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 »  »  »  »  » Zoo-Skandal: Schwunghafter Tierhandel, Nachzuchten für den Profit

Deutsche Zoos verschachern Tiere über dubiosen Tierhändler

Skandalöser Tierhandel in großem Umfang – auf Rechnung der Steuerzahler

Stand Februar 2011
PETA Deutschland e.V. hat im Februar 2011 Strafanzeige gegen mehrere deutsche Zooverantwortliche sowie den Tierhändler Werner Bode bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück erstattet. Nach der Auswertung von hunderten vertraulicher Dokumente kann jetzt mehreren Zoos der wohl illegale, in jedem Fall illegitime Handel mit Zootieren vorgehalten werden.

 

Teilweise werden die Tiere sogar auf Autobahnrastplätzen übergeben.
Insbesondere die Berliner Zoos unter Zoodirektor Dr. Blaszkiewitz sind in erheblichem Umfang an dem Tierhandel beteiligt, aber auch Zoos in 16 weiteren deutschen Städten sorgen für Nachschub bei Bode. Verkauft werden vor allem „ausgediente“ Alttiere und nachgezüchtete bzw. „überschüssige“ Jungtiere. Die Tiere werden nach den uns vorliegenden Informationen von den Zoos an den dubiosen Tierhändler Werner Bode zu Ramschpreisen abgegeben, der sie wiederum an Privatzoos, den Zooschlachthof Belgien, chinesische Farmen, den Zootiereinzelhandel und sogar an Restaurants und Tierversuchslabore weiterverkauft. Teilweise werden die Tiere sogar auf Autobahnrastplätzen übergeben.

Zoos verletzen Aufsichtspflicht
Dabei verletzen die Zoos schon seit Jahren ihre Aufsichtspflicht, denn deren eigenen Verbands-Leitlinien (WAZA/EAZA) verpflichten die Zoos sich über eine „angemessene Unterbringungsmöglichkeit“ und dem „Wohlergehen der Tiere“ bei dem Empfänger der Tiere zu überzeugen. Der Handel mit Tierhändler Bode läuft immer nach gleichem Muster ab und dient den Zoos in erster Linie dazu, sich überflüssiger/überschüssiger Tierbestände zu entledigen, ohne sie selbst töten zu müssen, was nach dem Tierschutzgesetz zumindest in der Theorie verboten ist. Über Bode werden auch zahlreiche Tiere an andere Zoos weiterverkauft. Anstatt aber Tiere untereinander auszutauschen, wie es die Zoorichtlinien vorgeben, hat Tierhändler Bode Gelegenheit, noch eine ordentliche Gewinnspanne draufzuschlagen – zu Lasten der Steuerzahler.

 

Wie auf dem Trödelmarkt vermerkt Tierhändler Bode seine Preisvorstellungen handschriftlich auf seinen Kaufangeboten.
Hauptstadtzoo Berlin - Tierhandel statt Tierschutz
Die beiden Berliner zoologischen Einrichtungen, Tierpark Friedrichsfelde und Zoo Berlin, haben im Zeitraum 2007 bis 2009 mindestens 1363 Tiere über Bode verschachert bzw. zur Abgabe vorgesehen. Dafür sind ca. 369.170 Euro an die Zoos geflossen, meist in Form von Bargeld. Wie auf dem Trödelmarkt vermerkt Tierhändler Bode seine Preisvorstellungen handschriftlich auf seinen Kaufangeboten. Die geringe Wertschätzung für die „Ware Tiere“ wird durch Dokumente deutlich, in denen beispielsweise Bode eine Oryx-Antilope „aus diesjähriger Nachzucht“ bei Zoodirektor Dr. Blaszkiewitz bestellt oder Bode den Wert von zehn grünen Leguanen und fünf Streifenbasilisken wegen dem geringen Großhandelspreis mit Null ansetzt.

 

Jaguar
Der Zoo Berlin verkaufte auch Tiere an Bode, die streng geschützt sind und auf der Roten Liste für bedrohte Arten stehen. Der im Jahr 2009 veräußerte Jaguar und die Salzkatze sind vom Aussterben bedroht, der Handel ist verboten. Zwar dürfen diese Tierarten unter zoologischen Einrichtungen ausgetauscht werden, aber die Abgabe über Tierhändler Bode dürfte einen Verstoß gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) darstellen. Für Bode aber liefern die Zoos die notwendigen CITES-Papiere gleich mit.

Schon der dokumentierte quantitative Umfang dieses Tierhandels verstößt gegen den ausdrücklichen „Ausnahmecharakter“ der Tötung von Zootieren, wie der offizielle Kommentar zum Tierschutzgesetz offenbart: „Für die Tötung überzähliger Zootiere fehlt es von vornherein an einem vernünftigen Grund, wenn gegen das Verbot des widersprüchlichen Verhaltens verstoßen wird: Eine Einrichtung kann sich nicht auf einen angeblichen Überschuss an Tieren und die damit einhergehende Unmöglichkeit einer verhaltensgerechten Unterbringung berufen, wenn sie diese Notlage rechtzeitig vorhersehen können, sie aber dennoch nicht vermieden hat" (vgl. Wendland DTBl. 2003, 799, 800: „eklatante Herabwürdigung der Mitgeschöpfe“).

Deshalb sollte „eine Vermehrung von Zootieren grundsätzlich nur ermöglicht werden, wenn auch für die Nachkommen eine artgemäße Unterkunft gesichert ist“ (BMELV, Tierschutzbericht 1999, S.38) (aus: Tierschutzgesetz, Vahlen 2007, §17 TierSchG, S.467)

 

Skandalöse Fiskalpolitik: Steuererlass für Tierhandel
Für den Handel mit ihren Tieren zahlen zoologischen Einrichtungen keine Umsatzsteuer. Der Gesetzgeber gesteht den Zoos zu, seinen Tierbestand regelmäßig zu verjüngen und befreit ihn dafür von der Steuerpflicht. Dieses System schafft den perversen Anreiz, ständig Tiere nach zu züchten und zu veräußern. Ebenso kommen Betriebe wie Zoos und Zirkusse, die Tiere einsperren und zur Schau stellen und somit vom Tierleid profitieren, in den Genuss eines verminderten Umsatzsteuersatzes von 7% (anstatt 19%) auf ihre Ticketverkäufe.

Dennoch steht bei den Zoos die Entsorgung nicht benötigter Tiere im Vordergrund und deshalb werden sie teils zu Schleuderpreisen abgegeben. Die Gewinnspannen bei Tierhändlern wie Bode sind immens und liegen bei bis zu 100%. Bode aber gibt nur Minimaleinkünfte an, daher hat PETA auch den zuständigen Steuerbehörden die brisanten Dokumente zukommen lassen.

Die Kombination aus fehlenden behördlichen Aufsichtsstrukturen und widersinnigen fiskalischen Vergünstigungen schafft überhaupt erst ein Umfeld, in dem die weitgehend autokratisch agierenden zoologischen Einrichtungen Tiere je nach Bedarf beschaffen, beseitigen und ausnutzen.

Klar ist aber, dass es sich bei diesem Fall lediglich um die Spitze des Eisbergs des Handels mit Tieren aus zoologischen Einrichtungen handelt.