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Elefantenkuh verletzt Wärter im Zoo Leipzig: PETA fordert Umstellung auf „geschützten Kontakt“

 
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Stand August 2017
Leipzig / Stuttgart, 29. August 2017 – Zoos nehmen Unfälle von Mitarbeitern billigend in Kauf: Einem Medienbericht zufolge stürzte der Elefantenwärter Robert Stehr des Zoo Leipzig vergangenes Wochenende beim Herausführen zweier Elefanten. Daraufhin erschrak sich eine Elefantenkuh, lief davon und verletzte den Wärter. Der Zoo hält die Rüsseltiere im „direkten Kontakt“, bei dem die Wärter ungeschützt mit den Tieren in Berührung kommen und sie mit dem Elefantenhaken – einem Stock mit einem spitzen Metallhaken – „kontrollieren“. Anlässlich des jüngsten Vorfalls appelliert PETA nun an den Zoo Leipzig, die Haltung auf den „geschützten Kontakt“ umzustellen, bei dem sich stets ein Gitter zwischen Tier und Wärter befindet. Die Tierrechtsorganisation fordert zudem langfristig ein Ende der Elefantenhaltung in Zoos.
 
„Die Elefantenhaltung im ‚direkten Kontakt‘ ist überholt, basiert auf der Unterwerfung der Tiere und setzt die Mitarbeiter offensichtlich einem hohen Risiko aus“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Die Umstellung auf den ‚geschützten Kontakt‘ ist die einzige Möglichkeit, zumindest vermeidbare Gefahren für Angestellte zu beseitigen.“
 
Der Beruf des Elefantenwärters zählt zu den gefährlichsten: Seit 1982 wurden 90 Angriffe in Zoos bekannt, infolge derer 40 Menschen starben und mehr als 50 Personen verletzt wurden, 20 von ihnen schwer. Allein in den vergangenen zehn Jahren gab es 17 Todesfälle, bei denen es sich überwiegend um Pfleger handelte [1, 2].

Knapp die Hälfte der deutschen Zoos mit Elefantenhaltung praktiziert derzeit noch den „direkten Kontakt“, bei dem der in Kalifornien ab 2018 in Zirkussen und Zoos verbotene Elefantenhaken zum Einsatz kommt. Der amerikanische Zooverband AZA hatte bereits 2012 mit Wirkung ab 2014 den Umstieg auf den geschützten Kontakt für seine Mitgliedzoos beschlossen. Einrichtungen wie Leipzig, Stuttgart/Wilhelma oder Hamburg/Hagenbeck setzen jedoch noch immer auf „direkten Kontakt“, bei dem die Zoowärter die Tiere gewaltvoll unterwerfen. Die Zoos in Köln, Heidelberg oder Münster hingegen haben bereits auf die Haltungsform „geschützter Kontakt“ umgestellt, um Elefanten und Mitarbeiter voreinander zu schützen.
 
PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Elefantenhaltung in Zoos aus, da diese unabhängig von der Haltungsform nicht artgerecht möglich ist. In der Natur leben Elefanten in stabilen Sozialverbänden, wandern täglich bis zu 80 Kilometer und erleben eine Vielzahl von Umweltreizen. Der Zooalltag hingegen ist geprägt von Bewegungsmangel, Beschäftigungslosigkeit und zerstörten Sozialstrukturen. Viele Elefanten in Zoos leiden unter schweren Verhaltensstörungen, was sich unter anderem im sogenannten Weben äußert, bei dem die Tiere mit Kopf und Körper hin und her schwanken. Das unnatürlich lange Stehen verursacht Fuß- und Gelenkerkrankungen; Stress und Fettleibigkeit sind die Hauptgründe dafür, dass Elefanten im Zoo durchschnittlich deutlich früher sterben als ihre Artgenossen in freier Natur.
 
Im Zoo geborene Elefanten werden nicht ausgewildert. Vielmehr importieren Zoos auch heute noch sogenannte Wildfänge und tragen so zu ihrem Aussterben in der Natur bei. PETA fordert ein Nachzucht- und Importverbot für diese Tiere in Zoos, damit die Haltungen mittelfristig auslaufen, und bittet alle Menschen, keine derartigen Einrichtungen zu besuchen.
 
[1] http://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/02/Elefanten.
[2] http://www.european-elephant-group.com/files/PDF/02_unfaelle-ursachenundfakten.pdf.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Zooelefanten
European-elephant-group.com/files/PDF/elefantenvorflle_deutschland.pdf

Kontakt:
Judith Stich, +49 30 6832666-04, JudithS@peta.de