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Vernachlässigte Pferde und gefährliche Stacheldrähte

Stand August 2011
In Oberlangen, im Landkreis Emsland, fanden PETA-Ermittler erschreckende Zustände bei der Weidehaltung zweier Pferde vor.

 

 

Pferde in schlechter Verfassung

Eine alte Stute war vollkommen abgemagert und auch die jüngere stark vernachlässigt. Die sehr anhänglichen Tiere hatten weder Futter noch ausreichend Wasser zur Verfügung und die Haltungsbedingungen auf der Wiese waren äußerst bedenklich. Dabei ist der Pferdehalter nach dem Tierschutzgesetz dazu verpflichtet „das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen [zu] ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unter[zu]bringen“ (§ 2 TierSchG).

Die Pferde sind hungrig und durstig

Die Wiese, auf der die beiden 10 und 30 Jahre alten Pferde standen, war komplett abgegrast und voller Pferdeäpfel. Die Tiere versuchten schon außerhalb der Umzäunung an Gras zu gelangen. Heu oder Stroh wurde ihnen nur sporadisch gebracht. Dabei müssen Pferde stets Raufutter zur Verfügung haben. Denn "das angeborene Verhalten und der Verdauungsapparat von Pferden sind auf eine kontinuierliche Nahrungsaufnahme eingestellt". Die PETA-Ermittler fanden lediglich ein paar Heu- und Strohreste, die auf dem vollgekoteten Boden lagen. Die Leitlinien zur Pferdehaltung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) vom 9. Juni 2009 geben aber vor: „Futter muss gesundheitlich unbedenklich sein. Behältnisse, in denen das Futter angeboten wird, sind sauber zu halten. Außenfutterplätze müssen so beschaffen sein und betrieben werden, dass das Futter vor Verderb und Verschmutzung geschützt ist.“ In Oberlangen stellte der verkotete Boden die Futterstelle dar.

Auch fanden die Ermittler nur einen einzigen Futtereimer mit alten, eingetrockneten Futterresten - für 2 Tiere. Laut eines Informanten, der häufig an der Weide vorbei ging, hatten die Pferde auch nur selten Wasser, obwohl 20-50 Liter Wasser pro Tag und Pferd angebracht wären.
Katastrophal war das Bild, das sich den PETA-Ermittlern bei der Untersuchung der Pferdehufe bot. Von den Hufen der jüngeren Stute waren dicke Stücke herausgebrochen. Lange Risse durchzogen ihre Hufe. Dabei führt eine nicht ordnungsgemäße Hufpflege zu einer Fehlbelastung von Sehnen und Gelenken, zu Schmerzen und dauerhaften Schäden bei den Tieren. Die alte Stute hatte bereits Probleme beim Laufen; auch aufgrund ihrer eingefallenen Muskulatur. Ob und inwieweit die Pferde überhaupt tierärztlich behandelt wurden, war äußerst fragwürdig.


Verletzungsgefahr durch gefährlichen Stacheldraht


Neben ihrem schlechten Ernährungs- und Gesundheitszustand gefährdete die beiden Tiere noch ein weiterer Missstand. Ihre Weide war mit dünnem Draht umzäunt, der weder ausreichend sichtbar und als Barriere ernst zu nehmen, noch ungefährlich für die Pferde war. Auch bestand eine große Verletzungsgefahr durch abstehende Drähte, Nägel und in die Wiese hereinragenden Stacheldraht. Dabei "sind defekte oder unzureichende Einzäunungen, sowie die Verwendung von Stacheldraht und anderen Metalldrähten, ausgenommen gut sichtbarer Elektrodrähte, tierschutzrelevant", so die Leitlinien zur Pferdehaltung. Als alleinige Einzäunung ist Stacheldraht oder Knotengitter bei Pferden sogar tierschutzwidrig. Pferde sind Fluchttiere und könnten in Panik durchaus in den kaum sichtbaren Zaun hineingaloppieren. Dabei können sie sich die Brust aufreißen oder die Beine zerfetzen, was lebensgefährliche Verletzungen nach sich ziehen kann. Doch in Oberlangen und Umgebung mussten die PETA-Ermittler feststellen, dass manche Pferdehalter es damit nicht so genau nehmen und lieber an der Umzäunung sparen. Auf einigen Weiden stellten außerdem herumliegende Stacheldrahtrollen und sogar unter Strom gesetzter Stacheldraht enorme Gefahrenquellen für Tier und Mensch dar.

Durch den zuständigen Veterinär erfuhren die PETA-Ermittler, dass in Oberlangen bereits Auflagen zur Hufpflege, Entwurmung und Zahnkontrolle erlassen wurden. Dennoch bestand Klärungsbedarf bei der generellen Haltung und Fütterung der beiden Stuten. Deshalb erstellte PETA Deutschland e.V. eine Liste der Missstände, die die Ermittler in Oberlangen und Umgebung vorgefunden haben und überreichte diese den zuständigen Behörden. Nach Offenlegung dieser Missstände gegenüber dem Veterinäramt und einem ausgestrahlten RTL-Bericht, wurde PETA nun darüber informiert, dass der Halter weitere Auflagen bekam, was zu weiteren Verbesserungen geführt hat.


PETA hat Einiges erreicht

Mittlerweile war der Hufschmied vor Ort, die Pferde haben einen Mineral-Leckstein, sowie Wasser, zugefüttertes Kraftfutter und teilweise etwas Heu oder Stroh. Der Pferdehalter musste seinen Zaun ausbessern und die Verletzungsgefahren beseitigen. Auch die alte Stute war bei dem letzten Besuch unserer PETA-Ermittler kaum wieder zu erkennen. Sie hat kräftig zugenommen. Erschreckend, dass ihr vorheriger, abgemagerter Zustand vor der Offenlegung durch PETA vom zuständigen Veterinär als "ihrem fortgeschrittenen Alter entsprechend" beschrieben wurde. Vermutlich haben ihr einfach nur eine Zahnbehandlung und die richtige Fütterung gefehlt.

Auch die Pferdehalter der Umgebung wurden hinsichtlich ihrer Stacheldraht-Umzäunung angeschrieben und um Beseitigung der Mängel gebeten. Und auch hier konnten die PETA-Ermittler 3 Monate nach ihrem ersten Besuch im Emsland positive Veränderungen feststellen.
Was den beiden Stuten in Oberlangen jetzt noch fehlt sind eine regelmäßige Fütterung mit Heu sowie ein Unterstand, der sie vor Hitze, Kälte, Regen und Stechfliegen schützt.

Wie es weiter geht

PETA Deutschland e.V. wird diesen Fall weiterhin im Auge behalten und die Behörden sowie die Pferdehalter daran erinnern, dass stets Raufutter zur Verfügung stehen sollte und ein Unterstand nötig ist, um bei allen Witterungsverhältnissen ausreichend Schutz zu bieten. Außerdem müssen Gefahrenquellen wie Stacheldraht oder gefährliche Gegenstände auf Pferdewiesen schnellstmöglich beseitigt werden.

Immer wieder drohen Pferdehalter damit, ihre Tiere lieber zum Schlachter zu bringen, als Geld für bessere Haltungsbedingungen auszugeben. Oftmals sollen Pferde Geld einbringen und nicht Geld kosten. Diese Halter bittet PETA, ihre Tiere besser in gute Hände abzugeben und bietet an, bei der Vermittlung zu helfen.

 

 

Immer wieder werden PETA Missstände in der Tierhaltung herangetragen. Helfen auch Sie dabei, diese Missstände an die Öffentlichkeit zu bringen und den Tieren ein besseres Leben zu ermöglichen.