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Fischfang und Aquakultur: grausamer Tod im Wasser


Stand: November 2013

Die Tatsache, dass Menschen bestimmte Fischarten als „Haustiere“ und andere als „Lebensmittel“ betrachten, ist nur einer der Widersprüche unserer Gesellschaft in Bezug auf Tiere. Inzwischen ist es unumstritten und wissenschaftlich erwiesen, dass Fische Stress und Schmerz empfinden können (1). Trotzdem leiden und sterben Abermilliarden Fische jährlich durch die kommerzielle Fischerei und in der Aquakultur.     

Wissenschaftliche Studien bestätigen: Fische empfinden Schmerz    
Wie wir Menschen sind auch Fische Wirbeltiere, die ihre Schmerzen äußern – wenn auch in einer für den Menschen nur schwer verständlichen Art. Alleine die Tatsache, dass sie außerhalb des Wassers unübersehbar nach Luft schnappen, sich winden und zappeln zeigt deutlich, dass sie Schmerz empfinden und unter starkem Stress stehen. (2) Darüber hinaus wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Schmerzempfinden von Fischen dem Schmerzempfinden anderer Wirbeltiere sehr ähnlich ist. (3) Jeder einzelne Fisch, der aus den Tiefen des Meeres in die Atmosphäre gezogen wird, leidet unvorstellbare Qualen: Aufgrund des enormen Druckunterschieds zwischen Wasser und Land reißt seine Schwimmblase, der Magen quillt ihm aus dem Mund und die Augen aus den Höhlen, während er langsam und qualvoll über Minuten oder Stunden erstickt. Fischer kennen absolut kein Mitleid mit den Tieren, denn viele Fische leben noch und sind bei Bewusstsein, wenn sie aufgeschnitten und ausgenommen oder gar lebend auf Eis gelegt werden.

Die Zahlen    
Die kommerzielle Fischerei mit ihren riesigen Netzen ist weltweit verantwortlich für den Tod von durchschnittlich 970–2.700 Milliarden Fischen pro Jahr. (4) Hinzu kommen 37-120 Milliarden Fische aus der Aquakulturproduktion. (5) Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fischen in Deutschland lag 2012 bei 14,4 kg, während er 2011 noch 15,7 kg betrug (6).

Aquakultur
2012 wurden um die 300 Millionen „Farmlachse“ gezüchtet (1,4 Millionen Tonnen), überwiegend in Norwegen, Chile, Schottland und Kanada. (7) Obgleich die Aquakultur in den 70er Jahren eigentlich zur Rettung und zum Schutz überfischter Wildbestände gedacht war, hat sie sich mittlerweile für Fische und die Umwelt zu einer wahren Katastrophe entwickelt. Lachse in der Aquakultur sind auf engstem Raum zusammengepfercht und „schwimmen“ im trüben Wasser ihrer eigenen Exkremente. Krankheiten können nur durch die Gabe von Antibiotika bekämpft werden. Aufgrund der extremen Enge in der Massentierhaltung werden die Fische massiv von kleinen Krebsen befallen. Diese sogenannten Fischläuse beißen den Fischen Fleisch aus Kopf und Körper. Durch die Netze gelangen Millionen mit Fischläusen befallene Lachse ins offene Meer (2012 waren es rund 2 Millionen), wo die Läuse auch frei lebende Fische befallen (pro Fisch bis zu 100 Läuse) und die Populationen so massiv dezimieren.

Fische in der Aquakultur werden mit Fisch aus dem Meer gefüttert. Für die Produktion von einem Kilogramm „Fisch aus der Aquakultur“ werden vier bis fünf Kilogramm „wilde Fische“ aus dem Ozean verfüttert. Somit wird die Überfischung, die ursprünglich verhindert werden sollte, sogar noch massiv verstärkt. Abfälle, Chemikalien und Antibiotika von Fischfarmen verschmutzen die Küstengewässer in der Nähe von Aquakulturanlagen. In Norwegen, dem Land, in dem die meisten Lachse gezüchtet werden, rät die Gesundheitsbehörde jungen und schwangeren Frauen aufgrund der hohen Belastung der Lachse mit Chemikalien inzwischen sogar, den Verzehr von Lachs auf höchstens zweimal pro Woche einzuschränken. (7)


Andere Opfer der Fischerei
In den Netzen verfangen sich zudem zahlreiche andere Meerestiere. Schätzungen zufolge ertrinken jährlich 100.000 Seehunde, Wale, Meeresschildkröten, Tümmler sowie 1 Million Vögel in den Netzen. (8, 10) Da Delfine oft zusammen mit Thunfischschwärmen anzutreffen sind, ist die Thunfischindustrie jährlich auch für den Tod von mindestens 20.000 Delfinen verantwortlich. (9) Darüber hinaus wird durch die Überfischung auch das natürliche Gleichgewicht der Weltmeere zerstört.

Fische sind stark mit Chemikalien und Quecksilber belastet
Der Verzehr von Fisch ist für den Menschen alles andere als gesund. So ist Fisch die wichtigste Quelle für Methylquecksilber in der menschlichen Nahrung. (11) Aber auch Arsen wird in der Nahrungskette angereichert, beispielsweise in Muscheln, Garnelen, Tintenfischen und Fischen. (12) Wie Weich- und Krebstiere können auch Fische extrem große Mengen an chemischen Rückständen speichern, darunter auch PCB (Polychlorierte Biphenyle), Dioxine und Blei. (13) Besonders PCB werden mit Infertilität bei Männern in Verbindung gebracht. (14)

Was Sie tun können
Angesichts des enormen Leids, das der Fischfang und die Aquakultur betroffenen Tieren zufügen, der gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher und der katastrophalen Folgen der Überfischung für die Meere ist es höchste Zeit, Fisch vom Speiseplan zu streichen. Die im Fisch enthaltenen gesunden Inhaltsstoffe, wie Jod und Eiweiß, finden sich auch in Speisesalz und Algen sowie in Hülsenfrüchten und Getreide. Omega-3-Fettsäuren sind zudem in Pflanzenölen, Nüssen und Margarine enthalten. Eine rein pflanzliche Ernährung rettet nicht nur unzähligen Tieren das Leben, sondern verlängert möglicherweise auch Ihr eigenes.

Quellenangaben
(1) Lynne U. Sneddon, „Pain perception in fish. Evidence and implications for the use of fish“
Journal of Consciousness Studies, 18, No. 9-10 (2011) 209-229.
(2) Michael W. Fox, „Do Fish Have Feelings?“, The Animals' Agenda, July/August 1987, p. 24.
(3) Lynne U. Sneddon, „Trigeminal somatosensory innervation of the head of a teleost fish
with particular reference to nociception“, Brain Research 972 (2003) 44–52.
(4) A. Mood and P. Brook, „Estimating the Number of Fish Caught in Global Fishing Each Year“, Fishcount.org.uk (2010) 1-18.
(5) A. Mood and P. Brook, „Estimating the Number of Farmed Fish Killed in Global Aquaculture
Each Year“ Fishcount.org.uk (2012) 1-40.
(6) „News aus der Fischbranche“, Fischmagazin. Online-Artikel vom 14.08.2013.
(7) L. Barnéoud, „Saumons d’élevage. L’histoire n’est plus si rose…“ Science & Vie N° 1154 (2013) 96-103.
(8) „Driftnet Carnage“, Howl, Summer 1987.
(9) „Tuna Fishing Threatens Dolphins“, Greenpeace Wildlife Series.
(10) „Driftnet Carnage“, op.cit.
(11) Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. „Schwermetalle“, 31.8.2005.
(12) Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. „Schwermetalle“, 31.8.2005.
(13) J. Robbins, „Diet For a New America“, p. 331.
(14) R. Rozati et al., „Xenoesterogens and male infertility: myth or reality?“, Asian J Androl. (2000) Dec;2(4):263-9.