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Ist der Zoo Karlsruhe ein „Antilopen-Fleisch-Zulieferbetrieb“?

 
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Gaumenschmaus vor Artenschutz?

Stand März 2010
(Stand 19.02.2010)

Im Zeitraum 2006–2007 hat der Zoo Karlsruhe über den dubiosen Tierhändler Werner Bode eine Gruppe (20-40 Individuen) Hirschziegenantilopen, 1 Bennettkänguru, 3 Watussi-Rinder und ein Guanaco abgegeben. Über den Verbleib der Tiere schweigen sich der Zoo und der Tierhändler bisher aus.

 

Klicken Sie auf das Bild, um die Liste als PDF-Datei herunterzuladen.
In einer Stellungnahme der Stadt Karlsruhe vom 10.02.2010 heißt es:
„Werner Bode hatte in der Vergangenheit einen eigenen Tierpark unterhalten und hier auch Tiere vorübergehend bis zur endgültigen Vermittlung untergebracht. Seit Aufgabe des eigenen Tierparks arbeitete er mit einen anderen Tierpark zusammen.“

Zunächst wird der „andere Tierpark“ natürlich namentlich nicht benannt. Warum eigentlich nicht, wenn man sich in Karlsruhe doch nichts vorzuwerfen hat?
Aber vielmehr wird der Eindruck vermittelt, die besagten Tiere aus Karlsruhe seien im Tierpark des Herrn Bode „bis zur endgültigen Vermittlung“ untergebracht worden.

Auch in der TV-Sendung „BW-Aktuell“ des SWR (am 23.02.2010) spricht der stellvertretende Zoodirektor Herr Dr. Clemens Becker davon, dass Herr Bode „einen kleinen Wildpark unterhielt und dort Tiere artgerecht aufstallte, um sie von dort aus weiterzuvermitteln.“

Doch betrachtet man sich die amtliche Tiertransporterklärung (klicken Sie auf das obige Bild) der Hirschziegenantilopen einmal genauer, wird als Empfängerort „Bad Bentheim“ (Wohnort von Herrn Bode) benannt. Und oben im Adressfeld steht „Gronauer Tier- und Vogelpark“.

 

Täuscht Karlsruhe seine Bürgerinnen und Bürger?


Fakt ist, in Bad Bentheim gab es nie solch einen Tier- oder Wildpark. Und den Tierpark des Tierhändlers Herrn Bode gab es seit den 80iger Jahren in Gronau nicht mehr. Warum also wurde ein solch amtliches Dokument durch den Absender (Zoo Karlsruhe) des vermeintlichen Tiertransportes offenbar nicht richtig ausgefüllt? Warum erweckt man den Anschein, die Antilopen seien in einen Tier- oder Wildpark des Herrn Bode gelangt, den es aber definitiv nicht gab?
Laut Tierschutztransportverordnung (§7) hat sich „der Absender von der Richtigkeit der Empfängeranschrift“ zu überzeugen. Aus uns vorliegenden Unterlagen geht auch hervor, dass die Tiere womöglich an einen anderen Tierhändler in Belgien gingen.

Weiter sagt Herr Dr. Clemens Becker (stellv. Zoodirektor) in der Karlsruher Stellungnahme:
„Zum Transport von Zootieren arbeitet der Zoo mit seriösen Tiertransporteuren zusammen, auch mit dem genannten Tiertransporteur pflegt der Zoo Karlsruhe jahrelange Kontakte.“

„Mit dem Mann sind wir seit über 10 Jahren in Verbindung.“
(Herr Dr. Clemens, stellvertretende Zoodirektor im „BW-Aktuell“ im SWR am 23.02.2010)

Die Transporterklärung zeigt ganz deutlich, dass die Hirschziegenantilopen nicht vom Zoo Karlsruhe zu einem anderen Zoo XY transportiert wurden, sondern Herr Bode „seine“ Tiere abgeholt hat.
Denn die Tiere gingen danach „in das Eigentum von Herrn Bode über“. Herr Bode war also keineswegs nur Transporteur!

 

Jahrelangen Kontakt zum seriösen Herrn Bode

Wie kann man den Tierhändler Herrn Bode als seriös bezeichnen, wenn der Zoo Karlsruhe z.B. im internationalen Tigerzuchtbuch nachlesen kann, dass mehr als 20 an Herrn Bode (Gronau) abgegebene Tiger (u.a. aus Hoyerswerda, Krefeld, Rheine, Saarbrücken und Bochum) bis heute „unknown“ (unbekannt) verschwunden sind?
Einige dieser Tiger werden mittlerweile auch als verstorben geführt. Letzter Besitzer war, laut Aussage des vorherigen Zuchtbuchführers: „Gronau“ (Werner Bode).

Und in einem Fernsehbericht über die Schlachtung von Bären aus deutschen Zoos aus dem Jahr 1995 taucht Herr Bode ebenfalls auf. Machen Sie sich hier ihr eigenes Bild.

Auch hier und hier finden Sie noch weitere Fakten über den dubiosen Tierhandel des Herrn Bode.

„Tiere in einen Kochtopf in ein Feinschmeckerrestaurant wurden vom Karlsruher Zoo aus noch nie geliefert.“
(Herr Clemens, stellvertretende Zoodirektor in „BW-Aktuell“ im SWR am 23.02.2010)

Fakt ist, der Zoo weiß aber nicht, so der SWR-Kommentator im Beitrag, wo die Tiere verblieben sind. Die Wahrscheinlichkeit der Schlachtung bleibt also bestehen.

 

Wird im Zoo Karlsruhe Steuergeld verschwendet?


Stellungnahme aus Karlsruhe:
„Zur Abgabe der Hirschziegenantilopen, die nicht bedroht sind und von daher keinen besonderen Vorschriften des Artenschutzes unterliegen…“

Sehr fraglich! Warum züchtet man in Karlsruhe mit erheblichem finanziellen und personellen Aufwand (Nahrung, Tierarztkosten, Löhne und Gehälter usw.) einen offensichtlichen Überschuss an Antilopen und finanziert durch die Abgabe an dubiose Tierhändler deren satte Gewinne? Gewinne, die ganz klar auf Kosten des Steuerzahlers gehen. Denn die Aufzucht wird zum Großteil nur von Steuergeldern finanziert.

 

Klicken Sie auf das Bild, um die PDF-Datei online zu lesen.

VDZ-Präsidentin und Zoodirektorin hält sich nicht an eigene Ethik-Kodexe

Welt-Zoo-Naturschutzstrategie (Verband deutscher Zoodirektoren):
-„Zoos haben die Verantwortung, die Größe ihres Tierbestandes zu regulieren.“
-„…überschüssige Tiere an andere geeignete Institutionen weiterzureichen.“
-„…die ethischen Grundsätze des Weltverbandes (WAZA)…sind Grundlage.“

Sehr geehrte Frau Dr. Hegel, Präsidentin des Verbandes deutscher Zoodirektoren (VDZ) und Zoodirektorin des Zoo Karlsruhe, was ist das für eine VDZ- und WAZA-Ethik, bei der Tiere, die angeblich zur Zoo-Arterhaltungszucht bestimmt sind, offenbar spurlos verschwinden und möglicherweise der Schlachtung zugeführt werden?
Was ist das für eine verantwortungsvolle Bestandsregulierung, bei der es dennoch mehrfach zu „Überschuss“ kommt?
Ist ein Tierhändler eine wirkliche „geeignete Institution“ für eine verantwortungsvolle Tierabgabe?

Welt-Zoo-Naturschutzstrategie (Verband deutscher Zoodirektoren):
„Wenn das Töten von überzähligen Tieren nicht in Frage kommt und die Fortpflanzung nicht verhindert werden kann… sollten solche Tiere nicht gehalten werden.“

Artgerecht ist nur das, was den Zoos von Nutzen ist

Stellungnahme aus Karlsruhe:
„…dass zu einer artgerechten Haltung in Zoos gehört, den Tieren möglichst die gesamte Palette an artspezifischen Verhaltensweisen zu ermöglichen. Hierzu gehört unter anderem die Aufzucht, die damit einhergehen kann, dass überzählige Tiere aus einer Gruppe genommen werden müssen.“

Das Wort „möglichst“ bezieht sich für Zoos stets nur auf die Punkte, bei denen die Zoos letztendlich auch am meisten profitieren.
Denn mit der Aufzucht entstehen süße kleine Tierbabys, die sich zur Besucher- und letztendlich zur Gewinnoptimierung bestens eignen. Nur sie locken Besucher an und lassen die Kassen klingeln.
Alte und daher „sinnlose Esser“ sind hierbei wohl „möglichst“ ungeeignet. Denn sie leben oft nicht lange.
Aber interessant ist es allemal, dass den Zoos die Aufzucht als „artspezifische Verhaltensweise“ besonders am Herzen liegt, während ihnen ein artspezifisches Wander-, Flug-, Schwimm- und Jagdverhalten in den meisten Fällen und seit Gründung der Zoos völlig egal bleibt.

 

Was wir von der Stadt und vom Zoo Karlsruhe fordern:

Seine Tierbestandsbücher offen zu legen.
  • Den endgültigen Verbleib der Tiere bekannt zu geben.
  • Geburtenkontrolle im Zoo vorzunehmen.
  • Tiere nur abzugeben, wenn die Grundsätze nach „Ethic-Codex“ des europäischen und des Weltzooverbandes (WAZA) erfüllt sind.
  • Grundsätzlich keine Abgabe über Tierhändler vorzunehmen.
  • Die Zucht für nicht bedrohte und nicht mehr unter den Zoos vermittelbare Tierarten aufzugeben
  • Was Sie tun können:

    Besuchen Sie keine Zoos.
  • Fordern Sie den Zoo und die Stadt Karlsruhe auf, viel mehr Transparenz über den Verbleib von Tieren zu schaffen.
  • Fordern Sie den Zoo und die Stadt auf, stets den endgültigen Verbleib seiner Tiere offenzulegen.
  • Fordern Sie, dass Geburtenkontrolle durchgeführt wird.
  • Tier nur direkt an andere Zoos abzugeben.