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Betrug mit Freiland- und Bio-Eiern?

Stand April 2009
Seit einigen Jahren boomt es auf dem Gebiet der Boden-, Freilaufhaltungs- und Bio-Eier. Während der Gesetzgeber bei der Abschaffung der Käfige für die Legehennen wieder mit Verlängerungs-Optionen gegenüber der mächtigen Geflügel-Lobby nachgegeben hat, stellt sich der Einzelhandel immer mehr auf die sog. „alternativen Haltungsformen“ ein – und alle, auch die tierfreundlichen Konsumenten unter den Marktteilnehmern, erfreuen sich eines guten Gewissens.

 

 

 

 

 

 

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Die Testeier und ihre Herkunft

In der großen Supermarktkette Kaiser´s werden Eier aus Freilandhaltung angeboten. Das Plakat einer bekannten Tierschutzorganisation weist den Weg: „Hier finden Sie Eier von glücklichen Hühnern.“ Landkost heißt die Firma. Für 1,59 Euro gibt es sechs Eier von angeblich freilaufenden Hühnern in artgerechter Haltung.

Seit einigen Jahren gibt es auf jedem Ei einen verbindlichen Stempel, den Eierstempel. Über den Stempel kann der Betrieb und sogar der Stall, in dem das Huhn das Ei gelegt hat, identifiziert und lokalisiert werden. Missbrauch soll verhindert werden. „Transparenz“ lautet das Zauberwort.

 

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Wir kauften Testeier am 23.6. und 24.7.2008 und geben über die Website was-steht-auf-dem-ei.de den Code von dem Ei ein.

Unsere Eier hatten eine Eins für Freilandhaltung, das DE für Deutschland und einen Zahlencode für Land, Betrieb und Stall. In unserem Fall die 1267033. Der Betrieb ist leicht zu finden und sieht gut aus. Glückliche Hühner auf einer grünen, saftigen Wiese und der Slogan „Kontrollierte Freilandhaltung“ suggerieren fast schon eine Idylle.

Auf der Werbetafel des Betriebes heißt es unter Bezugnahme auf die gesetzlichen Bestimmungen: „Es gelten die Kriterien der Bodenhaltung, zusätzlich wird den Tieren in der Freilandhaltung tagsüber auch ein Freilandauslauf geboten. Die Freilandfläche muss bewachsen sein und über die gesamte Fläche gleichmäßig verteilt z.B. Buschwerk, Hecken, Mais u.ä. als Schutz- und Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere aufweisen.“

 

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Farm B7 – Spreenhagener Abteil Fünf

Unser Testbetrieb heißt offiziell „Betrieb: Farm B7 - Spreenhagener Abteil Fünf“. Spreenhagen liegt östlich von Berlin.

Beim Anblick der Hallen am 23.5. und 25.7.2008 kann von der suggerierten Freilauf-Idylle keine Rede sein. Nirgendwo bei diesen ca. 30 Hallen sind die Hühner in einer Freilaufhaltung untergebracht. Zum Teil ist zwar ein Wintergarten für die Tiere vorhanden, allerdings dürfen nur wenige der Hühner dort hinein. Es existiert überhaupt kein richtiger Zaun, der Freilauf tausender Hühner ist hier unmöglich.

Die Ausgangsklappen sind größtenteils zugewachsen und der Rasen sieht so aus, als ob er schon seit Monaten nicht mehr betreten worden ist. Auch bestanden zu dieser Zeit kein Aufstallungsgebot oder irgendwelche Übergangsfristen.

 

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In der Halle selbst, aus denen die gekauften Freilaufeier nach den eigenen Identifikationsangaben des Systems stammen, stehen die Tiere dicht gedrängt, der fehlende Auslauf macht sich bemerkbar, die Hühner wirken gestresst und zum Teil apathisch. Die Klappe wird automatisch betrieben, menschliches Personal ist nicht vorhanden. Hinten im Stall sieht es noch schlimmer aus, zusammengepfercht hocken hier tausende von Hühnern, verurteilt zum Eierlegen. Im Mülleimer finden sich Medikamente, Ursovit Pulver und ND Lasota, beides reichlich, zu verabreichen über das Trinkwasser – damit die Tiere eine solche Haltung überhaupt durchstehen können.

 

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Noch ein Test-Ei

Ein weiterer Einkauf, diesmal am 08.08.2008 bei EDEKA, auch hier werden Freilandeier der Firma Landkost angeboten, allerdings unter der EDEKA-Eigenmarke ‚Luisenhof’’.

Die Landkost-Website informiert: „Landkost-Ei EZG GmbH unterhält an den Standorten Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt insgesamt ca. 3 Millionen Legehennenplätze sowie 600.000 Aufzuchtplätze für Junghennen. Rund 50 % der ca. 3 Millionen Legehennenplätze sind Plätze in den alternativen Haltungsformen. Das Produktionsvolumen unseres Unternehmens beträgt jährlich etwa 1 Milliarde Eier.“

1 Milliarde Eier - unglaublich. In den Hallen der Firma Landkost in Sachsen-Anhalt werden Hunderttausende von Hühnern gehalten. In Bestensee steht die Zentrale von Landkost. Der Prospekt enthält schöne Bilder von glücklichen Hühnern, doch die Realität sieht leider anders aus. Am „Tag der Offenen Tür“, am 14.06.2008, wird eine Besichtigung der Bodenhaltung vorgenommen. Unter Kunstlicht vegetieren in solch einer Halle bis zu 30.000 Hühner – von Bodenhaltung kann da kaum die Rede sein. Doch auch hier von Freilandhaltung keine Spur.

Versteckt im Bestensee-Wald stehen weitere Hühnerhallen von Landkost. Auch hier nirgendwo ein freilaufendes Huhn. Der kaputte Zaun lässt vermuten, dass hier auch seit Monaten kein Tier rauskam. Im Wintergarten ist kein Huhn zu sehen.

Jedes zweite verkaufte Ei in Berlin stammt von Landkost.

Die im Einzelhandel gekauften Eier verweisen mit dem „Eier-Stempel“ auf die hier durch PETA Deutschland e.V. inspizierten Standorte der Fa. Landkost in Spreenhagen und Bestensee. Nur: Dort sind zum Zeitpunkt unserer Recherchen im Sommer 2008 die Hühner nicht im Freilauf, sie sind eingepfercht in Bodenhaltung. Dort steht aber die Ei-Stempelmaschine, die 1 oder 0 auf die Eier druckt. Und: Es bestand zu den wesentlichen Zeiten der PETA-Ermittlungen kein Aufstallungsgebot von Geflügel und auch keine Übergangsfristen. Ein Aufstallungsgebot zum 20.10.2008 ist für die PETA Deutschland e.V.-Ermittlungen völlig irrelevant.

Dies verstärkt den Verdacht, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Ob auch möglicherweise strafrechtlich relevante Vorgänge dort ablaufen, soll nun die zuständige Staatsanwaltschaft Potsdam klären, bei der am 27.11.2008 eine diesbezügliche Strafanzeige durch PETA Deutschland e.V. eingereicht worden ist.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat am 28.11.2008 ein Strafermittlungsverfahren eingeleitet: Az. 4107 Js 58600/08

 

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Also auch hier: keine Freilandhaltung. In der Halle selbst kauern mehrere tausend Hühner. Platz zum Bewegen gibt es nicht. Tageslicht gibt es nicht. Auslauf gibt es nicht.

Sieht so artgerechte Haltung aus?

Zusammengepfercht, gequetscht, gequält. Im Vorraum findet sich die Stempelmaschine. Die hier gestapelten Eier, direkt neben der Eier-Etikettiermaschine, sind als Bio-Eier mit der 0 gekennzeichnet.

Die Haltung erinnert an eine Legebatterie. Bio sollte anders aussehen - vor allem, weil die gesetzlichen Bestimmungen hier eindeutige Festlegungen treffen.

Doch offensichtlich ist das nur die Spitze des Eisbergs. In der angeblichen Biohaltung, im Vorraum, wo die Eier gestempelt werden, wird der Eier-Code dokumentiert, 0 steht für Bio, DE wie gehabt für Deutschland und 1261202 für den Betrieb.

Auf der KAT-Website, einem Verein, der die alternative Tierhaltung kontrolliert, werden die Zahlen gegengecheckt. Ein nettes Bild taucht auf, aber mit der Realität hat das nichts zu tun:
„Die Besatzdichte für Legehennen in ökologischer Erzeugung beträgt 6 Hennen pro m² Nutzfläche. Mindestens 1/3 der begehbaren Fläche muss als Scharrraum ausgewiesen sein. Die Gruppengröße pro Stalleinheit beträgt 3.000 Hennen.“

 

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Und so landen die Eier als Bio-Eier in den Supermärkten

Diese Eier werden unter so genannten Eigenmarken der bekannten Supermarktketten verkauft, so u.a. bei Coop unter „Bio Coop“, bei EDEKA unter „Bio Wertkost“ und bei Penny unter „Naturgut“.

Dass Hühner in Kleinvolieren alles andere als tiergerecht gehalten werden, wissen die meisten Verbraucher. Doch wie unsere Undercover-Recherche zeigt, kann man sich offensichtlich auch nicht auf die Bezeichnung „Freilandhaltung“ bzw. das Bio-Siegel verlassen.

Wer sicherstellen möchte, dass kein Tier für den eigenen Appetit leiden muss, sollte sich vegan ernähren.

Fordern Sie noch heute unsere Broschüre zum veganen Start an.

Unterstützen Sie uns, damit wir handeln können.

 

Weitere Informationen:

Klicken Sie hier, um mehr über das Leben der Hühner, ihre kognitiven Fähigkeiten und ihr Sozialverhalten zu erfahren.
  • Lesen Sie hier unter welch qualvollen Bedingungen Hühner für KFC gezüchtet und geschlachtet werden.
  • Wenn Sie selbst aktiv werden und nicht untätig dem tausendfachen Leid gegenüberstehen wollen, registrieren Sie sich noch heute im Aktivisten-Netzwerk von PETA Deutschland e.V.