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„Exoten“ raus aus dem Wohnzimmer

Kämpfen Sie mit uns für ein Verbot der Haltung von Wildtieren wie Reptilien

Stand November 2013

Tierschutz
Reptilien und Amphibien, wie Schlangen, Echsen oder Frösche, werden auf Tierbörsen, im Internet und im Zoohandel verkauft. Gerade „Modetiere“ wie Kornnattern oder Bartagamen sind schon ab 10 Euro erhältlich. Viele Menschen kaufen ein solch empfindliches Wildtier, ohne sich vorher über dessen Natur informiert zu haben. Denn Wildtiere wie Reptilien sind in keinster Weise an ein Leben mit dem Menschen angepasst, sie sind nicht domestiziert. Der Kontakt zum Menschen, schon alleine der Sichtkontakt, kann für Wildtiere extremen Stress und Angst bedeuten.

Diese Wasserschildkröten wurden bei einem Großhändler gelagert, der auch Deutschland belieferte. © PETA USA
Die Tiere stammen aus den verschiedensten Regionen der Erde. Ihre Anforderungen an Luftfeuchtigkeit, Bodengrund, Temperatur etc. gehen weit auseinander. Viele Reptilien zeigen zwar auffälliges Verhalten, das auf Angst und/oder Stress hindeutet, wie das ständige „Hochlaufen“ an den Glaswänden ihres Terrariums – denn in ihrer Welt, in der Natur, gibt es keine durchsichtigen Grenzen. Doch in den allermeisten Fällen sieht man Reptilien Unwohlsein, Krankheit oder Schmerzen nicht an. Viele Tiere sterben deshalb frühzeitig, weil der Halter eine Erkrankung gar nicht erkennt, die Behandlung zu spät begonnen wird oder schlichtweg kein fachkundiger Reptilien-Tierarzt in der Nähe ist. Eine Fallstudie von Tierärzten kam zu dem Ergebnis, dass 51 % der untersuchten Tiere aufgrund von Haltungsfehlern verstorben waren. (1) Viele Halter sind schnell mit den Tieren überfordert und setzen sie aus oder bringen sie in die ohnehin bereits überfüllten Tierheime.

Doch nicht nur in der Privathaltung sterben viele Tiere frühzeitig – gerade im Handel sind „Verlustraten“ von 70 % normal. (2) Eine Recherche von PETA USA bei dem weltweit agierenden Großhändler USGE zeigte, dass von insgesamt 26.000 Tieren 80 % krank, verletzt oder bereits tot waren. Jede Woche wurden ca. 3.500 tote und sterbende Tiere ausgesondert. Auf Börsen werden die „Exoten“ wie Ramschware verhökert undhäufig in kleinen Plastikboxen oder strukturlosen Glaskästen an jeden Interessenten verkauft. Ob sich der zukünftige Halter mit den Tieren auskennt oder die nötige Ausstattung zu Hause hat, bleibt ungewiss. Zudem sind Terraristikbörsen auch ein Umschlagplatz für den illegalen Handel – immer wieder werden rund um die Veranstaltungen Verstöße entdeckt.

Präsentation von Tieren auf einer Tierbörse © PETA
Gesundheitsgefahren für den Menschen
Von den sogenannten exotischen Haustieren gehen für den Menschen hauptsächlich zwei Gefahren aus:
Zum einen können viele Reptilien dem Menschen durch Gift oder Körperkraft gefährlich werden. Die Gefahrentierverordnungen der einzelnen Bundesländer gehen stark auseinander und so gibt es in einigen Ländern keinerlei Beschränkungen, was das Halten potenziell gefährlicher Tiere angeht. Bei einer Recherche im Jahr 2012 stieß PETA zusammen mit dem Fernsehsender RTL auf mehrere Giftschlangenanbieter, die ihre Tiere bedenkenlos einem Laien verkauft hätten. Doch auch das Verletzungspotenzial von großen Würgeschlangen oder Leguanen ist nicht zu unterschätzen; selbst Todesfälle sind bekannt.

Zudem tragen geschätzte 90 % aller in Gefangenschaft gehaltenen Reptilien Salmonellose-Erreger in sich. Für die Tiere selbst sind die Erreger unproblematisch, auf den Menschen übertragen können die – oft exotischen Stämme – allerdings zu schweren Erkrankungen führen. Gerade Säuglinge, Kleinkinder und Immungeschwächte sind gefährdet; das Robert Koch-Institut bestätigt in einer Veröffentlichung vom März 2013, dass durch Reptilien verursache Infektionen bei Säuglingen in den vergangenen Jahren zunahmen und schreibt: „In der Bevölkerung sind die daraus resultierenden Infektionsrisiken bis heute zu wenig bekannt. Beim Kauf von Schlangen, Bartagamen, Geckos, Chamäleons und anderen Reptilien bedenken die meisten Tierliebhaber nicht, dass Reptilien Träger und Ausscheider von Salmonellen sind. […] Eine Infektion erfolgt direkt über körperlichen Kontakt mit Reptilien oder indirekt über den Kontakt mit Gegenständen (z. B. auf dem Boden, wo die Kinder krabbeln), die von Familienmitgliedern oder durch Reptilien kontaminiert wurden.“ (3)

Auch auf der weltgrößten Terraristikbörse in Hamm konnten wir bereits Salmonellen nachweisen. Mehr zum Thema finden Sie unter PETA.de/Terraristika und PETA.de/Salmonellen.

Reptilien werden auf Börsen wie Ware verkauft. © PETA
Natur- und Artenschutz
Der internationale Handel bedroht zahlreiche Tierarten. In vielen Fällen ist es schwierig und langatmig, einen ausreichenden Schutzstatus innerhalb des Artenschutzabkommens CITES für eine Tierart zu erreichen; und bis dies der Fall ist, können Wildtierhändler eine Art ungeschützt ausbeuten. Selbst wo der Schutzstatus gegeben ist, fehlt es oft an Kontrollen und staatlicher Durchsetzung.

Auch das oft vorgebrachte Argument, ein legaler Handel wäre hilfreich, um den illegalen Handel zu unterbinden, ist ein Trugschluss. Durch den legalen Handel mit Reptilien können bestehende Handelsrouten problemlos auch für den illegalen Handel genutzt werden. So werden z. B. 80 % der jährlich aus Indonesien exportierten Grünen Baumpythons illegal in freier Wildbahn gefangen und über „Zuchtfarmen“ mit dem Prädikat „in Gefangenschaft gezüchtet“ weiterverkauft. (4)

Ein weiteres Problem des Handels mit Reptilien ist die mögliche Einführung invasiver Arten, der sogenannten Neozoen. Das sind Tiere, die in Deutschland nicht heimisch sind, sich jedoch ansiedeln und so andere – heimische – Tierarten und Ökosysteme bedrohen könnten. Gerade durch den Handel mit „exotischen“ Tierarten geschieht dies immer wieder: So hat sich der Tigerpython beispielsweise in den letzten Jahren explosionsartig in Florida ausgebreitet und der Amerikanische Ochsenfrosch in Deutschland und Frankreich. Solche „eingeschleppten“ Tierarten haben oft keine natürlichen Fressfeinde und können so eine ernste Bedrohung für heimische Arten darstellen. Auch können invasive Arten fremde Krankheitserreger in die heimischen Ökosysteme bringen. Forscher stellten in einer Studie über Tierbörsen in Europa fest, dass 28 % der dort gehandelten Tierarten in der Vergangenheit bereits als invasive Arten auftraten. (5)

 

Was Sie tun können

Unterstützen Sie nicht den Handel mit Reptilien und Amphibien! Wenn Sie sich wirklich bereit fühlen, ein solches Tier bei sich aufzunehmen und sich umfangreich über Anforderungen und Kosten informiert haben, kontaktieren Sie ein Tierheim oder eine Auffangstation.
  • Besuchen Sie keine Exotenbörsen und berichten Sie auch Ihren Freunden von dem Tierleid und den gesundheitlichen Gefahren, die von solchen Veranstaltungen ausgehen.
  • Wenn eine Exotenbörse in Ihrer Stadt stattfindet, schreiben Sie einen Leserbrief an die örtliche Zeitung, um die Menschen zu bitten, die Veranstaltung nicht zu besuchen. Wenden Sie sich auch an Ihre Stadtverwaltung und fordern Sie die Verantwortlichen auf, keine Börsen mehr in städtischen Gebäuden zu genehmigen.
  • Wenn Sie einen Infostand zum Thema „Exoten als Haustiere“ planen, bestellen Sie unseren Flyer zum Thema unter info@peta.de
  • Wenn Sie ein ausgesetztes Tier finden und die Tierart nicht kennen oder einschätzen können, bleiben Sie in der Nähe und rufen Sie die Polizei oder das örtliche Tierheim.
  • Beteiligen Sie sich an unserem Aktionsaufruf für ein Heimtierschutzgesetz PETA.de/Heimtierschutzgesetz, welches die Haltung exotischer Tiere verbieten würde sowie an unserer Petition gegen die weltweit größte Terraristikbörse PETA.de/Terraristika.

  • Dieses Feature soll einen Überblick über die Problematik der Haltung sogenannter exotischer Heimtiere liefern. Das Leid der Tiere ist vielfältig und die Probleme weit gefächert; deshalb sehen Sie sich bitte folgende Beiträge zu den einzelnen Themen an:

    Die weltweit größte Terraristikabörse, Terraristika: www.terraristika-info.de und PETA.de/Terraristika
  • Terraristikbörsen in Deutschland und Europa PETA.de/Exotenboersen
  • Woher kommen die Tiere? PETA.de/Reptilienhandel
  • Salmonellen PETA.de/Salmonellen
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    Quellen:
    (1) Schmidt, Volker: Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress, 2008
    (2) Toland, Elaine/Warwick, Clifford/ Arena, Phillip: Pet Hate, in: The Biologist, Vol. 59 No. 3, 2012.
    (3) Robert Koch Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien, in: Epidemiologisches Bulletin, 4. März 2013, Nr. 9.
    (4) Lyons, J.A./Natusch, D.J.D: Wildlife laundering through breeding farms: Illegal harvest, population declines and a means of regulating the trade of green pythons (Morelia viridis) from Indonesia, in: Biol. Conserv. (2011).
    (5) Warwick, Clifford/Steedman, Catrina/Arena, Phillip: Amphibian and Reptile Pet Markets in the EU: An Investigation and Assessment, 2012.