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Animal Hoarding: die Krankheit und das Verbrechen


Der englische Begriff „Animal Hoarding“ bezeichnet ein krankhaftes Sammeln von Tieren. Menschen, die Tiere in dieser Form horten oder sammeln, verursachen meist schlimmes Tierleid: Sie sorgen oft nicht für Nahrung, ausreichende Hygiene und tierärztliche Versorgung. Gleichzeitig fühlen sich die Sammler häufig nicht in der Lage, gegen die schlimmen Bedingungen vorzugehen oder auch nur dem Sammeln an sich entgegenzuwirken. Selbst wenn das Wohlbefinden der eigenen Person oder anderer Familienmitglieder gefährdet ist, reagieren diese Menschen meist nicht mehr. (1)

Das Profil eines Tiersammlers
Dr. Gary J. Patronek zufolge sind sich „Sammler laut Definition dem extremen Leid ihrer Tiere, das Beobachtern als vollkommen offensichtlich erscheint, nicht bewusst“. (2)
Tiersammler kennzeichnen sich durch drei auffällige Verhaltensweisen:
  • Sie sammeln eine hohe Anzahl von Tieren.
  • Sie kümmern sich nicht um die grundlegendsten Bedürfnisse der Tiere, wie frisches Wasser, Futter, Unterschlupf, tierärztliche Versorgung und Hygiene.
  • Sie erfinden Ausreden oder leugnen die miserablen Bedingungen, unter denen ihre Tiere, und in einigen Fällen auch ihre Kinder, leben müssen. (3)

Der in Vermont, USA, ansässigen Animal Cruelty Task Force zufolge finden Tiersammler „den Gedanken an den Tod so abstoßend, dass sie ein unmenschliches Leben einem humanen Tod vorziehen“. (4) Das Ansammeln von Tieren unter schlimmen Bedingungen kommt auch häufig in ausländischen Tierheimen vor, in denen selbst schwerkranke Tiere nicht eingeschläfert und oft viel zu lange unter bedauernswerten Umständen „gelagert“ werden.

Dr. Ronald Ulfohn zufolge wird in diesem Umfeld häufig der eigentliche „Retter … zum Unterdrücker“. (5) Um nur eines von unzähligen Beispielen zu nennen: In dem US-Tierheim „Vanovia“ wurden 2004 insgesamt 198 kranke Katzen und Hunde aufgefunden. Die Leiterin des Tierheims, Gloria Sutter, bekannte sich in acht Fällen der Tierquälerei für schuldig. (6) Sutter war bereits für das Sammeln von Tieren bekannt: 1984 wurden in der verdreckten Einrichtung bereits über 500 Tiere in schlechter gesundheitlicher Verfassung gefunden und auch 1986 wurden fast 800 Tiere unter ähnlich katastrophalen Umständen entdeckt. (7)

Das Leid der Tiere
Angesichts der großen Anzahl an Tieren, die sie halten, sind Tiersammler schnell überfordert. Das Ergebnis: Die Tiere sind krank oder verletzt und werden nicht tierärztlich behandelt; oft sind sie nicht ausreichend mit Nahrung und Wasser versorgt und werden unter widrigsten Umständen gehalten – oft auch im Keller, auf dem Dachboden oder sogar im Auto, wie im Fall einer Frau, die ca. 80 Meerschweinchen in ihrem PKW hielt. Eine Befragung deutscher Veterinärämter ergab, dass die Tiere in 60 Prozent der untersuchten Fälle krank waren; über 27 Prozent wiesen Verletzungen auf, die Hälfte der Tiere hatte Parasiten, über 40 Prozent waren unterernährt, in fast jeder dritten auffälligen Tierhaltung waren tote Tiere auffindbar, in über 40 Prozent der Fälle mussten Tiere eingeschläfert werden. Hinzu kommt, dass die meisten Tiersammler ihre Tiere nicht kastrieren lassen bzw. nicht nach Geschlechtern getrennt halten. In drei Viertel der Fälle waren die Tiere nicht kastriert, so dass in fast 80 Prozent der betroffenen Haushalte tragende oder säugende Tiere vorgefunden wurden. So geht das Leid der Tiere immer weiter und die Überforderung der Halter wächst.

Die am häufigsten betroffene Tierart in allen gemeldeten Fällen waren Katzen, gefolgt von Hunden; die Gesamtzahl der gehaltenen Tiere war bei den Nagern am höchsten. Aber auch Vögel, Großtiere wie Schweine und Pferde sowie Wildtiere wie Reptilien und Amphibien werden Opfer von Animal Hoardern. Die Tiersammler hielten in der Hälfte aller untersuchten Fälle bis zu drei Tierarten, in 10 Prozent der Fälle zwischen sechs und 20 Tierarten. Bei der Berechnung des Durchschnitts aller pro Haushalt gehaltenen Tieren im Falle von Animal Hoarding kam die Umfrage auf eine Anzahl von über 100 Tieren pro Haushalt. (8)

Bedingt durch die schlechte Haltung und die dadurch verursachten psychischen Leiden sind die Tiere zudem schlechter bis kaum vermittelbar, wenn sie aus ihrer verheerenden Situation befreit werden.

Die Gefahr für den Menschen
Das Leid, das von einer solchen Haltung für die Tiere ausgeht, ist offensichtlich. Doch auch die betroffenen Menschen haben oft schwerwiegende Probleme. In der bereits zitierten Studie wiesen mehr als ein Drittel der Betroffenen seelische Erkrankungen auf und litten beispielsweise an Zwangsstörungen, Depression oder Alkoholabhängigkeit. In Fällen, in denen die Veterinärämter den sozial-psychiatrischen Dienst einbeziehen wollten, lehnten die Betroffenen dies jedoch meist ab. Viele Tiersammler vernachlässigen sich selbst und die Menschen in ihrem Umfeld mit steigender Tierzahl zunehmend. Oft sind einschneidende Erlebnisse, wie der Verlust der Arbeitsstelle, Scheidungen o. ä., Auslöser für das Animal Hoarding; die Tiere dienen dann häufig als Partner- oder Kinderersatz. Andere Tiersammler bedienen durch das Animal Hoarding ausschließlich eigene Bedürfnisse und weisen eher soziopathische Züge auf. (9) Die meisten Betroffenen werden zudem rückfällig, wenn ihnen Tiere von Amts wegen weggenommen wurden oder sie freiwillig Tiere abgegeben haben; Schätzungen gehen von einer Rückfallrate von 60 bis 100 Prozent aus. (10) (11)
 

Durch die beengte Haltung beim Animal Hoarding verbreiten sich Krankheiten von Tier zu Mensch meist schneller, so zum Beispiel Toxoplasmose, die Papageienkrankheit und Salmonellen. Diese Krankheiten bedrohen auch Angehörige des Sammlers, besonders Kinder und alte Menschen. (12) In den Häusern der Betroffenen bestehen meist auch erhöhte Ammoniakvorkommen, verursacht durch den sich sammelnden Tierurin.
 

Was Sie tun können

Kontaktieren Sie Tierschutzbehörden oder die Polizei, wenn Sie vermuten, dass jemand Tiere vernachlässigt oder missbraucht – auch, wenn es sich um Menschen handelt, die es „nur gut meinen“. Viele Menschen sammeln Tiere aus Gründen wie Einsamkeit oder Isolation – das bedeutet, dass hier Mensch und Tier dringend Hilfe brauchen. (13)

Wenn Sie selbst – privat oder im Namen eines Tierschutzvereins – Tiere vermitteln, sehen Sie sich den neuen Platz für das Tier genau an. Stellen Sie Fragen zur Pflege und Unterbringung der Tiere und erkundigen Sie sich, wie oft und in welchen Fällen Tiere aufgenommen werden.


Quellen
1)    Sperlin, Tina Susanne (2012): Animal Hoarding. Das krankhafte Sammeln von Tieren. Hannover: DVG Service GmbH.
2)    Gary J. Patronek, V.M.D., Ph.D., “The Problem of Animal Hoarding,” Municipal Lawyer, May/Jun. 2001.
3)    The Hoarding of Animals Research Consortium, 2004.
4)    Vermont Animal Cruelty Task Force.
5)    Ronald Ulfohn, D.V.M., “Animal Hoarders,” Paw Prints, Feb. 2000.
6)    Todd C. Frankel, “Woman Pleads Guilty to Animal-Neglect Charges,” St. Louis Post-Dispatch, 21 Oct. 2004.
7)    Todd C. Frankel, “Raid Nets 54 Animals at Union Apartment,” St. Louis Post-Dispatch, 10 Aug. 2004.
8)    Sperlin, Tina Susanne (2012): Animal Hoarding. Das krankhafte Sammeln von Tieren. Hannover: DVG Service GmbH.  
9)    Ebd.
10)    Bonnie L. Cook, “Helping ‘Animal Hoarders’ and Their Pets Is No Simple Task,” Knight Ridder Newspapers, 23 Sep. 2004.
11)    Gary J. Patronek, V.M.D., Ph.D., “Hoarding of Animals: An Under-Recognized Public Health Problem in a Difficult-to-Study Population,” Public Health Reports 114 (1999): 81-86.
12)    Hoarding of Animals Research Consortium, “Health Implications of Animal Hoarding,” Health & Social Work, 27 (2002): 125-136.
13)    Sperlin, Tina Susanne (2012): Animal Hoarding. Das krankhafte Sammeln von Tieren. Hannover: DVG Service GmbH.