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Handaufzucht

Handaufzucht Zoo Leipzig
In der künstlichen Scheinwelt der Zoo-Gefangenschaft, wo der Mensch ständig eingreift und artuntypische Haltungsbedingungen schafft, verändert das so genannte Wildtier auch sein Verhalten.
So ändert das zu Gefangenschaft degradierte Tier z.B. auch sein Aufzuchtverhalten. Es kommt in Zoos daher sehr oft zu Problemen bei Geburt und Aufzucht. Handaufzuchten sind meist vorprogrammiert.

Eisbären sind hier ein besonders dramatisches Beispiel für die selbstherrliche und damit desaströse Manipulation am Verhalten eines so genannten Wildtieres durch den Menschen.
Viel zu viele Eisbärenmütterverlassen ihre zunächst aufgesuchten „Beton-Brut-Höhlen“ viel zu oft ohne ihren Nachwuchs. Immer wieder bleibt ein totes Baby zurück oder ein zunächst Neugeborenes ist nicht mehr auffindbar. Die Mutter hat es getötet und oft anschließend verspeist.

Bereits im Zuchtbuch von 1994 berichtete Zuchtbuchführerin Frau Dr. Linke über die mehr als dramatische Situation von Geburten und Aufzuchten. Das hat sich übrigens in unserem aktuellen Vergleich zum Zuchtbuch 2005 (siehe Thema Zucht), also mehr als 10 Jahre später, nicht verändert.
Handaufzucht NOVAJA im Zoo Frankfurt 1956
„Der Anteil der aufgezogenen Eisbären ist unbefriedigend…“
(Frau Dr. Linke; Eisbären-Zuchtbuchführerin; 1994)

Es scheint, dass nun die Handaufzucht der letzte Versuch der Zoos ist, dass eigentliche Eisbären-Dilemma zu vertuschen, zu beschönigen und im wahrsten Sinne des Wortes zu verniedlichen.

So vermeintlich „niedlich“ die Eisbären Knut und Flocke als Hype daher kamen, so verheerend ist jedoch auch das hohe Risiko, dass diese Eisbären-Handaufzuchten bis an ihr Lebensende in Zoos als verhaltensgestörte, aggressive, asoziale und fortpflanzunfähige „Symbole des Klimawandels“ dahinvegetieren.

Handaufzuchten bürgen folgende hohe Risiken für die spätere Entwicklung des handaufgezogenen Tieres in sich:
Das handaufgezogenen Tierindividuum wird auf den Menschen fixiert und zeigt später kaum Interesse an seinen Artgenossen (soziale Fehlprägung).
  • Das handaufgezogene Tierindividuum leidet später unter Verhaltensstörungen.
  • Das auf Menschen geprägte Tierindividuum reagiert später aggressiv auf Menschen.
  • Das handaufgezogene Tierindividuum zeigt später kaum sexuelles Interesse zu anderen Individuen seiner Art (sexuelle Fehlprägung).
  • Das handaufgezogene weibliche Tierindividuum zeigt später bei seiner eigenen Mutterrolle erhebliche Defizite im eigenen Aufzuchtsverhalten.
  • Für viele handaufgezogenen Eisbären wurden diese Risiken später zur traurigen Realität.

    ZAHLEN

    Hans van Weerd (EEP Eisbärenzuchtkoordinator) präzisiert 2008 die Zahlenangaben:
    „In den vergangenen 25 Jahren gab es 60 Handaufzuchten. Nur 30 Tiere überlebten...“ (1)
    Und weiter sagt Herr van Weerd: „…und nur in fünf Fällen hatten die Eisbären….schließlich eigenen Nachwuchs.“ (1)

    Es besteht also nur eine 50%ige Chance, eine Handaufzucht letztendlich auch lebend durchzubringen, trotz des hohen medizinischen und personellen Aufwandes. Trotz erheblich höheren Schutzes in Gefangenschaft.

    Und 86% der Handaufzuchten (siehe Abb. 3) weisen nachweislich später Probleme in ihrem Verhalten (hier Fortpflanzung) auf.

    Damit werden die Aussagen über ein hohes späteres Risiko in Bezug auf die spätere Sexualität und eigenes Aufzuchtverhalten einer Handaufzucht mit diesen Zahlen auch nochmal bestätigt und bekräftigt.



    Quellennachweise
    1) RBB vom 04.10.2008
    2) Fotoquellen: Ansichtskartensammlung Frank Albrecht
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