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Delfinarien: Triste Betongefängnisse

 
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Stand Juli 2013
In Deutschland gibt es ab Herbst 2012 nur noch zwei Delfinarien: Nürnberg und Duisburg.

Unwissende Besucher sind begeistert von Freizeitparks, die ihnen die Möglichkeit geben, springende Delfine zu beobachten, mit Delfinen zu schwimmen oder mit ihnen fotografiert zu werden. Diese Freizeitparks sind Kassenmagneten, die sich an der Gefangenschaft von intelligenten, sozialen Lebewesen bereichern, denen man jedes natürliche Verhalten und Bedürfnis abspricht. (1) Ric O’Barry, Delfin-Trainer für die Fernsehserie Flipper in den 60er Jahren, meint, dass Freizeitparks und Zoos uns davon überzeugen möchten, dass sich die Delfine in diesen Einrichtungen wohl fühlen. Aber „wüssten Menschen die Wahrheit, würden sie keine Eintrittskarten kaufen”. (2) Hinter dem „Lächeln“ der Delfine verbirgt sich in Wahrheit ein trauriges Leben.

Wildfänge - Familien werden auseinander gerissen

Wildfänge können eine Population schwer belasten, Familien werden auseinander gerissen, Freunde getrennt, Delfinkinder verwaisen. Schmerzen und Verletzungen bei Fang und Transport sowie Angst, Stress und Gefangenschaft führen nicht selten zum Tod der Tiere, noch bevor diese im Delfinarium ankommen. Um z.B. einen weiblichen Delfin im Zuchtalter zu fangen, werden Boote eingesetzt, um die Delfinschule in flache Gewässer zu jagen, wo man die Tiere dann mit Netzen einkreist, diese nach und nach zusammenzieht und auf die Boote hievt. Unerwünschte Delfine werden zurück ins Wasser geworfen, aber manche von ihnen sterben infolge des Schocks oder Stresses. Bei einer Aktion, bei der mehr als 200 Delfine in Panik gerieten, als man sie in einem japanischen Fischerhafen zusammen trieb, krachten die Tiere in Bootsrumpfe und ineinander, verhedderten sich hoffnungslos in den Netzen bei dem Versuch, einen Fluchtweg zu finden, und viele brachen vor Erschöpfung zusammen und ertranken. (3)

Der Import von Delfinen (und anderen Walen) zu kommerziellen Zwecken ist in Deutschland und der gesamten Europäischen Union verboten (4). Allerdings gibt es immer Mittel und Wege, die legalen Vorschriften zu umgehen, zum Beispiel durch „Zwischenlagerung“ von Delfinen in Nicht-EU-Ländern, in denen ein Importverbot durch Ausnahmeregelungen leichter umgangen werden kann. Kommen die Delfine dann nach Deutschland, gelten sie nicht mehr als Wildfänge.

Vom Ozean ins Betonbecken

Einsamkeit und Gefangenschaft in engen, gechlorten Betonbecken bedeutet für die sensiblen Tiere ein trauriges Leben, oft sogar den Tod.
Die in der Hochsee lebenden Delfine ziehen gerne in Schulen von mehreren hundert Tieren umher. (5) Telemetrie-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Reviergröße zwischen 85 km² beim großen Tümmler und 1500 km² beim Schwarzdelfin liegen kann. Es wurde beobachtet, dass Hochseedelfine bis zu 300 Kilometer weit ziehen. (6) In Gefangenschaft lebende Delfine werden mit wenig Artgenossen zusammen in enge, kahle, flache, oft gechlorte Becken gepfercht. (7)
Während in der freien Natur Delfine ihre Kälber in Schulen gebären, werden schwangere Delfine im Zoo von den Artgenossen isoliert. Viele Kälber sterben bei oder nach der Geburt, im Tiergarten Nürnberg starben allein im Jahr 2007 zwei Kälber. (8)

Delfine orientieren sich mit Hilfe ihres Echolots, indem sie eine Serie von Impulsen und Klicklauten aussenden. Die Schallwellen treffen auf Objekte im Wasser und werden dann an den Delfin in Form eines Echos zurückgegeben, fast wie bei einem Sonargerät. So können sie die Form, Dichte, Entfernung und den Standort dieser Objekte bestimmen und Fische aufspüren; in Aquarien jedoch hallen ihre eigenen Schallwellen von den Wänden zurück. Der berühmte französische Meeresforscher Jacques Cousteau sagte einmal, dass das Leben eines Delfins in Gefangenschaft “zu einer Fehlregulierung des gesamten sensorischen Apparates führt, was wiederum bei einem so sensiblen Lebewesen zu einer Störung des mentalen Gleichgewichts und des Verhaltens führt.”(9)

Die Becken werden mit Chemikalien sauber gehalten, die unbekannte Nebenwirkungen haben. Wegen der hohen Chloranteile in ihrem Wasser waren Delfine im Clearwater Marine Aquarium unfähig, ihre Augen zu öffnen und ihre Haut fing an, sich zu schälen. (10)
Der Oklahoma City Zoo schloss seine Delfinanlage, nachdem vier Delfine innerhalb von zwei Jahren an einer bakteriellen Infektion gestorben waren. (11)

Die Stadt Nürnberg hat trotz erheblich vieler Todesfälle in den letzten Jahren (34 Delfine starben dort) und massiver Proteste vieler Tier-, Natur- und Umweltverbände, die Delfinlagune gebaut.
Delfine werden hier gezwungen, Tricks zu erlernen. Nach Angaben von Ric O’Barry ist “positives Belohnungstraining“ nur eine Beschönigung für “Futterentzug”. (12) Der ehemalige Delfintrainer Doug Cartlidge berichtet, dass hochsoziale Delfine bestraft werden, indem man sie von anderen Tieren isoliert. (13)

Die tragischen Folgen der Gefangenschaft

Wäre das Leben von Delfinen in Gefangenschaft so ruhig und idyllisch, wie uns die Meeresfreizeitparks glauben machen wollen, müssten die Tiere dort länger leben als in der freien Natur. Doch obwohl Meeressäuger in Gefangenschaft weder natürlichen Feinden noch der Meeresverschmutzung ausgesetzt sind, bedeutet ihre Gefangenschaft die Todesstrafe.
Delfine in freier Natur werden etwa 40 Jahre alt. (14) Aber mehr als 80 Prozent der Delfine in Gefangenschaft, deren Alter feststellbar war, starben, bevor sie 20 Jahre alt waren. (15)

Ein ehemaliger Trainer im Hersheypark kündigte, weil er “eine Menge frustrierter Tiere sah, die an Geschwüren starben”. (16) Ein Meeressäuger-Verhaltensbiologe aus Seattle gibt an, dass “Delfine in Gefangenschaft selbst-zugefügte Traumata aufweisen können” und dass manche an der Wasseroberfläche treiben und an Beton kauen, bis sie sich die Zähne ruiniert haben. (17) Der Stress ist so groß, dass einige Tiere sogar Selbstmord begehen. Jacques Cousteau und sein Sohn, Jean-Michel, schworen, dass sie niemals wieder Meeressäuger fangen würden, nachdem sie Augenzeuge geworden waren, wie ein gefangener Delfin sich selbst tötete, indem er immer und immer wieder freiwillig gegen die Wände seines Beckens rammte. (18)

Überall auf der Welt erkennen die Menschen inzwischen, dass Delfine und andere Wale nicht in Gefangenschaft gehalten werden können. Kanada erlaubt nicht mehr, dass Beluga-Wale gefangen und exportiert werden. (19) Israel hat die Einfuhr von Delfinen für Unterhaltungszwecke verboten. (20) Australien und seit 2012 auch die Schweiz verbieten die Einfuhr von Delfinen. (21) Pläne für den Bau eines Delfinbeckens im Meereszentrum in Virginia und auf Rügen wurden aufgegeben, nachdem die Öffentlichkeit massiv protestiert hatte. (22) In Österreich und in England gibt es keine Delfinarien und in Kroatien konnte dank massiver internationaler Proteste im Sommer 2007 der Bau eines Delfinariums verhindert werden. Das Conny-Land in der Schweiz hat angekündigt Ende 2012 die Delfinhaltung aufzugeben.

Was Sie tun können

Besuchen Sie keine Freizeitparks oder Zoos, die Delfine oder Orcas in Gefangenschaft halten. Ermutigen Sie Ihren Zoo vor Ort, die Zucht von Tieren einzustellen, um so Platz zu schaffen für die Rehabilitierung (und Freilassung) von verletzten Wildtieren. Melden Sie alle Missstände der zuständigen Behörde, teilen Sie Flugblätter bei Freizeitparks aus, schreiben Sie Leserbriefe an Ihre örtliche Presse und üben Sie Druck auf die Verantwortlichen aus, damit derartige Einrichtungen nicht mehr durch Steuergelder subventioniert werden. Unterstützen Sie eine Gesetzgebung, die den Import und Handel mit Delfinen verbietet. Da die Nachzucht von Delfinen in Gefangenschaft nicht gelingt, werden folglich alle Delfinarien früher oder später schließen müssen.

Quellenangaben

1) Sally Kestin, “Not a Perfect Picture,” Sun-Sentinel, 16 May 2004.
2) Kestin.
3) Public Broadcasting Service, “A Whale of a Business,” Frontline, 1998.
4) EU-Richtlinie 338/97, 09.12.1996.
5) Graham Bateman “Die Tiere unserer Welt. Säugetiere des Meeres. Band 2.” Equinox (Oxford) Ltd. 1987.
6) Graham Bateman “Die Tiere unserer Welt. Säugetiere des Meeres. Band 2.” Equinox (Oxford) Ltd. 1987.
7) Animal and Plant Health Inspection Service, “3.104 Space Requirements.”
8) Förderverein DelphinLagune e.V. Tiergarten Nürnberg. Newsletter Juli 2007.
9) Virginia McKenna, Into the Blue. New York: Harper Collins Publishers, 1992.
10) Sally Kestin, “Sickness and Death Can Plague Marine Mammals at Parks,” Sun-Sentinel, 17 May 2004.
11) Sally Kestin, “Sickness and Death Can Plague Marine Mammals at Parks.”
12) McKenna.
13) McKenna.
14) Sally Kestin, “Experts, Parks Debate Animal’s Ages of Death,” Sun-Sentinel, 16 May 2004.
15) Kestin, “Not a Perfect Picture.”
16) Christopher Schnaars, “Marine Parks: Below the Surface,” The Morning Call, 16 May 2004.
17) Kestin, “Sickness and Death Can Plague Marine Mammals at Parks.”
18) Dianne Dumanoski, “The Age of Aquariums. Critics Warn Captivity Is Harmful,” The Boston Globe, 12 Nov. 1990.
19) Brian McHattie, MSc., letter to Ann Terbush, U.S. Department of Commerce, “Comments on National Marine Fisheries Service Proposed Rule—Docket No. 001031304-0304-01,” 31 Oct. 2001.
20) “Israel Agency Bans Import of Dolphins,” Reuters, 4 Feb. 1994.
21) Andrew Darby, “Born to Be Wild,” Sydney Morning Herald, 23 Jul. 2003.
22) Jon Frank, “Beach to Turn Over Documents on Tank Expansion to PETA; Deal Is Second Challenge to City’s Compliance With Information Law in Less Than a Week,” The Virginian-Pilot, 28 Mar. 2001.