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Gefangenschaft. Zu welchem Zweck?

Eisbären in Gefangenschaft zu züchten, um sie anschließend auszuwildern ist eine absolute Utopie. Ein mehr als unreeller Traum, den selbst die Institution Zoo schon lange nicht mehr wagt, öffentlich zu propagieren. Dennoch halten zwölf deutsche Zoos weiterhin daran fest, Eisbären zur Schau zu stellen und sie dafür zu züchten. Ihre Begründung: „Um Eisbären zu erhalten“.

Hans van Weert, Koordinator des europäischen Zuchtprogramms für Eisbären und stellvertretender Direktor des Amsterdamer Zoos „Artis“ 2008: „Über jeden Eisbären, der geboren wird, sollte man sich daher freuen, auch wenn er im Zoo geboren wird.“ (1)

Bereits vor Knuts Geburt wurden die Zoos für ihre mehr als fragwürdige Daseinsrolle, nicht nur im Bezug auf Eisbären, kritisiert. Doch gerade diese unnatürliche und mehr als problembehaftete Handaufzucht eines Eisbären war für viele Kritiker Anlass, die fragwürdige Haltung und Zucht von Eisbären erneut öffentlich zu hinterfragen.

 

Eisbär Knut als Jungtier © Frank Albrecht / PETA
Seit Knuts Geburt häuften sich die kritischen Meinungen - nicht nur von Tierrechtlern!

Da Zoos jedoch für ihre Ablenkungen und Ausflüchte bestens bekannt sind, war es nur noch eine Frage der Zeit, dass auch für die Handaufzucht von Knut und all dem ganzen Eisbärendesaster eine Antwort, eine neue Daseinsberechtigung, gefunden werden musste. Mit der Knut-Patenschaft von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) war eine neue Rolle für Eisbären in Gefangenschaft gefunden: Der Eisbär, eine Symbolfigur für den Klimawandel und die Lebensraumzerstörung.

„Daher möchten wir Knut als Symbolfigur für den langfristigen, nachhaltigen und vor allem respektvollen Umgang der Menschen mit den Wirtschafts- und Lebensräumen unserer Erde etablieren.“ (5)
„Der kleine Eisbär Knut konnte gerettet werden, es geht ihm gut. Der seltene Erfolg in der Aufzucht eines Eisbären durch den Menschen steht für unsere Hoffnung auf eine positive Zukunft – trotz der Bedrohung dieser Art.“ (4)
„Knut als Kuscheltier der Apokalypse…Knut demnächst als globaler Klima-Engel in einem Kinderbuch…der weiße Bär auf schmelzender Scholle wurde zur globalen Ikone.“ (6)

 

Aber was erreicht eine inhaftierte Symbolfigur wie Eisbär Knut?

© Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
„Mit >RESPECT HABITATS.Knut< ruft der Zoo Berlin eine Initiative ins Leben, deren Ziel es ist, neue Denkweisen und Mechanismen zu entwickeln, die ökologisch richtiges Verhalten ökonomisch sinnvoll machen.“(4)

Kann ein auf wenige Quadratmeter eingepferchter Eisbär die Menschen tatsächlich zu einem klimafreundlicheren Lebensstil bewegen? Bringt ein süßes Eisbärchen die Menschen dazu, sich für das Thema Klimaschutz zu interessieren? Wie effektiv ist solch eine „Symbolfigur“?
Auch der Tiergarten Nürnberg hat seine Eisbärenhandaufzucht Flocke, wie Knut zuvor, zur „Botschafterin für Klimaschutz“ degradiert.
Doch Zahlen (21) über Internetaufrufe zeigen, wie sehr solch ein Eisbärchen das Interesse der Öffentlichkeit für Klimaschutz wirklich weckt:

Hompepage von Flocke: 15,7 Mio Aufrufe
Bilder von Flocke: 3,2 Mio Aufrufe
Videos von Flocke: 2,4 Mio Aufrufe
Zur Biologie von Eisbären: 16.000 Aufrufe
Suche bei Google nach Flocke: 171.000 Aufrufe
Flocke als Botschafterin: 11.100 Aufrufe
Flockes Artgenossen: 16.000 Aufrufe
Klimawandel: 5.000 Aufrufe
Kohlendioxidrechner: 190 Aufrufe

Von einem in Gefangenschaft „lebenden“ Eisbären-Botschafter profitiert das Klima ganz offensichtlich nicht. Das Interesse der Menschen, mit Hilfe eines gefangenen Eisbären sich für Klimaschutzthemen zu interessieren, ist mehr als gering.
Zoos jedoch profitieren von Tierbabys. Der Tiergarten Nürnberg auch in diesem Fall:

21 Flocke-Lizenzverträge für 45 Produkte. 20% Besucherzuwachs mehr. 275.000 Euro mehr in die Zookasse. (21)

Was man alles mit 275.000 Euro in der Erforschung von klimafreundlicheren Energieträgern machen könnte?

Fakt ist, kein einziger in Gefangenschaft ausgestellter und gelagerter Eisbär kann die globale Erwärmung stoppen. Und wie die Zahlen beweisen erweist sich ein Eisbär als Botschafter für einen besseren Klimaschutz als völlig untauglich.
Aber das war und ist den Zoos schon immer egal. Hauptsache sie haben eine neue Rolle, eine neue Pseudo-Daseinsberechtigung für ihre inhaftierten Tiere gefunden.
Und sie werden, da sind wir uns sicher, auch in den kommenden Jahren wieder ein süßes Individuum zu uneffektiven Botschaftern, für was auch immer, degradieren.
Zu den Quellenangaben

 

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