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Alles, was Sie zum Thema Gelatine (niemals) wissen wollten

 
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Was Gummibärchen und Gesichtsmasken mit Schweinehaut zu tun haben

Stand März 2017
Tierische Inhaltsstoffe verstecken sich in einer Reihe von Produkten des täglichen Lebens. Im Fall von Lebensmitteln oder Kosmetika werden sie in der Regel zwar in der Zutatenliste aufgeführt, ihre tierische Herkunft ist jedoch nicht immer sofort erkennbar. Manchmal müssen tierische Inhaltsstoffe aber auch nicht gekennzeichnet werden, obwohl sie Teil des Herstellungsprozesses sind[1].
Gelatine und sogenanntes Kollagen-Hydrolysat sind zwei dieser tierischen Inhaltsstoffe. Vielen von uns ist nicht bewusst, wie weit verbreitet ihr Einsatz ist und welches Tierleid hinter ihnen steckt. Es gibt jedoch zahlreiche vegane Alternativen, die es einem leicht machen, dieses Tierleid zu verhindern.
Gelatine stammt von toten Tieren
Gelatine ist ein Eiweiß (Protein). Genauer gesagt besteht Gelatine zu 84-90 % aus Eiweiß und 1-2 % mineralischen Salzen und Wasser. Gelatine wird aus sogenannten kollagenhaltigen Schlachtabfällen hergestellt. Sie entsteht, vereinfacht gesagt, durch das Auskochen von Häuten und Knochen aber auch anderem Bindegewebe, wie Sehnen, Knorpel und Bänder, in Wasser.
Geschätzte 80 % der in Europa produzierten Speisegelatine stammen aus der Haut von Schweinen. 15 % aus der Haut von Kühen und 5 % aus den Knochen von Schweinen und Kühen sowie aus Fischen[2]. Unabhängig von ihrer genauen Herkunft stammt Gelatine somit immer von schmerzempfindenden Individuen, die teils bei vollem Bewusstsein getötet werden.
Bei Kollagen-Hydrolysat handelt es sich um ein der Gelatine sehr ähnliches Produkt. Es wird aus den gleichen tierischen Substanzen hergestellt, weist aber keine Geliereigenschaften auf. [3]
 
Gelatine findet sich überall
Gelatine wird in verschiedenen Bereichen verwendet. Am gebräuchlichsten und bekanntesten ist die Speisegelatine. Doch es gibt auch sogenannte pharmazeutische, fotografische und technische Gelatine.
Speisegelatine wird in erster Linie zum Gelieren von Lebensmitteln verwendet, aber auch, um Volumen oder eine bestimmte Textur zu erzeugen. Gelatine findet sich so z.B. in Süßigkeiten wie Kaubonbons, Frucht- und Weingummis (also in Gummibärchen), Lakritze, Schokoküssen, Marshmallows, aber auch in Tortenguss und -cremes, Joghurt, Frischkäsezubereitungen und vor allem fettreduzierten Milchprodukten. Sie ist zudem in Desserts wie Wackelpudding oder auch Müsliriegeln, insbesondere bei zuckerreduzierten Varianten, enthalten.
Daneben wird Gelatine im Lebensmittelbreich als sogenannter Hilfsstoff eingesetzt. Sie findet so – undeklariert – Verwendung bei der Herstellung von Saft, Wein und Softdrinks, teils auch bei ausländischem Bier. Gelatine wird in diesen Fällen z.B. zur Klärung (Entfernen von Trübstoffen) oder Lösung von fettlöslichen Substanzen benutzt. [4,5] Zur Ergänzung: Hilfsstoffe müssen leider nicht auf der Zutatenliste angegeben werden, solange sie nicht als Allergen gekennzeichnet werden müssen. [6]
Kollagen-Hydrolysat findet sich ebenfalls in Lebensmitteln. Es wird u.a. als Eiweißquelle in Sportlernahrung, Fitnessriegeln und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.
Neben dem Lebensmittelbereich finden Gelatine und Kollagen-Hydrolysat auch in Kosmetikprodukten wie Shampoos, Cremes, Badezusätzen, Duschgelen oder Gesichtsmasken Verwendung. Bei Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln werden Gelatine und Kollagen-Hydrolysat für die Herstellung von Kapseln oder als Überzugsmittel von Tabletten verwendet sowie als Bindemittel eingesetzt.
Darüber hinaus wird Gelatine für die Herstellung von Filmrollen verwendet, zur Beschichtung von Ink-Jet-Druckerpapier oder für Streichholzköpfchen.
 
Warum wird Gelatine eingesetzt?
Gelatine wird in den meisten der oben genannten Produkte als Gelier- und Bindemittel eingesetzt. Gelatine stabilisiert, verdickt und täuscht z.B. ein volleres Mundgefühl bei fettreduzierten Produkten vor.
Wie ziemlich schnell deutlich wird, ist Gelatine nicht vegan. Es gibt jedoch viele Stoffe, die die gleichen Aufgaben in Lebensmitteln übernehmen können und vegan sind.
Es ist also ohne weiteres möglich, dass wir unser Lieblingsessen genießen, ohne Tieren bewusst zu schaden. Im Folgenden finden Sie viele Ideen, wie Sie sich tagtäglich für mehr Mitgefühl entscheiden können.

Vegane Alternativen zu Gelatine


Kochen und Backen
Wer gerne kocht und backt, stößt bei Rezepten vor allem für Kuchen und Törtchen sowie Desserts in der Zutatenliste ab und zu auf Gelatine. Dank veganer Alternativen wie beispielsweise Agar-Agar (ein Produkt aus Algen), Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl, Stärke oder Puddingpulver können Sie diese Rezepte jedoch sehr leicht vegan zubereiten. Auf der Infografik „Das ultimative vegane Backpapier“ erfahren Sie, wie und für was Sie welche veganen Alternativen am besten verwenden.

Probieren Sie doch gleich folgendes Rezept für ein wirklich köstliches Sommerdessert aus.
Holunderblüten-Weißwein-Götterspeise mit frischen Erdbeeren
(Das Rezept stammt aus PETAs Kochbuch „Vegan! Einfach lecker und gesund“)

Zutaten:
  • 4 Msp. Agar-Agar
  • 500 ml trockener Weißwein
  • 200 ml Holunderblütensirup
  • 250 ml Wasser
  • Saft einer Zitrone
  • 500 g Erdbeeren
 
Zubereitung:
Agar-Agar in kalten Weißwein einrühren und aufkochen lassen. Holunderblütensirup, Wasser und Zitronensaft einrühren. Flüssigkeit in Schälchen oder Gläser füllen und 2 bis 3 Stunden in den Kühlschrank stellen, bis die Götterspeise fest geworden ist.
Erdbeeren waschen und je nach Größe halbieren oder vierteln. Götterspeise auf Teller stürzen und mit Erdbeeren anrichten – oder im Glas servieren und die Erdbeeren getrennt dazu reichen.

 
Wein, Säfte und Softdrinks
Gelatine wird bei der Herstellung mancher Getränke als Hilfsstoff eingesetzt und muss deswegen nicht deklariert werden. Es gibt jedoch eine Reihe von Herstellern, die auf tierleidfreie Verfahren zurückgreifen. Getränke, die ohne Gelatine hergestellt wurden, erkennen Sie beispielsweise an veganen Labeln oder Sie finden sie im PETA ZWEI Einkaufsguide. Bei Produkten, die weder im Einkaufsguide gelistet sind noch über ein unabhängiges Label verfügen, hilft nur die direkte Nachfrage beim Hersteller.
 
Süßigkeiten
Insbesondere bei Süßigkeiten mit gelee- bzw. gummiartiger Konsistenz ist Vorsicht geboten. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich, um nicht ungewollt zu nicht-veganen Süßigkeiten zu greifen. Das Schöne ist jedoch, dass es eine Reihe von Süßigkeiten gibt, die ganz aus Versehen vegan sind (und schon immer waren), sowie viele Produkte, die ganz bewusst tierleidfrei konzipiert wurden. Darunter befinden sich Kaubonbons, Gummibonbons und Marshmallows. Sie finden diese Produkte im veganen Versandhandel, in Biomärkten, in vielen Supermärkten und sogar in Discountern. Einen ersten Überblick verschafft Ihnen der Einkaufsguide von PETA ZWEI.
 
Kosmetikprodukte
Auch beim Kauf von pflegenden oder dekorativen Kosmetikprodukten lohnt sich der Blick aufs Etikett, um versteckte tierische Inhaltsstoffe wie Gelatine und Kollagen-Hydrolysat aufzuspüren. PETAs Website „Kosmetik ohne Tierversuche“ bietet zudem einen guten Überblick über tierversuchsfreie und zum Teil komplett vegane Kosmetikfirmen.
 


Quellen:
[1] Weigt, Stefan (2014): Verbraucherschutz - Die Tricks der Industrie. UGB-Forum 2/14, S. 58-60. https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/verbrauchertaeuschung/ (28.2.2017)
[2] GME - Gelatine Manufacturers of Europe: Rohstoffe. http://www.gelatine.org/de/ueber-gelatine/herstellung/rohstoffe.html (28.2.2017)
[3] GME - Gelatine Manufacturers of Europe: Über Kollagen-Hydrolysat. http://www.gelatine.org/de/ueber-kollagen-hydrolysat.html (28.2.2017)
[4] Weinverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. April 2009 (BGBl. I S. 827), die zuletzt durch Artikel 1 der Verordnung vom 4. Januar 2016 (BGBl. I S. 2) geändert worden ist. https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/weinv_1995/gesamt.pdf (28.2.2017)
[5] Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung vom 24. Mai 2004 (BGBl. I S. 1016), die zuletzt durch Artikel 3 der Verordnung vom 30. Juni 2015 (BGBl. I S. 1090) geändert worden ist. https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/frsaftv_2004/gesamt.pdf (28.2.2017)
[6] Verbraucherzentrale (2016): Kennzeichnung von Lebensmitteln. https://www.verbraucherzentrale.de/kennzeichnung-verpackter-lebensmittel-1 (28.2.2017)