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Circus Afrika mit verhaltensgestörten Elefanten in Schwerin: PETA appelliert an die Stadtvertretung, neue, rechtssichere Verbotsvariante zu beschließen

 
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Stand September 2017
Schwerin / Stuttgart, 25. September 2017 – Leid der Elefanten stoppen: Ab Freitag gastiert Circus Afrika mit drei verhaltensgestörten Elefanten in Schwerin. Das Oberverwaltungsgericht in Greifswald erklärte das 2016 von der Stadtvertretung beschlossene Wildtierverbot im Juli für rechtswidrig – dabei haben hierzulande bereits rund 90 Städte und Gemeinden, beispielsweise Erfurt, Düsseldorf und Stuttgart, ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Die Tierrechtsorganisation PETA appellierte nun an die Stadtvertretung, in einem neuen Anlauf ein rechtssicheres Verbot auf den Weg zu bringen, in dem vor allem die Abwehr von Gefahren durch gefährliche Großwildtiere im Vordergrund steht. Auf PETA.de/Musterantrag steht ein Musterantrag zur Verfügung, mit dem Kommunalparteien in ihrer Stadt für ein Wildtierverbot aktiv werden können. PETA übt scharfe Kritik an Circus Afrika; dieser mutet den sensiblen Rüsseltieren den enormen Reisestress trotz ihrer Stereotypien weiterhin zu. Zahlreiche Videoaufnahmen aus vergangenen Gastspielorten zeigen das „Weben“ der drei Elefantendamen. Dabei schwingen die Tiere pausenlos mit Kopf und Rüssel hin und her – eine Folge mangelhafter Haltungsbedingungen und ein Zeichen für schweres seelisches Leiden der Tiere.

„Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes und bereits dutzendfach negativ aufgefallen. Städte sollten diesem Unternehmen und der Tierquälerei im Zirkus die Rote Karte zeigen“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Wir hoffen, dass sich die Stadträte nicht von der Entscheidung des OVG Greifswald entmutigen lassen und nun einen auf die Gefahrenabwehr begründeten Beschluss initiieren.“

In einer Chronik hat PETA die Verfehlungen des Zirkusbetriebs aufgelistet. Darunter findet sich eine Vielzahl von behördlichen Beanstandungen und Verfahren wegen der Tierhaltung, zahlreichen illegalen Landbesetzungen und wilden Plakatierungen sowie über ein Dutzend Ausbrüche der Elefanten, die oftmals mit Sach- oder Personenschäden endeten. Zuletzt verursachte ein Elefant Anfang September 2017 bei einem Gastspiel in Barth einen erheblichen Sachschaden. Zudem quält die Asiatische Elefantendame Gandhi ein großes Bauchödem; bei den Afrikanischen Elefanten Tonga und Moja sind die Beine wegen des andauernden Stehens auf hartem Untergrund teilweise deformiert [1]. Circus Afrika und sein Chef Hardy Weisheit sind in der Vergangenheit wiederholt wegen Tierquälereien und Verstößen gegen die öffentliche Ordnung in die Schlagzeilen geraten.

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte tierfreundlichen Städten im April 2016 den Rücken gestärkt und betonte anlässlich der Klage eines Zirkusbetriebs ausdrücklich die Entscheidungsfreiheit der Städte bei der Gestaltung ihrer Veranstaltungskonzepte [2]. Ein vorangegangenes Urteil des Verwaltungsgerichts München über die Zulässigkeit eines kommunalen Wildtierverbots für Zirkusbetriebe in der Stadt Erding wurde somit rechtskräftig [3]. Hinsichtlich der insgesamt uneinheitlichen Rechtsprechung verschiedener deutscher Gerichte bestätigt ein neues Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR), dass kommunale Wildtierverbote auch weiterhin zulässig sind – insbesondere, wenn neben tierschutzfachlicher Erwägungen auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr als ein wesentlicher Grund für das kommunale Verbot genannt wird, denn die Verantwortung dafür liegt bei den Kommunen. Jährlich mehrere Dutzend, teils gefährliche Ausbrüche von Tieren im Zirkus bestätigen die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung. Auch bei Circus Afrika sind in der Vergangenheit mehrfach Elefanten ausgebrochen.

PETA fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.
 
[1] Dornbusch, T. (2012): Haltungsbedingte Probleme Afrikanischer Elefanten im Circus. In: Elefanten in Zoo und Circus. Nr. 20, 2011. Hrsg. Elefanten-Schutz Europa e.V. Online unter: www.european-elephant-group.com/files/PDF/20-2011_circusafrikaner_folgeschaeden.pdf.
[2] Kveton, P. (2016): Zirkus zieht Klage zurück. Kommunen dürfen weiter Verbote für Wildtiere erlassen. In: Bayerischer Rundfunk.
[3] VG München, Az. M7K 13.2449.

Weitere Informationen:
PETA.de/Chronik-Afrikas-Big-Circus
PETA.de/Wildtierdressur
PETA.de/Wildtierverbot-Zirkus  

Kontakt:
Denis Schimmelpfennig, +49 711 860591-528, DenisS@peta.de