»  »  »  » ERFOLG - Verkaufsverbot für Tierversuchs-Kosmetik tritt am 11.3.2013 in Kraft!

 

ERFOLG - Verkaufsverbot für Tierversuchs-Kosmetik

Schutz für den Verbraucher und Weiterentwicklung der Wissenschaft

Stand März 2013
Von Kathy Guillermo, Vizepräsidentin im Bereich Laboruntersuchungen von PETA USA

Der 11. März 2013 wird als denkwürdiger Tag für Tiere, Konsumenten und die moderne Wissenschaft in die Geschichte eingehen. Nachdem das Europäische Parlament ein Gesetz erlassen hatte, das es Kosmetikherstellern verbietet, Tiere in qualvollen Versuchen innerhalb der Europäischen Union zu misshandeln, wichen die Firmen für ihre Tierversuche in Drittländer aus und konnten ihre Produkte somit weiterhin europaweit verkaufen. Doch das ändert sich mit dem heutigen Tag.

Bild: Stephanie Hofschläger / pixelio.de
Den am 11. März 2013 tritt die letzte Stufe des geschichtsträchtigen Verkaufsverbots von an Tieren getesteten Kosmetikinhaltsstoffen in Kraft. Damit muss jedes internationale Unternehmen, das seine Körperpflegeprodukte in der EU vermarkten möchte, künftig von Tierversuchen sowohl für die Endprodukte als auch ihre Inhaltsstoffe absehen. Da die meisten Kosmetikhersteller jedoch nicht auf den großen europäischen Markt verzichten möchten, haben sie in fortschrittliche, tierfreie Testverfahren investiert, die nicht nur das Leben vieler Tiere retten, sondern auch einen höheren Schutz für Verbraucher bieten.
Wir von PETA, die wir uns weltweit für die Entwicklung tierfreier Testmethoden einsetzen, danken den Menschen in Europa und dem Europäischen Parlament und fordern den Rest der Welt dazu auf, dem leuchtenden Beispiel der EU zu folgen.

Das EU-Verbot bringt die Auffassung der Öffentlichkeit zum Ausdruck, dass das Wohl der Tiere wichtiger ist als Kosmetikprodukte. Für Kosmetika-Versuche werden Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Ratten und andere Tiere in kleinen, kahlen Käfigen gehalten. Chemische Substanzen werden ihnen in die Augen getropft, eingeflößt und auf der geschädigten Haut aufgetragen. Dabei erhalten die Tiere in der Regel keine Schmerzmittel. Wenn ihre ausgemergelten Körper nicht länger für Versuchszwecke nützlich sind, werden die Tiere getötet.

Im Hinblick auf die Einhaltung des EU-Verbots führen Kosmetikhersteller nun jedoch zunehmend moderne Testmethoden ein und haben damit bereits Abertausenden von Tieren die Qual des Tierversuchs erspart. Und das ist erst der Anfang, denn ihnen werden unzählige andere Tiere folgen.

Doch nicht nur den Tieren wird mit tierfreien Testmethoden großes Leid erspart. Da sich das Erbgut von Tieren von dem des Menschen erheblich unterscheidet, gelten Versuche an humanem Spendergewebe als weitaus verlässlichere Indikatoren für die Auswirkung von chemischen Substanzen als Tierversuche. So lässt sich die Eintrittswahrscheinlichkeit potenzieller gesundheitsschädlicher Wirkungen eines Produkts verringern. Statt beispielsweise zu bewerten, wie schädlich ein chemischer Stoff für die Hornhaut eines Kaninchens ist, können die Hersteller nun die gleiche Substanz auf menschlichem Gewebe auftragen, das im Labor gezüchtet wird, und erhalten so weitaus präzisere Analysen. Statt Chemikalien für Hautreizungstests in die Haut von Tieren einzureiben, lässt sich der gleiche Versuch heute mit menschlichen Hautzellkulturen durchführen. Wie auch andere tierfreie Testverfahren ist diese Methode in der Regel nicht nur kostengünstiger, sondern führt zudem zu schnelleren Ergebnissen als Tierversuche, was wiederum dazu beiträgt, die Kosten für die Verbraucher zu senken.
Im Gespräch mit PETA USA erklärte der Geschäftsführer eines Kosmetikherstellers, dass die Kosmetikindustrie nur deshalb an der Praxis grausamer Tierversuche festhält, weil diese schon immer durchgeführt wurden und die Unternehmen es sich nicht vorstellen können, neue und effektivere Verfahren anzuwenden. Das EU-Vermarktungsverbot für an Tieren getestete Kosmetika, wie auch ein ähnliches Verbot in Israel und eines, das derzeit für Indien in Erwägung gezogen wird, zwingen die Kosmetikindustrie jedoch dazu, ihre veralteten Testverfahren zu modernisieren. Folglich werden fortschrittliche Testverfahren künftig immer mehr zur gängigen Praxis werden, und auch Unternehmen aus anderen Wirtschaftszweigen werden qualvolle Tierversuche nach und nach durch humane, tierfreie Testverfahren ersetzen. Und das ist auch an der Zeit, denn schließlich werden Tierversuche für Kosmetika schon seit den 1920er Jahren durchgeführt. Wir nutzen heute nicht mehr die gleichen Telefone, Autos oder Computer wie vor knapp hundert Jahren. Warum sollten also immer noch die gleichen alten Testverfahren zum Einsatz kommen?
PETA unterstützt Unternehmen bei der Einführung verfügbarer, hochmoderner Testverfahren und setzt sich dafür ein, dass die Ergebnisse dieser alternativen Testverfahren von den Zulassungsbehörden anerkannt werden. Als PETA USA beispielsweise Kenntnis davon erlangte, dass China von Kosmetikherstellern verlangt, für Tests an Tieren zu bezahlen, um ihre Produkte in China vermarkten zu dürfen, bezuschusste die Tierrechtsorganisation Wissenschaftler des US-amerikanischen Institute for In Vitro Sciences (Institut für In-Vito-Forschung, IIVS), damit diese nach China reisen und den dortigen Wissenschaftlern und Behörden ihre Beratung anbieten können. Die Mitarbeiter des IIVS machen ihre chinesischen Kollegen mit der Nutzung von In-vitro-(Reagenzglas-) Testmethoden ohne Tierversuche vertraut. Eine dieser alternativen Testmethoden ist beispielsweise der 3T3-Neutralrot-Test, der die potenzielle Toxizität von Chemikalien misst, wenn diese mit Sonnenlicht in Kontakt kommen – ein Verfahren, das schon heute in den USA und der EU in großem Umfang zur Anwendung kommt. Dank des Einsatzes der IIVS-Wissenschaftler steht nun auch China kurz davor, dieses Testverfahren als erste tierfreie Testmethode des Landes zu genehmigen. PETA USA und seine weltweiten Schwesterorganisationen werden sich in Zusammenarbeit mit Unternehmen und Regierungen in aller Welt auch weiterhin dafür einsetzen, dass immer mehr tierfreie Testverfahren zugelassen werden.
Die EU nimmt in diesem Bereich weltweit eine Vorreiterolle ein. Die EU-Bürger haben gesprochen, die Gesetzgeber haben ihnen beigepflichtet und wir konnten einen sozialen Wandel herbeiführen.
Der 11. März 2013 ist wahrhaft ein Tag, auf den man sehr stolz sein kann.

 

PETA-Motiv: Verkaufsverbot für Tierversuchs-Kosmetik
Hintergrundinformationen zu unserer Kampagne, die zu diesem Erfolg führte

2003 reagierte die EU endlich auf lang anhaltende öffentliche Proteste und führte ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetika in der EU ein – und zwar nicht nur für die Endprodukte, sondern auch für deren Inhaltsstoffe. Dieses Verbot wurde stufenweise eingeführt und war 2009 vollständig umgesetzt. Das Ergebnis ist, dass mittlerweile keine Tierversuche mehr für Kosmetika in der EU durchgeführt werden.

Bald musste man allerdings erkennen, dass die Firmen die Tierversuche einfach aus der EU ausgelagert hatten. Erfreulicherweise beinhaltet aber die 2003 beschlossene Richtlinie auch ein zweistufiges Verbot des Verkaufs von Kosmetika, die an Tieren getestete Inhaltsstoffe enthalten. Die erste Stufe dieses Verbotes trat 2009 wie geplant in Kraft. Einige bestimmte Tests blieben aber noch erlaubt und sollten erst mit der zweiten Stufe – ab März 2013 – ebenfalls verboten sein.

Ein historischer Erfolg war in Gefahr
Dieses Verkaufsverbot war eine großartige Errungenschaft. Es bedeutete nicht nur, dass Tierversuche für Kosmetika falsch sind, sondern auch, dass es falsch ist, an Tierversuchen für Kosmetika Geld zu verdienen. Unternehmensverantwortlichen weltweit wurde klar, dass sie sich die Vorschriften der EU genau anschauen müssen, wenn sie ihre Produkte an die 500 Millionen Konsumenten in Europa verkaufen möchten. Das Ergebnis dieser Entwicklung war ein regelrechter Boom an Investitionen in die weitere Entwicklung tierfreier Testmethoden. Außerdem erkannten Hunderte von Firmen, dass viele tausend kosmetische Inhaltsstoffe bereits sicher und zugelassen sind, sodass keine weiteren Tests erforderlich sind. So kehrten viele große Firmen den Tierversuchen den Rücken. Verschiedene Testmethoden an Tieren wurden mittlerweile komplett durch überlegene, preiswertere und effizientere tierfreie Testmethoden ersetzt.

Diese – für die Wissenschaft, die Tiere und die Konsumenten durch und durch positive – Entwicklung war bis Anfang 2013 ernsthaft gefährdet. Unter dem Druck einiger einflussreicher Unternehmen erwägte die EU-Kommission, die 2013-Frist einzuschränken oder aufzuschieben, möglicherweise sogar auf unbestimmte Zeit. Ohne das Risiko finanzieller Einbußen (durch das Verkaufsverbot) hätte das Bekenntnis vieler Unternehmen zu tierfreien Testmethoden sicher bald kippen können.

Das Leid der Tiere
Wenn das 2013-Verkaufsverbot gekippt wäre, dann wären Firmen nach wie vor in der Lage gewesen, Geld am Verkauf von Kosmetika zu verdienen, deren Inhaltsstoffe in schrecklichen Tierversuchen getestet würden. Dies wären unter anderem folgende Tests gewesen:
Experimente, bei denen Tiere über 28 oder 90 Tage mit Chemikalien zwangsgefüttert werden
  • Reproduktionstoxizitäts-Tests, bei denen schwangere Ratten oder Kaninchen den Testsubstanzen ausgesetzt werden, um etwaige Missbildungen und Krankheiten der neugeborenen Babies zu beobachten
  • Karzinogenitätstests, bei denen Tiere teils über Jahre hohen Dosen der Testsubstanzen ausgesetzt werden, um zu sehen, ob sie Krebs bekommen
  • Allergietests, bei denen Tieren die entsprechenden Substanzen gespritzt werden, um zu beobachten, ob es zu schmerzhaften allergischen Reaktionen kommt
  • Während der Versuche werden die Tiere in extrem kleinen Käfigen untergebracht sein, Mäuse zum Beispiel mit mehreren Tieren in Plastikboxen von der Größe eines Schuhkartons. Die Testchemikalien können Anfälle, Gewichtsverlust, Durchfall, chronische Schmerzen und Schwäche, Leber- und Nierenversagen sowie einen frühzeitigen Tod verursachen. Die Tiere, die bis zum Ende der Versuche überleben, werden anschließend immer getötet.

    Was Sie tun können:
    Bitte stellen Sie sicher, dass die Kosmetika, die Sie benutzen, tierversuchsfrei sind: Hier finden Sie viele großartige Kosmetikhersteller, die bereits aufgehört haben, auf Tierversuche zurückzugreifen.