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Circus Afrika mit verhaltensgestörten Elefanten in Sassnitz: PETA appelliert an Bürgermeister Frank Kracht, sich für ein Wildtierverbot in Zirkussen einzusetzen

 
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Stand August 2017
Sassnitz / Stuttgart, 22. August 2017 – Leid der Elefanten stoppen: Ab Donnerstag gastiert Circus Afrika mit drei verhaltensgestörten Elefanten in Sassnitz auf Rügen. PETA übt scharfe Kritik an dem Zirkusbetrieb, weil den sensiblen Rüsseltieren trotz ihrer Stereotypien weiterhin Reisestress zugemutet wird. Zahlreiche Videoaufnahmen aus vergangenen Gastspielorten zeigen das „Weben“ der drei Elefantendamen. Dabei schwingen die Tiere pausenlos mit Kopf und Rüssel hin und her – eine Folge mangelhafter Haltungsbedingungen und ein Zeichen für schweres seelisches Leiden der Tiere. Zudem quält die Asiatische Elefantendame Gandhi ein großes Bauchödem; bei den Afrikanischen Elefanten Tonga und Moja sind die Beine wegen des andauernden Stehens auf hartem Untergrund teilweise deformiert [1]. Circus Afrika und sein Chef Hardy Weisheit sind in der Vergangenheit wiederholt wegen Tierquälereien und Verstößen gegen die öffentliche Ordnung in die Schlagzeilen geraten. In einem Schreiben appelliert PETA an den Bürgermeister Frank Kracht, Vermietungen von kommunalen Flächen an Zirkusbetriebe mit Wildtieren künftig zu untersagen.

„Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes und bereits dutzendfach negativ aufgefallen. Städte sollten diesem Unternehmen und der Tierquälerei im Zirkus die Rote Karte zeigen“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA.

In einer Chronik hat PETA die Verfehlungen des Zirkusbetriebs aufgelistet. Darunter findet sich eine Vielzahl von behördlichen Beanstandungen und Verfahren wegen der Tierhaltung, zahlreichen illegalen Landbesetzungen und wilden Plakatierungen sowie über ein Dutzend Ausbrüche der Elefanten, die oftmals mit Sach- oder Personenschäden endeten.

Elefanten werden in Zirkusbetrieben in der Regel jede Nacht an zwei Beinen fixiert. Mit dem sogenannten Elefantenhaken – einem Stock mit einem spitzen Metallwiderhaken – werden die Tiere gefügig gemacht. Experten zufolge funktioniert die Dressur von Elefanten nur unter Anwendung von Gewalt und Zwang. Der Bundesrat begründete 2016 in seiner Entschließung für ein Wildtierverbot detailliert, warum insbesondere Elefanten erheblich im Zirkus leiden.

Über 85 Städte und Gemeinden haben bereits ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte tierfreundlichen Städten im April 2016 den Rücken gestärkt und betonte anlässlich der Klage eines Zirkusbetriebs ausdrücklich die Entscheidungsfreiheit der Städte bei der Gestaltung ihrer Veranstaltungskonzepte [2]. Ein vorangegangenes Urteil des Verwaltungsgerichts München über die Zulässigkeit eines kommunalen Wildtierverbots für Zirkusbetriebe in der Stadt Erding wurde somit rechtskräftig [3]. Hinsichtlich der insgesamt uneinheitlichen Rechtsprechung verschiedener deutscher Gerichte bestätigt ein neues Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum (BW), dass kommunale Wildtierverbote auch weiterhin zulässig sind – insbesondere, wenn neben tierschutzfachlicher Erwägungen auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr als ein wesentlicher Grund für das kommunale Verbot genannt wird, denn die Verantwortung dafür liegt bei den Kommunen. Jährlich mehrere Dutzend, teils gefährliche Ausbrüche von Tieren im Zirkus bestätigen die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung. Auch bei Circus Afrika sind in der Vergangenheit mehrfach Elefanten ausgebrochen.

PETA fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod. Bezüglich exotischer Wildtierarten spricht sich auch die Bundestierärztekammer für ein Verbot aus. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Über 20 europäische Länder, darunter Belgien, Österreich, die Niederlande und Griechenland, haben bereits bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus verboten.
 
[1] Dornbusch, T. (2012): Haltungsbedingte Probleme Afrikanischer Elefanten im Circus. In: Elefanten in Zoo und Circus. Nr. 20, 2011. Hrsg. Elefanten-Schutz Europa e.V. Online unter: www.european-elephant-group.com/files/PDF/20-2011_circusafrikaner_folgeschaeden.pdf.
[2] Kveton, P. (2016): Zirkus zieht Klage zurück. Kommunen dürfen weiter Verbote für Wildtiere erlassen. In: Bayerischer Rundfunk.
[3] VG München, Az. M7K 13.2449.

Weitere Informationen:
PETA.de/Chronik-Afrikas-Big-Circus
PETA.de/Wildtierdressur
PETA.de/Wildtierverbot-Zirkus  
 
Kontakt:
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, DenisS@peta.de