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 »  »  » Euthanasie: Die mitfühlende Option

Das Einschläfern von sogenannten Heimtieren

Stand Februar 2014
Nach dem deutschen Tierschutzgesetz darf kein Tier ohne einen vernünftigen Grund getötet werden. Wir sind davon überzeugt, dass weder der Appetit auf Fleisch, Milch und Eier noch die Lust an der Mode einen vernünftigen Grund darstellen, um fühlende Mitlebewesen qualvoll zu töten. Leider sehen Teile der Gesellschaft und der Gesetzgeber dies noch anders.

Grundsätzlich gilt es in Deutschland nicht als vernünftiger Grund, ein Tier einzuschläfern, nur weil man es loswerden will; ein Tierarzt, der einen Wurf ungewollter Katzen einschläfert, verstößt damit gegen das Tierschutzgesetz. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen gesunde Tiere nicht eingeschläfert werden dürfen. In anderen Ländern stellt sich die durch massenhafte Zucht verursachte Überpopulation an Tieren so dramatisch dar, dass Millionen von Tieren eingeschläfert werden müssen; in den USA sind es beispielsweise 3-4 Millionen Tiere pro Jahr, für die es schlichtweg keine neuen Plätze gibt!

Anders verhält es sich natürlich, wenn ein Tier schwer krank oder alt ist und Schmerzen leidet, ohne dass Aussicht auf Besserung besteht. Dann ist es meist die humanste und einzig richtige Lösung, ein Tier von seinem Leid zu erlösen, indem es von einem Tierarzt eingeschläfert wird. In sehr seltenen Fällen werden auch Tiere eingeschläfert, die als gefährlich und nicht resozialisierbar gelten – dies muss jeweils in Abstimmung mit den zuständigen Amtstierärzten geschehen.

Wenn Sie meinen, dass es für Ihr Tier die humanste Lösung wäre, eingeschläfert zu werden, konsultieren Sie Ihren Tierarzt. Diese Entscheidung mag schwerfallen, für Ihren tierischen Begleiter kann sie aber sehr wichtig sein. Bitten Sie Ihren Tierarzt, ganz offen mit Ihnen über die Situation zu sprechen, und sollten Sie Zweifel haben, holen Sie eine zweite Meinung ein. Verlängern Sie bitte auf keinen Fall das Leid Ihres tierischen Gefährten, nur weil Sie sich vor dem Loslassen fürchten. Oft kommt es vor, dass einfach zu lange gewartet wird und das Tier schrecklich leidet.

Wenn Sie und Ihr Tierarzt der Meinung sind, dass Ihr Tier eingeschläfert werden sollte, überlegen Sie, wie es geschehen soll: Einige Tierärzte machen zum Einschläfern Hausbesuche, wodurch der für viele Tiere stressige Besuch in der Praxis entfällt. Wenn Ihr Tier sehr nervös und ängstlich ist, fragen Sie Ihren Tierarzt, ob das Tier vor dem vereinbarten Termin ein Beruhigungsmittel erhalten kann. So ist das Tier, wenn es soweit ist, wesentlich entspannter, was sich sicher auch auf Sie auswirken wird. Denn es ist sehr wichtig, dass Sie beim Einschläfern Ihres Begleiters Ruhe und Geborgenheit ausstrahlen, bis das Tier tatsächlich das Bewusstsein verliert und sein Herz aufhört zu schlagen – ein gewissenhafter Tierarzt verfolgt den Herzschlag, bis dieser erloschen ist. Nur wenn Ihr Tier Ihre Anspannung und Ihre Trauer nicht spürt, kann das Einschläfern zu einer völlig schmerz- und stressfreien Erlösung werden.

Wenn Ihr Tier in einer Praxis oder Tierklinik eingeschläfert werden soll, nehmen Sie am besten einen Freund mit, der Sie moralisch unterstützen und nach Hause fahren kann. Falls nötig, bitten Sie das Klinikpersonal, Ihnen beim Hineintragen Ihres Tieres zu helfen. Machen Sie sich rechtzeitig Gedanken darüber, ob Sie den Körper Ihres Freundes lieber beerdigen oder ihn in der Tierklinik lassen möchten. Der Tierarzt Ihres Vertrauens wird Sie beraten.

Und denken Sie bitte immer daran: Es ist vollkommen normal, dass Sie und die überlebenden Tiere in Ihrer Umgebung zutiefst betroffen sein werden und dem Verlust und Tod Ihres Freundes nachtrauern. Trösten Sie sich damit, dass Sie alles getan haben, um das Scheiden Ihres Begleiters so schmerzfrei und friedlich wie möglich zu gestalten, und denken Sie an die schöne Zeit, die Sie zusammen verbringen konnten. Auch das Buch „Der Verlust eines Hundes – und wie wir ihn überwinden“ von Elli H. Radinger (ISBN: 978-3-936188-38-7) kann Ihnen vielleicht weiterhelfen.

 Quellenangaben
1) “HSUS Pet Overpopulation Estimates,” The Humane Society of the United States, letzter Zugriff 1. Dez. 2004.
2) Bill Baskervill, “Many Abandoned Animals Die in Taxpayer-Funded Gas Chambers,” Associated Press, 17 Jun. 2002.
3) American Veterinary Medical Association Panel, “2000 Report of the AVMA Panel on Euthanasia,” The Journal of the American Veterinary Medical Association, 188(2001):669-96.