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Kaninchen in der Fleischindustrie

Stand Februar 2015
Kaninchen sind sensible und zarte Tiere
Wer Kaninchen kennt, weiß, dass es sich um aufgeweckte, neugierige und sehr sensible Tiere handelt. Sie lieben es, im kühlen Sand zu buddeln und zu liegen, spielen gerne mit ihren Freunden und machen ausgelassene, weite Sprünge.
Die Haltung, Aufzucht und Schlachtung von Kaninchen für die Fleischproduktion wurde lange Zeit nicht detailliert per Gesetz geregelt. Es gab lediglich unverbindliche Richtlinien, die von den Zucht- und Kaninchenhalterverbänden selbst bestimmt wurden. Erst seit dem 11. August 2014 gelten gesetzlich festgelegte Mindestanforderungen zur Kaninchenhaltung. Diese Mindestanforderungen reichen natürlich bei Weitem nicht aus, um den Kaninchen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Sogar die Haltung auf Gitterböden im Käfig ist weiterhin erlaubt. Am Ende folgt der Tod im Schlachthaus.

Zahlen zum Verbrauch
Etwa 41.000 Tonnen Kaninchenfleisch kommen nach Angaben der Bundesregierung jedes Jahr auf deutsche Teller – dies entspricht etwa 30 Millionen Kaninchen (1). Der Großteil davon, etwa 33.000 Tonnen, wird in Deutschland unter unwürdigen Haltungsbedingungen produziert. Die Angabe in Tonnen macht erneut deutlich: Die Tiere zählen nicht als Individuen, sondern werden zum Produktionsfaktor degradiert.


Fakten zur Zucht und Mast
Wie auch in der Schweinehaltung wird bei Kaninchen zwischen der Zucht und der Mast unterschieden. Während weibliche Kaninchen in der Zucht möglichst viele Jungen zur Welt bringen müssen, sollen Kaninchen in der Mast so schnell wie möglich viel Fleisch ansetzen.

Eine Haltung, die weniger artgerecht nicht sein könnte
Trotz gesetzlich festgelegter Mindestanforderungen ist die Käfighaltung von Kaninchen weiterhin erlaubt. Per Gesetz stehen Kaninchen in der Zucht nur 600 cm2 und Kaninchen in der Mast sogar nur 300 cm2 zur Verfügung – also nicht einmal 2,5 bzw. 1,5 DIN-A4-Seiten pro Tier (2). Es sind lediglich viel zu kleine Rückzug- und dürftige Beschäftigungsmöglichkeiten vorgeschrieben, die nie von allen Tieren gleichzeitig genutzt werden können. Durch chronische Langeweile und zu wenig Platz verletzen sich die Tiere oft gegenseitig oder selbst. Ihr Bewegungsapparat verkümmert und meist müssen die sensiblen Tiere ihr Leben lang auf Gitterböden sitzen – schmerzlich entzündete Pfoten, Wirbelsäulenverkrümmungen und Gelenkprobleme sind die Folge. Käfig an Käfig sitzen Tausende Tiere in großen Hallen, ähnlich grausam wie bei Hühnern in der Legebatterie. Die Luftqualität ist aufgrund der Kotberge unter den Käfigen meist sehr schlecht, und so bekommen viele Kaninchen Atemwegserkrankungen und Augenentzündungen von der ammoniakverseuchten Luft. Die bewegungsfreudigen Tiere haben keinerlei Möglichkeit, ihr arttypisches Verhalten, wie weite Sprünge, tiefes Buddeln und ausgiebige Futtersuche, auszuüben.
Ein Kaninchen wird meist nicht älter als ein Jahr
In der Zucht wird eine Häsin nach etwa einem Jahr im Schlachthaus getötet – wenn sie nicht vorher stirbt. Nach dieser Zeit ist sie entweder so krank oder die Zahl ihrer Nachkommen verringert sich, weshalb sie aus wirtschaftlichen Gründen ersetzt wird (3). In dieser Zeit bringt sie ohne Pausen Junge zur Welt, da ihr natürlicher durch die Jahreszeiten bestimmter Wurfzyklus durch künstliche Lichtprogramme gestört wird (4).
Die Kaninchen in der Mast werden im Alter von nur drei bis vier Monaten getötet – in der Natur sind sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ausgewachsen. Geschlachtet werden die jungen Kaninchen mit 3,0 bis über 4 kg. Diese enorme Gewichtszunahme liegt am chronischen Bewegungsmangel und dem nicht artgerechten Mastfutter. Dieses besteht meist nur aus energiereichen Pellets, die den empfindlichen Magen-Darm-Trakt der Kaninchen stark stören und das Kaubedürfnis nicht annähernd befriedigen können.
Die krankmachenden Haltungsbedingungen setzen den Tieren enorm zu, sodass Mortalitätsraten bis zu 40 % nicht verwunderlich sind – auch in Biobetrieben. (5).
Auch der Transport der Tiere zum Schlachthof ist eine grausame Praxis. Die Kaninchen werden in Kisten verfrachtet und unter großem Stress transportiert. Im Vorfeld müssen sie häufig hungern – dies soll zu einer besseren Fleischqualität führen – was für Tiere, deren Verdauung nur mit einer kontinuierlichen Nahrungsaufnahme funktioniert, eine große Belastung darstellt.

Tötungsmethoden
Anstatt die Tiere per Gesetz vor Tierquälerei und dem Tod zu schützen, müssen Wirbeltiere vor dem Blutentzug lediglich betäubt werden. Für Kaninchen sind hierfür drei verschiedene Verfahren gestattet, von denen jedes auf seine Weise grausam ist. Bei kleinen Schlachtbetrieben oder Hausschlachtungen dürfen Kaninchen sogar noch mit einem harten Schlag auf den Kopf „betäubt“ werden. Oftmals erleiden die Tiere dabei Kopfverletzungen oder eine leichte Gehirnerschütterung – den späteren Schnitt durch die Kehle erleben sie jedoch bei Bewusstsein. In großen Schlachtbetrieben werden die sensiblen Tiere mit Strom oder einem Bolzenschuss ins Gehirn betäubt – auch hier ist die Fehlbetäubungsrate hoch, und das Fixieren bedeutet enormen Stress für die Tiere (6).

Bio-Siegel
Das Bio-Siegel sorgt für ein besseres Gewissen, aber nicht für leidfreies Kaninchenfleisch, denn es gibt kein artgerecht oder gar human getötetes Tier. Die Produktion eines Lebensmittels muss stets wirtschaftlich sein - dies wiederum bedeutet immer Einschränkungen im Tierschutz. Auch wenn die Haltung marginal besser sein mag, so werden Kaninchen mit Bio-Siegel ebenfalls zu deren Nachteil wirtschaftlich profitabel gehalten und am Ende getötet. Das Töten eines Lebewesens zu Profitzwecken kann allerdings niemals tiergerecht sein.


Was Sie tun können


Wer bewusst kein Kaninchenfleisch kauft oder Händler darauf anspricht, diese Produkte aus dem Sortiment zu nehmen, kann den Tieren helfen. Kaufen Sie keine tierischen Produkte wie Fleisch, Milch, Eier oder Honig. Hinter all diesen Produkten steckt großes Tierleid. Melden Sie sich noch heute bei unserem unverbindlichen und kostenlosen VeganStart-Programm an und erhalten Sie 30 Tage lang leckere vegane Rezepte und viele Tipps und Tricks, die den Einstieg in ein gesundes und tierfreundliches Leben erleichtern.


Quellen:
  1. Deutscher Bundestag: Drucksache 17/1601 vom 04.05.2010 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/016/1701601.pdf
  2. Tierschutznutztierhaltungsverordnung: Abschnitt 6 – Anforderungen an das Halten von Kaninchen - § 32 Allgemeine Anforderungen an Haltungseinrichtungen für Kaninchen http://www.gesetze-im-internet.de/tierschnutztv/BJNR275800001.html#BJNR275800001BJNG000602310
  3. KTBL (2009): Erwerbsmäßige Kaninchenhaltung in Deutschland.
  4. Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT)(2009): Kaninchenhaltung. Merkblatt Nr. 78.
  5. BÖL (2010): Bio-Kaninchenhaltung in Deutschland – derzeitige Situation und Stand des Wissens.
    http://orgprints.org/18321/1/18321-08OE174-soel-zerger-2010-biokaninchenhaltung.pdf
  6. Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT)(2007): Kaninchenbetäubung. Merkblatt Nr. 79.