Spenden
 »  »  »  »  » Interview mit Tierschützerin Claudine André über ihr Bonobo-Projekt

Tierschützerin Claudine André, die „Mutter der Bonobos“, im Exklusiv-Interview über ihr Waisenhaus-Projekt

Themenschwerpunkt
 
Banner
 
 
Empfohlene Beiträge

Die Expertin unterstützt PETAs „Rettet Robby“-Kampagne

Stand Mai 2012
Die belgische Tierschützerin Claudine André hat im Kongo ein Waisenhaus und ein Auswilderungsreservat für Bonobo-Kinder aufgebaut, deren Eltern von Jägern ermordet wurden. Die Zwergschimpansen sind vom Aussterben bedroht und leben ausschließlich in den letzten Wäldern Kongos. Anlässlich der Veröffentlichung ihrer neuen Abenteuer-Dokumentation „Benny – Allein im Wald“ erzählt die Bonobo-Expertin über ihre hingebungsvolle Arbeit im Kongo und warum Schimpanse Robby sofort aus dem deutschen Circus Belly herausgeholt werden sollte.

 

 

Junges Familienglück © Sunfilm Entertainment
PETA: Frau André, warum haben Sie die Bonobos zu Ihrem Lebensmittelpunkt gemacht?
Claudine: Ich lebe schon von klein auf in Afrika, immer in der Nähe des Waldes und der Natur. In den 1990-er Jahren wütete ein Bürgerkrieg im Kongo und zu der Zeit begann ich, den Tieren im Zoo von Kinshasa zu helfen, die dort unter schlimmen Bedingungen leben mussten. Einmal gab jemand ein Bonobo-Baby im Zoo ab und der Zoodirektor sagte, in Gefangenschaft würde es bald sterben. Ich habe mich um das Kleine gekümmert und es überlebte. Danach kamen weitere Bonobos hinzu und ich habe mich bei der Regierung dafür eingesetzt, dass Bonobos auf Märkten und bei Privatleuten beschlagnahmt und in meine Rettungsstation gebracht werden. Ein Schwerpunkt liegt heute darauf, die Kinder und Jugendlichen für das Wohlergehen der Menschenaffen zu sensibilisieren. Derzeit besuchen jedes Jahr über 30.000 Schüler und Jugendliche die Bonobo-Auffangstation.

PETA: Wie funktioniert die Auswilderung von Bonobos?
Claudine: Vor etwa drei Jahren begann ich, geeignete Waldgebiete für eine Auswilderung der Bonobos ausfindig zu machen. Da Bonobos sehr unterschiedliche Charaktere haben, muss sorgfältig darauf geachtet werden, ob er oder sie bereit ist für eine Auswilderung in die Natur. Die erste Gruppe, die ausgewildert wurde, hatte eine Sozialstruktur wie ihre freilebenden Artgenossen mit Müttern, Kindern und männlichen Bonobos. Nun, nach zwei Jahren, ist diese Gruppe wieder eine selbstständige und wildlebende Bonobo-Gruppe. Die Wiedereinführung von Menschenaffen in die Natur ist ein komplexer, langwieriger Prozess und wir haben dabei zahlreiche Vorschriften zu befolgen, welche die Weltnaturschutzunion (IUCN) aufgestellt hat.

DVD 'Benny - Allein im Wald' © Sunfilm Entertainment
PETA: Warum haben Sie eine Abenteuer-Dokumentation über den jungen Bonobo-Waisen Benny gedreht?
Claudine: Benny hat uns immer wieder mit seiner Intelligenz und seinem Einfallsreichtum verblüfft. Sein Schicksal ist stellvertretend für das der meisten Bonobos, die bei uns aufgenommen werden.

PETA: Was denken Sie über PETAs Kampagne zur Rettung von Robby aus dem Circus Belly – der letzte Schimpanse in einem deutschen Zirkus?
Claudine: Ich lehne die Haltung von Schimpansen im Zirkus entschieden ab. Kein Zirkus kann einem Schimpansen den Lebensraum bieten, den er benötigt. Zirkusse behandeln Tiere wie Spielzeug, was ich sehr schrecklich finde. Robbys Leben in einem Zirkuswagen, ständig unterwegs, das ist kein Leben für einen Schimpansen.

In Freiheit ist es am Schönsten © Sunfilm Entertainment
PETA: Die Schimpansenauffang- und Rehabilitationseinrichtung AAP in den Niederlanden würde Robby aufnehmen, obwohl Robby schon viele Jahre im Zirkus lebt. Was wäre Ihrer Meinung nach das Beste für den Schimpansen?
Claudine: Das wäre fantastisch für Robby.

PETA: Kann Robby nach einem Leben im Zirkus überhaupt wieder ein Schimpanse sein?
Claudine: Ganz sicher! Schimpansen sind sehr intelligente Tiere. Er könnte ganz sicher wieder lernen, mit Artgenossen zu leben. Robby wäre auf jeden Fall glücklicher, unter seinesgleichen zu sein als unter Menschen. Auch nach so vielen Jahren.

PETA: Einem Experten-Gutachten des zuständigen Veterinäramtes zufolge darf Robby im Zirkus bleiben, wie beurteilen Sie dies?
Claudine: In einem engen Käfig leben zu müssen und der ständige Ortswechsel ist ein schreckliches Leben für Schimpansen, weil sie an ein stetes Leben angepasst sind.

PETA: Vielen Dank, Frau André, für das Interview.