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Keine EU-Gelder für Qualzuchten: Zoo Aschersleben bewirbt sich um finanzielle Förderung für Ausbau der Großkatzenhaltung

 
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PETA fordert Verantwortliche im LEADER-Programm auf, Zucht von weißen Löwen nicht zu unterstützen

Stand Juni 2017
Aschersleben / Stuttgart, 7. Juni 2017 – Fördermittel für Tierquälerei? Medienberichten zufolge plant der Zoo Aschersleben den Bau einer neuen Löwenanlage für rund 100.000 Euro und hat sich zur Finanzierung dieses Vorhabens im europäischen LEADER-Programm um Fördergelder beworben. Mit diesem Programm möchte die EU die Wirtschaft ländlicher Regionen stärken. In dem neuen Gehege soll künftig der weiße Löwe Sambesi leben, den der Ascherslebener Zoo alleine in einem „Notquartier“ hält, seit er 2015 aus einem Zirkusbetrieb geholt wurde. Eine neue „Partnerin“ für ihn soll hinzukommen. PETA geht davon aus, dass der Zoo mit den Tieren die Zucht von weißen Löwen plant: Es ist bekannt, dass der Tiergarten zahlreiche weiße Großkatzen zur Schau stellt und die Nachzucht von weißen Tigern und Jaguaren betreibt. 2014 wurden drei weiße Tigerbabys im Zoo Aschersleben geboren. Diese Tiere sind das Resultat extremer Inzuchten, die häufig genetische Defekte wie Gaumenspalten, neurologische Störungen, verkrüppelte Füße und Hüftgelenkfehlstellungen zur Folge haben. Daher verurteilen auch die Zoodachverbände in Europa (EAZA) [1] und den USA (AZA) [2] die Nachzucht weißer Großkatzen. Im Falle von Sambesi spricht sich PETA dafür aus, ihn an eine anerkannte Auffangstation abzugeben und von Zuchtmaßnahmen abzusehen. PETA hat die zuständigen Bewilligungsbehörden im LEADER-Programm, die Amtshof Eicklingen Planungsgesellschaft sowie die interministerielle Geschäftsstelle zur Steuerung der EU-Strukturfonds im Ministerium der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt nun in einem Schreiben darum gebeten, keine Fördergelder an den Zoo zu vergeben.

„Der Ascherslebener Zoo ist dafür bekannt, immer neue Inzuchten zu ‚produzieren‘“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Zoo und Zirkus bei PETA. „Ziel ist nicht der Schutz oder das Wohlergehen der Tiere, sondern Profit zu erwirtschaften. Ein seriöses Förderprogramm sollte nicht in die tierschutzwidrige Zucht von weißen Großkatzen investieren.“

Weiße Tiger oder Löwen sind keine eigenen Tierarten. Eine rein weiße Fellfarbe kommt in der Natur sehr selten vor und wird rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass zum Erhalt weißer Nachkommen die Erbinformation für die entsprechende Färbung sowohl vom Vater als auch von der Mutter weitergegeben werden muss. Daher ist die Zucht weißer Großkatzen in Gefangenschaft auf die gezielte Inzucht von nur wenigen wild gefangenen Tieren begründet. In der Folge weisen Nachkommen häufig schwere genetische Defekte auf. Nach Angaben des pfälzischen Zoo Landau in Rheinland-Pfalz müssen 30 bis 60 ingezüchtete weiße Tiger geboren werden, um ein „vorzeigbares“ Individuum zu erhalten. Der große Anteil behinderter oder vermindert lebensfähiger Tiere wird in der Regel eingeschläfert. Das Motiv für die Zucht ist in erster Linie finanzieller Natur, denn weiße Tiger, Löwen oder Jaguare werden als vermeintliche „Attraktionen“ präsentiert oder für bis zu 50.000 Euro an private „Tierliebhaber“ verkauft.

In Gefangenschaft geborene Großkatzen können nicht wieder ausgewildert werden, daher trägt deren Haltung in Zoos nicht zum Artenschutz bei. Während Tiger und Löwen in freier Wildbahn ein Revier von circa 300 Quadratkilometern bewohnen, sind die im Zoo gefangenen Tiere zu einem reizarmen Leben auf wenigen Quadratmetern verdammt. Artwidrige Haltungsbedingungen und schwere Verhaltensstörungen sind dort eher die Regel als die Ausnahme. Die Besucher lernen nichts über die Bedürfnisse und Lebensverhältnisse von Tieren, wenn diese ihr Dasein in beengter Gefangenschaft fristen. PETA fordert, dass die Millionen an Steuergeldern, die derzeit für die Aufrechterhaltung der Zoobetriebe aufgebracht werden, in konkrete Projekte zum Schutz der letzten natürlichen Lebensräume der Tiere fließen.
 
PETA ist der Ansicht, dass Tiere nicht dazu da sind, uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation setzt sich grundsätzlich für ein Haltungsverbot von exotischen Tieren in Gefangenschaft ein. Eine repräsentative Meinungsumfrage ergab im Dezember 2015, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Deutschen das Einsperren von exotischen Tieren für moralisch bedenklich hält. Lediglich 37 Prozent äußerten keine Bedenken [3].
 
[1] http://www.eaza.net/assets/Uploads/Position-statements/PositionStatementRareRecessiveAlleles.pdf.
[2] https://www.aza.org/assets/2332/aza_white_paper_inbreeding_for_rare_alleles_18_jan_2012.pdf.
[3] Meinungsumfrage des Instituts Yougov zu den Themen Zoo und Zirkus vom Dezember 2015. Online unter: https://yougov.de/news/2015/12/16/tiere-fur-viele-ein-grund-nicht-den-zirkus-zu-gehe/
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Zoo-Aschersleben
PETA.de/Zoo

Kontakt:
Jana Fuhrmann, +49 (0)711 860591-529, JanaF@peta.de