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Übergewicht bei Hunden und Katzen

Tipps unserer Tierärztin

Stand Februar 2013
Die Zahl der übergewichtigen Bundesbürger ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Noch vor 30 Jahren galten weniger als 10 % der Bevölkerung als zu dick. Die Ergebnisse der “Nationalen Verzehrstudie“ aus dem Jahr 2008 bestätigten den besorgniserregenden Trend: 66 % der Männer und ca. 51 % der Frauen in Deutschland sind übergewichtig oder adipös. Tendenz steigend. Und leider macht die Entwicklung auch vor Tieren nicht halt.

 

Auch Hunde & Katzen sollten nicht zu dick werden
Tierärztin Christine Esch erklärt, warum Tiere zu dick werden, was die folgenschweren Konsequenzen sein können und wie Tierhalter nachhaltig das Gewicht ihrer Tiere reduzieren können.

„Wie beim Menschen tritt Fettleibigkeit bei Tieren dann auf, wenn die Energieaufnahme den eigentlichen Bedarf überschreitet. Der Energiebedarf eines Tieres setzt sich zusammen aus dem sogenannten Erhaltungsbedarf sowie dem Bedarf, der durch bestimmte Leistungen des Stoffwechsels, z.B. durch Bewegung, Schwangerschaft oder Wachstum, entsteht. Übersteigt also die Energieaufnahme diesen individuellen Bedarf, wird der Überschuss in Form von Fett gespeichert. Tiere, die in den ersten Monaten ihres Lebens zu viel Energie aufnehmen, legen dauerhaft mehr Fettzellen an als Tiere, die bedarfsgerecht viel Energie zu sich nehmen. Diese Fettzellen können zwar im Umfang, aber nicht in der Anzahl reduziert werden. Deshalb ist eine Gewichtsreduktion bei Tieren, die während des Wachstums bereits übergewichtig waren, besonders schwierig.“

Doch auch Tiere im Erwachsenenalter können Übergewicht entwickeln. Ausschlaggebend ist dabei häufig unbewusstes Fehlverhalten der Tierhalter. Faktoren, die eine wichtige Rolle beim Entstehen von Übergewicht spielen können, sind:
• Fehler in der Ernährung:
- Angebot zu großer Nahrungsmengen (z.B. aufgrund von Futterneid, Hund wirkt immer hungrig, bettelt, erhöhter Appetit bei kastrierten Hündinnen etc.)
- Nahrung mit zu hohem Energiegehalt (z.B. Reste vom Tisch, Leckerchen, Welpenfutter bei erwachsenen Tieren etc.)
- Fehler im Ernähungsmanagement (z.B. ein permanent zur Verfügung stehender Napf mit Trockennahrung anstatt fester Essenszeiten)
• Mangelnde Bewegung gemessen an der Energieaufnahme
• Übergewicht des Halters
• Genetik (bestimmte Hunde neigen eher zu Übergewicht, z.B. Labrador und Beagle)
• Alter
• Fettleibigkeit im Wachstum

„Die Ursachen für Übergewicht bei tierischen Mitbewohnern können individuell sehr unterschiedlich sein. Gängige Fehler sind aber z.B., dass bei „Wohnungskatzen“ der Bewegungsbedarf unterschätzt wird oder dass bei Hunden Leckerlis nicht in den Kalorientagesbedarf eingerechnet werden.“

Mögliche gesundheitliche Folgen von Übergewicht
• Diabetes mellitus
• Herz- und Kreislauferkrankungen
• Erkrankungen des Bewegungsapparates
• Stoffwechselerkrankungen
• Erhöhtes Narkoserisiko
• Hauterkrankungen
• Schwächung des Immunsystems

„Übergewicht bei Tieren kann zu schweren Gesundheitsschäden führen. Viele Tierhalter denken sie tun ihrem Tier etwas Gutes, wenn sie viel Nahrung anbieten und zwischendurch noch Leckerlis zustecken. Doch Hunde haben keine natürliche Sperre, sie essen so viel, wie man ihnen vorsetzt ─ auch wenn es viel zu viel ist. Zusätzlich nehmen sich viele Tierfreunde nicht genügend Zeit für ausgiebige Spaziergänge mit dem Hund oder Spielzeiten mit der „Hauskatze“. Das Resultat ist fatal. Was gut gemeint ist, macht die Tiere krank.“


Mögliche Folgen im Verhalten der Tiere
„Dicke Hunde oder Katzen neigen zu Trägheit. Viele Tiere verlieren durch die Einschränkung der Beweglichkeit den Spaß am Spielen und der Bewegung. Sie schlafen mehr und leiden häufig an Kurzatmigkeit. Außerdem können sie sich schlechter putzen, wenn sie nicht mehr so beweglich sind. Darunter leiden vor allem Katzen, die von sich aus sehr reinlich sind.“

Wie Sie Übergewicht erkennen
„Übergewichtige Tiere erkennt man an verschiedenen Kriterien: Über den Rippen befindet sich eine Fettschicht, so dass die Rippenbögen nur noch durch starken Druck fühlbar sind. Der Bauch ist nicht wie bei normalgewichtigen Tieren von der Seite betrachtet leicht hochgezogen, sondern kann sogar hängen. Die Haut an Hals und Schulter ist dick und wulstig, das Tier kann an der Schwanzbasis und in der Leistengegend Fettdepots haben. Stark übergewichtige Hunde und Katzen sind regelrecht rund. Sie haben keine sichtbare Taille und oft ein Doppelkinn.“

Wie Sie das Gewicht Ihres Tieres reduzieren

„Bevor Tierhalter ihr Tier auf Diät setzen, sollten sie den Gesundheitszustand des Tieres durch einen Tierarzt überprüfen lassen. Wenn keine anderen Erkrankungen einer Gewichtsreduktion entgegenstehen, muss zusammen mit dem Tierarzt ein passendes Programm festgelegt werden. Dies beinhaltet vor allem eine Ernährungsumstellung/Kalorienreduktion und eine langsame Gewöhnung an mehr Bewegung. Ziel ist es, das überschüssige Fett abzubauen und die Muskelmasse zu erhalten. Katzen, die im Haus leben, können beispielsweise durch regelmäßiges Spielen, Hunde durch Spaziergänge an die „körperliche Ertüchtigung“ herangeführt werden. Dabei sollte die Dauer der Bewegung langsam gesteigert werden. Keinesfalls darf ohne Absprache mit dem Tierarzt eine drastische Reduktionsdiät begonnen werden, da dies zu gefährlichen Stoffwechselerkrankungen führen kann.“