie hier. Vielen Dank!
Quellen:
(1) Philip Bethge: „Giftattacke im Korallenriff“, Artikel in Der Spiegel 10/2000
(2) Bethge
(3) Moj, Daniel/Reufels, Bernd: „Zierfische in Gefahr“, Sendung im ZDF, Planet E, 29.03.2015.
(4) „Toxin Used to Catch Aquarium Fish Kills Sea Life, Damages Reefs“, Las Vegas Review-Journal/Sun, Oct. 30, 1994
(5) Weeks, Janet: „Pet Fish Business Harmed by Unethical Trappers, Owners“, Las Vegas Review-Journal, Nov. 26, 1993
(6) Moj/Reufels
(7) Bethge
(8) Dunayer, Joan: „Fish: Sensitivity Beyond the Captor's Grasp“, The Animals' Agenda, July/August 1991
(9) „Mating Sounds of Fish“, The New York Times, Sept. 17, 1991
(10) Budiansky, Stephen: „What Animals Say to Each Other“, U.S. News & World Report, June 5, 1995
(11)  Braithwaite, Victoria: „Do Fish feel Pain?“, 2010
(12) Wild, Markus: „Fische. Kognition, Bewusstsein und Schmerz – Eine philosophische Perspektive“, 2012 und Segner, Helmut: „Fish. Nociception and pain—a biological perspective“, 2012
(13) Dunayer
(14) Dunayer