Spenden
 »  »  »  » Circus Belly mit Schimpanse Robby in Wolfsburg: PETA fordert Veterinäramt zur Durchsetzung der Haltu

Circus Belly mit Schimpanse Robby in Wolfsburg: PETA fordert Veterinäramt zur Durchsetzung der Haltungsrichtlinien für den Menschenaffen auf

Stand März 2016
Wolfsburg / Stuttgart, 10. März 2016 – Besseres Leben für Robby? Ab Samstag öffnet Circus Belly seine Pforten in Wolfsburg – noch immer dabei ist Schimpanse Robby, der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus. Weil die Haltung für Robby bei Circus Belly nach Auffassung der Behörden nicht tiergerecht ist, will das Verwaltungsgericht Lüneburg Ende 2016 darüber entscheiden, ob Robby endlich in eine Auffangstation umziehen darf. PETA forderte nun das Veterinäramt in Wolfsburg auf, bis dahin wenigstens die Mindestrichtlinien für Schimpansenhaltungen durchzusetzen, gegen die der Zirkus seit Jahren verstößt. Damit stünden dem Schimpansen neben einem insgesamt 400 Quadratmeter großen Gehege auch endlich adäquate Kletterstrukturen sowie Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung. Bei Circus Belly „lebt“ der Menschenaffe auf lediglich einem Bruchteil der vorgeschriebenen Gehegegröße.
 
„Wenn Robby schon bis mindestens Ende 2016 im Zirkus ausharren muss, ist die Einhaltung der offiziellen Richtlinien das Mindeste. Denn diese gelten für jede Schimpansenhaltung“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Schließlich hat auch das Verwaltungsgericht Lüneburg festgestellt, dass die jetzige Haltung nicht tiergerecht ist.“
 
Gemäß den „Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“, herausgegeben vom Bundeslandwirtschaftsministerium [1], muss jede Schimpansenhaltung ein mindestens 200 Quadratmeter großes Innengehege umfassen. Zusätzlich sind ein 200 Quadratmeter großes Außengehege sowie ausreichend Kletterstrukturen vorgeschrieben. Mit den Vorgaben der behördlichen Richtlinien wird § 2 des Tierschutzgesetzes konkretisiert, wonach ein Tier verhaltensgerecht unterzubringen ist und die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden darf, dass ihm vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Bei Circus Belly dient jedoch lediglich ein etwa 10 Quadratmeter kleiner Käfigwagen als „Innengehege“ – in diesem ist Robby großteils eingesperrt. Das Außengehege umfasst nur 50 bis 60 Quadratmeter und weist keine adäquaten Kletterstrukturen auf; darüber hinaus ist es während der Transporte von Ort zu Ort, während des Auf- und Abbaus an den Gastspielorten sowie bei schlechter Witterung nicht für Robby nutzbar. Die für den Zirkus zuständige Genehmigungsbehörde, der Landkreis Celle, bestätigte im August 2015, dass die Haltung nicht artgerecht sei und heutzutage nicht mehr genehmigt würde [2].
 
PETA setzt sich aufgrund der tierquälerischen Haltungsbedingungen seit Ende 2011 für eine Herausnahme Robbys aus dem Zirkus ein. Die auf traumatisierte Schimpansen aus Zirkusbetrieben spezialisierte Auffangstation AAP in den Niederlanden hat bereits angeboten, Robby aufzunehmen und zu resozialisieren. Die weltbekannte Schimpansenforscherin Jane Goodall wertete im Juni 2015 aktuelle Videoaufnahmen aus dem Zirkus aus und setzt sich ebenfalls dafür ein, dass Robby aus dem Zirkus herausgenommen und in einer anerkannten Auffangstation untergebracht wird.
 
[1] BMEL (2014): „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“. Online unter www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/HaltungSaeugetiere.pdf?__blob=publicationFile
[2] „Zirkus weist PETA-Vorwürfe zurück“. In: Volksstimme v. 20.08.15. Online unter http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/burg/1522705_Zirkus-weist-Peta-Vorwuerfe-zurueck.html
 

Leben unter tierquälerischen Bedingungen: Schimpanse Robby bei Circus Belly / © PETA