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Aufgedeckt: Doping, Betrug und Tod bei Pferderennen

 
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Eine erschütternde Undercover-Recherche von PETA USA

Stand Mai 2014
Stellen Sie sich vor, Sie werden bis zur völligen Erschöpfung angetrieben: Ihre Beine versuchen mit letzter Kraft, das eigene Körpergewicht zu stemmen; ihre blutenden Lungen können nicht genug Luft einsaugen, aber trotzdem müssen sie immer weiterrennen. So schlimm ergeht es „Rennpferden“, denen Trainer regelmäßig Medikamente verabreichen, die die Schmerzen der Tiere kaschieren und ihre Leistung steigern sollen.

Wie auch die New York Times berichtet, gelang es PETA USA nun erstmals, die grausamen Praktiken der Rennsport-Industrie verdeckt zu filmen. Eine Undercover-Ermittlerin dokumentierte die Bedingungen in den Ställen des führenden US-Trainers Steve Asmussen.

Die PETA-Ermittlerin arbeitete für Steve Asmussen, einen Trainer, der in den letzten zehn Jahren mehr Rennen gewonnen hat, als jeder andere Trainer in den USA. Seine Erfolge feierte Asmussen auf den berühmtesten Rennbahnen von Amerika: Churchill Downs in Louisville (Heimat des Kentucky Derby) und Saratoga Race Course in New York.

„Rennpferde“ erhalten täglich eine aggressive Medikamentenkur, die ihre Schmerzen übertünchen soll. Diese Medikamente werden anscheinend nicht zu therapeutischen Zwecken eingesetzt, sondern dienen dazu, die Pferde weiter zum Laufen zu zwingen, wenn ihre Beine und Lungen eigentlich schon abgekämpft sind.
Pferde unter Drogen zu setzen ist in der Rennsportindustrie offenbar eine solch gängige Praxis, dass die Tiere mittlerweile „Chemie-Pferde“ genannt werden. Die konstante Medikamentengabe führt dazu, dass Füße, Knochen und der ganze Körper der Tiere mehr und mehr zugrunde gerichtet werden. Unsere Ermittlerin dokumentierte folgende massive Medikamentenverabreichung:
 
  • Obwohl Thyroxin nur als verschreibungspflichtiges Medikament für Pferde mit einer Schilddrüsenunterfunktion zugelassen ist, wurde das Mittel vielen, wenn nicht sogar allen Pferden im New Yorker Stall von Asmussen verabreicht. Die Tiere wurden zuvor nicht auf Schilddrüsenprobleme getestet, und es lagen auch keine entsprechenden Hinweise auf eine solche Krankheit vor. Scheinbar wurde das Medikament nicht massenweise verabreicht, um Erkrankungen zu behandeln, sondern um den Stoffwechsel der Tiere anzutreiben.
  • Lasix, ein kontroverses Medikament, dessen Einsatz bei Pferderennen in Europa verboten ist, wurde „praktisch allen“ von Asmussens Pferden gespritzt, die zu dem Rennen in New York antraten oder dafür vorgesehen waren. Das starke Medikament soll Lungenblutungen bei extremer Anstrengung verhindern, ist aber auch ein Diuretikum, das die Verabreichung anderer Medikamente verschleiert und die Pferde dehydriert, damit sie an Gewicht verlieren und so schneller laufen. Einer der bekanntesten Tierärzte im Bereich von Pferderennen im Staat New York gab vor der Kamera der PETA-Ermittlerin zu, dass Lasix ein leistungssteigerndes Medikament ist.
  • An den Beinen der Pferde waren Narben zu sehen, die von Verbrennungen mit flüssigem Stickstoff herrühren. Außerdem wurden den Tieren auch mit anderen Chemikalien Verbrennungen zugefügt, die Blasen verursachten. Mit diesen Prozeduren soll die Durchblutung in den geschädigten Beinen stimuliert werden.
  • Obwohl die Pferde keinerlei entsprechende Symptome aufwiesen, erhielten sie Muskelrelaxantien, Beruhigungsmittel und andere starke Medikamente, die üblicherweise zur Behandlung von Geschwüren, Lahmheit und Entzündungen eingesetzt werden.
Eines von tausenden Opfern des Pferderennsports © PETA USA

Über ihre Grenzen getrieben
  • Jede Woche kollabieren und sterben durchschnittlich 24 Pferde auf US-Rennbahnen. Einer Untersuchung der New York Times aus dem Jahr 2012 zufolge ist dies teilweise auf den Missbrauch von Medikamenten zurückzuführen, mit denen selbst verletzte Pferde noch zum Weiterrennen gezwungen werden. Jedes Jahr enden 10.000 auf Rennbahnen zusammengebrochene Pferde im Schlachthaus.
  • Einigen Pferde wurden mit versteckten Geräten offenbar Elektroschocks verabreicht. Ein Trainer von Asmussen, Scott Blasi, nannte einen seiner besten Jockeys im Spaß einen „Maschinenreiter“ – ein Spitzname für einen Reiter, der sein Pferd mit Elektroschocks antreibt. Und der berühmte Trainer D. Wayne Lukas beschrieb lachend, dass die Rennbahn Ruidoso Downs in New Mexiko wie „ein komplettes Orchester“ klinge: „Zzzz. Zzzz. Zzzz. Zzzz. Jeder hatte einen.“
  • Valediction, ein Pferd, das an mehrfachen Knieverletzungen litt, wechselte nach einem Rennen den Besitzer. Blasi sagte, er sei so glücklich, dass er vor Freude in die Luft springen könne – vermutlich, weil er das Pferd losgeworden war. Valediction hatte sich anscheinend einen Knochenbruch zugezogen und konnte nicht zum Stall des neuen Besitzers laufen. Das Tier musste notoperiert werden. Blasi und der Trainer des neuen Besitzers witzelten, das Pferd sei eine „Ratte“ – der Begriff für ein Pferd, das kein Geld gewinnt.

Mit Superkleber zusammengehalten
Nehro war ein wunderschönes Pferd. Er wurde Zweiter beim Kentucky Derby 2011. Was Rennsportfans und Reporter allerdings nicht wissen, ist, dass Nehro nur wenige Jahre später mit chronisch schmerzenden und zerlöcherten Hufen trainiert wurde und Rennen bestreiten musste. Ein Huf wurde zeitweise mit Superkleber zusammengehalten. Nehros Trainingsassistent, Blasi, sagte der PETA-Ermittlerin: „Das muss saumäßig wehtun.“ Dennoch musste Nehro weiterrennen und an den Trainingseinheiten teilnehmen. Nur zwei Jahre nach dem Derbysieg bekam Nehro höllische schmerzende Koliken. Er wurde am Tag des Kentucky Derby 2013 in Churchill Downs eingeschläfert.

Helfen Sie den Pferden!
Bitte nehmen Sie am Aktionsaufruf von PETA USA teil und fordern Sie die „Association of Racing Commissioners International“ auf, den Bestimmungen der „United States Anti-Doping Agency“ (USADA) Folge zu leisten und die Rennsport-Industrie sowohl auf illegale Medikamentengabe als auch auf den Missbrauch legaler Medikamente zu überprüfen.
Und denken Sie daran: Sie können Rennpferden am besten helfen, indem Sie niemals ein Pferderennen besuchen oder auf ein Pferd Wetten abschließen!