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 »  »  »  »  » Interview mit Stichting AAP zu Christiane Samel und ihren Schimpansen

Lesen Sie hier, was uns David van Gennep von weltweit anerkannten niederländischen Primatenauffangstation Stichting AAP (Niederlande) zu Frau Samel im Interview verriet.

David van Gennep von der niederländischen Primatenauffangstation gab uns ein Interview zur deutschen Schimpansenhalterin Christiane Samel.

(August 2009)

1. Habt ihr zuerst Frau Samel angeboten ihre Schimpansen aufzunehmen oder ist Frau Samel auf euch zu gekommen?
Wir sprachen sie vor über einem Jahr an, um herauszufinden, ob sich ein Besuch lohnen würde. Der zweite Besuch wurde von einem Freund von Frau Samel angeregt. Ich glaube, es war ihr Anwalt. Ich rief sie daraufhin an und sagte, ich würde nur noch einmal kommen, wenn die Überstellung der Schimpansen eine realistische Option sei.

2. Wie viele Schimpansen hättet ihr aufnehmen können?

Wir haben Frau Samel gesagt, dass wir nicht daran interessiert wären, nur ein paar Tiere aufzunehmen, so dass sie ihre Show kosteneffizienter weiterführen könnte. Es ging dabei um alles oder nichts. Die Überstellung hätte wahrscheinlich auf zwei Transporte verteilt stattgefunden.

3. Wie viele Schimpansen wollte Frau Samel abgeben?
Als wir sie besuchten, sprachen wir ganz offen über alle Schimpansen. Selbst ihr Ehemann erwähnte, dass er die Sache so schnell wie möglich über die Bühne bringen wollte, da ihr Gesundheitszustand (der der Samels) zu dem Zeitpunkt ziemlich schlecht war.

4. Musste Frau Samel die Schimpansen abgeben oder wollte Frau Samel die Tiere an euch abgeben?
Zu diesem Zeitpunkt gab es keinerlei Zwang. Ich habe wiederholt mit den Behörden gesprochen und sie konnten sie nicht zwingen. Ihrer Meinung nach hätte eine Anordnung den gegenteiligen Effekt gehabt.

5. Warum kam es nicht zur Übernahme der Schimpansen?
Nachdem Frau Samel unsere Station zusammen mit einem polnischen Freund besucht hatte, schlugen uns allerhand Anschuldigungen entgegen. Ihren Aussagen zufolgen gab es überall Ratten, die Schimpansen hätten keine Fernsehgeräte, bekämen nicht täglich ihren Joghurt und wir würden alle möglichen Krankheiten unter den Tieren mischen. Ich rief sie an, um sie danach zu fragen und während unseres Gesprächs wurde klar, dass sie uns nur besucht hatte, um Material gegen uns zu sammeln. Alles was ich gesagt hatte, wurde gegen uns verwendet: unsere Quarantäneeinrichtung (die größer als der Raum ist, auf dem die Tiere derzeit leben) wären viel zu klein, das Enrichment falsch und so weiter. Alles was sie uns anbieten konnte, waren 5 alte Männchen – wenn ich mich recht erinnere – so dass ein Käfig bei ihr leer gewesen wäre. Die Jungtiere wollte sie nie abgeben.

6. Wollte Frau Samel Geld von euch für die Übernahme der Schimpansen?
Sie hat nie nach Geld gefragt.

7. Welche Forderungen stellt ihr an die ehemaligen Halter, vor der Aufnahme der Tiere?
Wir verlangen nichts im Gegenzug außer einer schriftlichen Vereinbarung, dass die Personen keine neuen Tiere kaufen oder auch in Zukunft keine exotischen Tiere halten werden. Soweit sind wir mit ihr aber nie gekommen. Möglicherweise habe ich die Vereinbarung bei ihrem Besuch bei uns erwähnt.

8. Haben diese Forderungen Frau Samel nicht gefallen?
Es gefiel ihr nicht, dass sie auch die jungen Schimpansen und das Zuchtpaar hätte weggeben müssen.

9. Stimmt es, dass Frau Samel euch Missstände unterstellt hat?
siehe oben.

10. Was sagt ihr dazu?
Es ist unglaublich, wenn sie etwas Negatives über unsere Station sagt, verglichen zu den Umständen, die sie den Tieren bieten kann. Wir haben keine Fernsehgeräte für die Schimpansen und ich würde ihnen auch keine geben, wenn wir dafür keine Notwendigkeit sehen. Ein Fernseher trägt nicht zum Sozialverhalten und dem normalen Verhalten eines Schimpansen bei. Es kann in einigen Fällen dazu beitragen, ein einzelnes Tier zu beruhigen; wir nutzen diese Methoden also, allerdings nur nach Absprache mit unserem Ethologen-Team. Für das Futter gilt das Gleiche; ja, wir füttern keinen Fruchtjoghurt oder andere Süßigkeiten, weil wir glauben, dass das nicht gut für die Tiere ist. Frau Samel hat keine Ahnung davon, was ein normaler Schimpanse braucht. Als ich sie zum ersten Mal besuchte, versuchte ihr jüngster Schimpanse, mir auf eine Art und Weise wehzutun, die nicht der eines Schimpansen entspricht; der Versuch, in einer positiven Situation ohne Vorwarnung nach dem Finger einer Person zu greifen, ist für einen Schimpansen kein angebrachtes Verhalten. Ich wollte das mit ihr besprechen, da sie sie in Shows auftreten ließ (leider habe ich den Namen vergessen), aber sie warf mir nur vor, ich sei ihrem Kind gegenüber aggressiv und grob gewesen. Ich wollte ihr näherbringen, dass sie zu diesem Zeitpunkt eine angebrachte Erziehung für Schimpansen bräuchte, doch das passte Christiane Samel nicht.

11. Was haltet ihr davon, dass Frau Samel die Schimpansen jetzt nach China abschiebt?
Es ist unglaublich. China ist dafür bekannt, kein guter Ort für Tiere zu sein, es gibt dort nicht einmal einen rechtlichen Schutz für Tiere. Wir haben versucht, der Spur zweier anderer Schimpansen eines deutschen Zirkus zu folgen, haben sie jedoch nach Ankunft in China verloren. Sie tut dies nur, um nicht mehr mit den Schimpansen konfrontiert zu sein und natürlich, um Geld zu bekommen. Die Liebe, die sie für diese Tiere vorgibt, ist nur vorgetäuscht. Das ist spätestens jetzt klar geworden. Ich kann nicht verstehen, wie jemand, der vorgibt seine Tiere wie Babys zu lieben, nur in Erwägung ziehen kann, sie in ein Land wie China zu bringen, wo die Menschen die Tiere wahrscheinlich sogar essen würden, wenn das den höchsten Preis erzielt. Ob die Tiere wohl in Shanghai ihren eigenen Fernseher haben??


Über “Stichting AAP” erfahren Sie hier mehr: www.aap.nl