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Arzneimitteltests: Sinnloses Tierleid

Stand Juli 2013
In Deutschland sind aktuell mehr als 33.200 Arzneimittel zugelassen, jährlich kommen Hunderte hinzu. „Getestet“ werden sie in veralteten und grausamen Tierversuchen. Das derzeitige System der Arzneimitteltests bringt die Verbraucher in eine gefährliche Situation, denn die Versuchsergebnisse lassen sich nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen.

Gefährliche Unterschiede
Viele Ärzte und Wissenschaftler sprechen sich mittlerweile ganz offen gegen diese altmodischen Verfahren aus. Sie weisen dabei besonders darauf hin, dass unzuverlässige Tierversuche es nicht nur möglich machen, dass gefährliche Arzneimittel auf den Markt und somit in die Hände der Allgemeinheit gelangen, sondern auch, dass Tierversuche eine Vermarktung von möglicherweise effektiven Medikamenten verhindern. So wäre beispielsweise Penicillin nie auf den Markt gekommen, wenn es an Meerschweinchen, einem gängigen „Labortier“, getestet worden wäre, denn Penicillin ist für diese Tiere tödlich. Aspirin tötet Katzen, und Morphium wirkt stimulierend auf Katzen, Ziegen und Pferde, während es beim Menschen als starkes Schmerz- und Schlafmittel eingesetzt wird.

Die Reaktionen eines Arzneimittels auf den Menschen können nicht anhand von Versuchen am Tier vorausgesagt werden, da verschiedene Spezies völlig unterschiedlich auf Medikamente reagieren. Selbst innerhalb einer Spezies gibt es starke individuelle Schwankungen bei der Verträglichkeit und der Wirkung eines Medikamentes. Das britische Gesundheitsministerium schätzt, dass nur eine von vier toxischen Nebenwirkungen, die in Arzneitests bei Tieren auftreten, tatsächlich auch bei Menschen zu verzeichnen ist. Einige Beispiele sind:
Practolol, ein Medikament gegen Herzerkrankungen, das in Tierversuchen „bestanden“ hatte, wurde vom Markt genommen, nachdem es beim Menschen massive toxische Nebenwirkungen zeigte (beispielsweise ein Syndrom, welches zur Erblindung führen kann).
  • Arsen, das für Menschen hochgiftig und krebserregend ist, wird von Wiederkäuern in großen Mengen vertragen.
  • Chlomifen wird bei Frauen mit Kinderwunsch verwendet, um den Eisprung auszulösen, während es im Tierversuch eine gegenteilige Wirkung gezeigt hat.
  • Diethylstilbestrol (DES), ein an Tieren getestetes Medikament gegen hormonelle Probleme in der Menopause oder Stillzeit, verursachte Krebs beim Menschen und ist mittlerweile nicht mehr auf dem Markt.
  • Experimentatoren, die ihre Forschung auf Tiere stützen, sind schlechter imstande, Symptome wie Gefühlsschwankungen, Schwindel, Übelkeit und andere wichtige, aber weniger offensichtliche Zustände zu erfassen. Tiere sind nicht in der Lage, dem Experimentator zu sagen, wie sie sich fühlen – eine notwendige Information, um entscheiden zu können, ob ein Arzneimittel für menschliche Patienten geeignet ist. Dazu kommen die enorm wichtigen „Lifestyle-Faktoren“, die in Tierversuchen gänzlich unberücksichtigt bleiben. Ob jemand beispielsweise raucht, übergewichtig ist und unter enormem Stress steht, kann die Wirkungen und Nebenwirkungen eines Medikamentes bei dieser Person immens beeinflussen, verglichen mit einer physisch und psychisch gesunden Person, die Sport treibt und sich pflanzlich ernährt.

    Ignorierte Ergebnisse
    Unvorteilhafte Ergebnisse aus Tierversuchen verhindern noch lange nicht, dass ein Arzneimittel für den Menschen auf den Markt kommt. Aus den Tests haben sich bereits so viele Unterschiede hinsichtlich der Wirkung von Chemikalien bei Tieren und Menschen ergeben, dass die Regierung und auch die Verantwortlichen der Industrie oft schon gar nicht mehr entsprechend den Ergebnissen der Tierversuche handeln. Das Akne-Medikament Accutan wurde vermarktet, obwohl es bei Ratten angeborene Schäden verursachte. Ein kaum sichtbarer Warnhinweis wurde auf dem Arzneimittel angebracht. In diesem Falle spiegelten die Ergebnisse der Tierversuche allerdings wirklich die Reaktion beim Menschen wider, und so kamen Hunderte von Kindern mit angeborenen Defekten auf die Welt, die von Accutan verursacht wurden. Trotzdem ist das Medikament immer noch auf dem Markt, wenn auch mittlerweile unter strengeren Einschränkungen.

    Unnötige Medikamente

    Pharmazeutische Unternehmen stellen einen Geschäftszweig dar, der Profit machen will. Dies wird erzielt, indem man eine große Anzahl von Medikamenten vermarktet, von denen viele identische Kopien bereits erhältlicher Mittel sind. Der Innovationsreport 2013 der Techniker Krankenkasse zeigt, dass von den 2010 und 2011 neu für den deutschen Markt zugelassenen Medikamenten über 90 % keinen nennenswerten therapeutischen Fortschritt für die Patienten mit sich bringen – wohl aber immense Mehreinnahmen für die Pharma-Unternehmen. Während wirkliche medizinische Innovationen also Seltenheitswert haben, bereichern sich die Pharmakonzerne auf Kosten der Patienten – und der vielen tausend Tiere, die in den Zulassungstests auf qualvolle Weise ihr Leben lassen.

    Die richtige Richtung

    Politiker und Unternehmen müssen dringend moderne tierfreie Testmethoden anstelle von Tierversuchen einsetzen, damit die Sicherheit neuer Arzneimittel gewährleistet wird. Solche ausgeklügelten, zuverlässigen Testmethoden existieren längst. Unser Faktenblatt zu diesen sogenannten Alternativmethoden zeigt Ihnen einige faszinierende Beispiele hochmoderner Tests, die heutzutage erfolgreich im Einsatz sind, ganz ohne Tierleid auskommen und zuverlässig auf den Menschen übertragbare Ergebnisse liefern.
    PETA setzt Regierungen weltweit unter Druck, sich stärker für die Entwicklung und Anerkennung weiterer tierfreier Testmethoden stark zu machen. Um unsere Expertise auf dem Gebiet der vorgeschriebenen Tests und Tierversuche möglichst effizient einsetzen zu können, wurde das PETA International Science Consortium (PISC) gegründet.
    In den Fällen, in denen noch keine tierfreien Ersatzmethoden existent oder validiert sind, arbeitet PETA mit Unternehmen und Behörden daran, dass genügend Gelder bereitgestellt werden, um die fehlenden Testmethoden möglichst schnell entwickeln zu können. Dabei arbeiten wir eng mit Organisationen wie dem „European Centre for the Validation of Alternative Methods“ (ECVAM) und dem „Institute for In Vitro Sciences“ (IIVS) zusammen.

    Was Sie tun können
    Heutzutage verfügen wir über umfangreiches Wissen, um vielen Erkrankungen des Menschen vorzubeugen. Indem wir mit Antibiotika und Chemikalien belastete Fleisch- und Milchprodukte aus unserer Ernährung eliminieren, Tabakwaren meiden und uns viel bewegen, können wir in vielen Fällen dafür Sorge tragen, dass wir gar nicht erst auf Medikamente angewiesen sind. Unser kostenloses Veganstart-Programm hilft Ihnen beim Einstieg in eine gesunde, pflanzliche Lebensweise.

    Zwischenzeitlich sollten Sie versuchen, Medikamente wirklich nur dann zu kaufen und einzunehmen, wenn es unbedingt erforderlich ist, denn halten Sie sich bitte immer vor Augen, dass der Verkauf von Arzneimitteln letztendlich auch ein profitables Geschäft ist. Und falls Sie tatsächlich ein Medikament einnehmen müssen, fragen Sie bitte Ihren Arzt vorher, was klinische Studien über dieses Arzneimittel aussagen, nicht was Tierversuche ergeben haben.
    Sprechen Sie sich außerdem bitte gegen unsinnige und ungenaue Versuche an Tieren aus und drängen Sie stattdessen auf eine für den Menschen relevante und ethisch vertretbare Erforschung und Testung von Arzneimitteln. Das EU-Parlament und die Bundesregierung müssen dazu angehalten werden, mehr Mittel für Präventivprogramme und tierfreie Test- und Forschungsmethoden zur Verfügung zu stellen.