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Tierversuche – Rechtliche Vorgaben

In rund 20 deutschen und EU-Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien sind nach wie vor Tierversuche vorgesehen, z.B.: Arzneimittelgesetz, Chemikaliengesetz, Futtermittelgesetz, Gentechnikgesetz, Infektionsschutzgesetz, Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz, Pflanzenschutzgesetz, Tierseuchengesetz.

Allein durch die sogenannte REACH-Verordnung, ein Gesetz der EU, welches vorschreibt, dass bis 2018 ca. 30.000 alte Chemikalien im Tierversuch erneut auf ihre Giftigkeit überprüft werden müssen, werden Schätzungen zufolge in der EU bis zu 54 Millionen Tiere zusätzlich sterben. Gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche sind übrigens nicht genehmigungs-, sondern nur anzeigepflichtig.

Die Rahmenbedingungen für Tierversuche und ihre Durchführung werden von der EU vorgegeben. Jahr für Jahr werden in Tierversuchen in der EU mehr als 12 Millionen Tiere eingesetzt. Die Tierversuchsgesetze der einzelnen EU-Staaten beruhen dabei alle auf der gleichen europäischen Tierversuchsrichtlinie.

Bedeutet eine geänderte Tierversuchsrichtlinie auch Verbesserungen für Tiere in Versuchslaboren?
Im November 2008 begann die EU mit der Aktualisierung der bestehenden Gesetzgebung (bekannt als Richtlinie 86/609); im Juni 2010 waren die Bestimmungen der neuen Richtlinie schließlich festgelegt. Obgleich die neue Direktive noch eine Reihe von Instanzen durchlaufen muss, bevor sie als Gesetz verabschiedet wird, sind inhaltliche Änderungen nicht mehr zu erwarten.
Wie sieht die neue Richtlinie also aus und was ändert sich de facto für die Tiere in den Versuchslaboren?

Ein uneinheitliches Bild
Die neue Richtlinie regelt die Gegebenheiten, unter denen Tierversuche in der EU künftig erlaubt sein werden, die Art und Weise ihrer Genehmigung, die Umstände, unter denen die Tiere gehalten werden und die öffentliche Verfügbarkeit von Informationen über durchgeführte Versuche. Die neue Richtlinie soll die enormen Abweichungen im Hinblick auf diese Aspekte zwischen den einzelnen EU-Staaten verringern. Die EU umfasst insgesamt 27 Staaten – von winzigen Nationen wie Malta zu riesigen Ländern wie Deutschland. In einigen dieser Länder kamen für Tierversuche bislang nur sehr wenige Auflagen zur Anwendung. Daher wird die neue Richtlinie hier zweifelsfrei erheblich zum Schutz der Tiere beitragen.

Zu den wesentlichen Verbesserungen in der Novellierung der EU-Tierversuchsrichtlinie gehören:
• Das Verbot von Versuchen an Menschenaffen (Schimpansen, Bonobos, Orang-Utans und Gorillas), mit Ausnahme von außergewöhnlichen Umständen.
• Die Ausweitung des Geltungsbereichs der Richtlinie auf Tierarten wie Tintenfische, die dem Gesetz bislang nicht unterlagen und somit keinen gesetzlichen Schutz genossen.
• Tierversuche dürfen künftig nicht ohne vorherige Genehmigung durch eine Regierungsbehörde durchgeführt werden, und durchführende Experimentatoren müssen entsprechend geschult sein.
• Der Genehmigungsprozess für Tierversuche muss eine Einschätzung des erwarteten potenziellen Ausmaßes des Leidens für die betroffenen Tiere enthalten.
• Höhere Minimalanforderungen im Hinblick auf die Versorgung von Tieren, ihre Unterbringung in den Laboren und die Kontrolle der Labore von Behördenseite.
• Verpflichtung der EU-Länder zur aktiven Förderung der Entwicklung und Anwendung alternativer Testmethoden, die das Leiden der Tiere verringern bzw. bei denen keine Tiere verwendet werden.

Die neuen Auflagen werden dazu beitragen, das Leiden der Tiere in Versuchslaboren zu verringern und können die Durchführung einiger der sinnlosesten und grausamsten Tierversuche verhindern. Der Wermutstropfen ist jedoch, dass die aktualisierte EU-Tierversuchsrichtlinie die bereits in vielen europäischen Ländern, unter anderem in Deutschland, bestehenden Kontrollen und Standards fast in jeder Hinsicht unterschreitet und daher im Hinblick auf das Leiden der Tiere in Versuchslaboren in diesen Ländern keine große Verbesserung bedeutet.

PETA ist prinzipiell gegen Tierversuche und bis zur uneingeschränkten Aufhebung von Tierversuchen werden wir uns für möglichst strenge Auflagen einsetzen. Die neue EU-Tierversuchsrichtlinie ist davon jedoch weit entfernt, und obgleich sie für einige Tiere eine Verbesserung bedeutet, werden insgesamt weitaus mehr Tiere weiter leiden müssen.

Neue Gesetzgebung verbietet Tierversuche für Kosmetika – so scheint es jedenfalls

Am 11. März 2009 trat in der EU eine neue Kosmetikrichtlinie in Kraft, die ein teilweises Verkaufsverbot von Kosmetika und Toilettenartikeln in der EU vorschreibt, wenn diese Inhaltsstoffe enthalten, die tierexperimentell getestet wurden. Angesichts der Grausamkeit von Tierversuchen begrüßt PETA diese tollen Neuigkeiten als Ausdruck wahren Fortschritts.

Das Testen von kosmetischen Produkten und Inhaltsstoffen im Tierversuch ist in Deutschland bereits seit 1998 verboten. Hier geht es vielmehr um die Frage des Verkaufs von Produkten, die Inhaltsstoffe enthalten, welche im Ausland im Tierversuch getestet wurden. Bislang wurden im Handel Produkte aus aller Welt angeboten, also auch aus Ländern und von Unternehmen, die Tierversuche durchführen, welche in Deutschland verboten sind. So begrüßenswert das neue EU-Verbot auch ist, so bedeutet es dennoch nicht die uneingeschränkte Aufhebung von Tierversuchen für Kosmetika. Tierfreundliche Verbraucher sollten sich also weiterhin genauestens über die Produkte informieren, die sie kaufen.

Trotz der großen Fortschritte, die die EU in dieser Richtung macht, werden in vielen Geschäften noch immer Make-up und Toilettenartikel angeboten, deren Inhaltsstoffe nach Inkrafttreten der Richtlinie vom 11. März im Tierversuch getestet wurden. Erfreulicherweise gibt es jedoch auch eine Fülle von tierfreundlichen Produkten, deren Hersteller über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen und damit viele Tiere vor großem Leid bewahren.

Die gute Nachricht
Das neue EU-Verbot bedeutet, dass in Europa weniger Kosmetikprodukte im Tierversuch getestet werden und dass auch außerhalb der EU ansässige Unternehmen ihre Vorgehensweisen anpassen müssen, sofern sie ihre Produkte nach Europa importieren möchten. Das Spannende an der Sache ist, dass das EU-Verbot und der damit verbundene Zeitrahmen dazu beigetragen haben, die Entwicklung humaner Testmethoden zu fördern, so beispielsweise auch von PETA mitfinanzierte, tierversuchsfreie Hautreizungstests.
Diese humanen Testmethoden lassen sich im Übrigen auch zur Prüfung verschiedener Pharmaka und anderer Substanzen anwenden und bieten somit umfassende Vorteile. Nicht zuletzt ist das EU-Verbot auch ein wichtiger Schritt, weil es die Tatsache betont, dass Tiere nicht für belanglose Zwecke benutzt werden dürfen.

Die schlechte Nachricht
Die Kosmetikrichtlinie beinhaltet Gesetzeslücken und Ausnahmen, die dazu führen, dass manche Tierversuche trotzdem durchgeführt werden können, und dass in deutschen Geschäften angebotene Produkte dennoch Inhaltsstoffe aufweisen können, die im Tierversuch getestet wurden.

Zu diesen Gesetzeslücken gehören:
• Gewisse Tierversuche sind bis zum Jahr 2013 erlaubt.
• Tierversuche müssen durchgeführt werden, um anderen Auflagen oder Gesetzen zu entsprechen. Hierzu gehört z.B. die Prüfung bestimmter Chemikalien, die nicht nur als Inhaltsstoffe in Kosmetika verwendet werden, auf Umweltverträglichkeit.

Es ist also auch künftig wichtig, beim Kauf von Kosmetika und Toilettenartikeln die einzelnen Produkte sorgfältig zu prüfen.

Über diesen Link erhalten Sie weitere Informationen zu Tierversuchen für Verbraucherprodukte sowie eine Positiv-Liste von Firmen, die nach wie vor tierversuchsfreie Kosmetika anbieten.

 

Zum Weiterlesen

- Hier werden häufig gestellte Fragen beantwortet sowie die beliebtesten „Argumente“ der Tierversuchsbefürworter entkräftet.
- Hier erfährt man mehr über Alternativen zu Tierversuchen
- Und wer noch mehr wissen möchte: Das Buch „Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten: Daten und Fakten“ bietet eine aktuelle und leicht verständliche Übersicht der Thematik.