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Walfang- kein Ende in Aussicht

Stand Februar 2008

Schon seit mehr als 900 Jahren jagen die Menschen Wale. Wale werden nicht nur wegen ihres Fleisches gejagt, sondern auch wegen ihres Öls, das für Schuhputzmittel, Lippenstifte, Margarine sowie für Getriebeöle und Waffenschmiermittel verwendet wird. (1)

Modernste Technologien ermöglichen es den Walfängern, einen Wal nach dem Fang in nur 30 Minuten zu "verarbeiten". Walfangschiffe wurden mit Harpunen ausgestattet, die Sprengstoff enthalten. Die etwa 65 Kilogramm schwere Harpune wird auf den Wal abgefeuert, und ihr Sprengkopf explodiert innerhalb des Tieres, normalerweise in den Eingeweiden. Ein harpunierter Wal hängt dann an einem schweren Harpunentau und quält sich oft mehrere Stunden, bevor er schließlich stirbt.

Dr. Harry Lillie, ein Chirurg auf einem Schiff, verfolgte das Abschlachten eines Blauwal-Muttertieres, das fünf Stunden dauerte und wofür neun Harpunen eingesetzt werden mussten. Er beschrieb das Gemetzel wie folgt: "Wir müssen uns ein Pferd vorstellen, in das man zwei oder drei explosive Speere reingejagt hat und das noch einen schweren Metzgerlaster hinter sich herschleppt, während sich sein Blut auf die Straße ergießt. Dann dauert es noch eine Stunde oder gar länger, bis das Tier schließlich zusammenbricht."

Die Internationale Walkommission (IWC)

Die Internationale Walkommission (IWC) wurde 1946 ins Leben gerufen, um die Entwicklung der Walindustrie zu regulieren und die Walpopulationen zu erhalten. Die meisten Walfangstaaten traten bei. Allerdings waren sämtliche Mitglieder der IWC Walfänger, und so ging das große Schlachten unkontrolliert weiter, bis sich endlich öffentlicher Protest regte.

1972 führte die IWC ein Quotensystem ein, das besagte, dass nicht mehr als 42.500 Wale jährlich getötet werden dürften. Diese Quoten stellten jedoch nur eine unwesentliche Verringerung der Zahl an getöteten Walen dar. Als der öffentliche Druck weiter stieg und die Quoten weiter reduziert wurden, ignorierten die Walnationen beides und fingen wieder an, so viele Wale wie möglich abzuschlachten. Die Tatsache, dass es der IWC an jeglicher Form von Überprüfung mangelte, machte es natürlich für die Waljägerstaaten leicht, auch noch weitere Reduzierungen vollständig zu ignorieren. Da der Kauf von Walfleisch aus Nicht-Mitgliedstaaten verboten war, stiegen viele Länder einfach aus der IWC aus oder legten Einspruch gegen die Quoten ein und verfuhren ansonsten nach dem Motto "alles wie gehabt".

Um die erheblichen Quotenkürzungen 1976 zu kompensieren, kaufte Japan große Vorräte an Walfleisch von Ländern auf, die dieses nicht selbst konsumierten, jedoch dem Verlangen der Japaner gerne nachkamen. Und so fingen Taiwan, Korea, Island, Spanien, Brasilien, Chile und Peru Wale für die Japaner.

Piratenwalfang
Die Ära des Piratenwalfangs begann, als ein japanisches Schiff zu einer Mischung aus Fang- und Fabrikschiff umgebaut wurde. Auch wenn die Japaner bestritten, mit diesem Schiff irgendetwas zu tun zu haben, so war doch klar, dass sie eine größere Rolle bei dessen Bau und Verwendung spielten. Das Schiff wechselte seine Besitzer, seinen Heimathafen und sogar seinen Namen viele Male; seinen berüchtigten Ruf erlangte es jedoch unter dem Namen "Sierra". Andere Piratenschiffe wurden schnell nach ähnlichem Muster gebaut und in Häfen in Somalia, Spanien, Chile und anderen Ländern registriert, deren Regierungen nichts daran liegt, die Betreiber von illegalen Walschiffen rechtlich zu belangen.

1979 wurde die Sierra von einem Tierschützer-Schiff gerammt, der Sea Shepherd, die ein 2 x 3 Meter großes Loch in der Schiffsseite hinterließ. Die Crew brachte es daher eiligst zurück zum Hafen und fing mit den Reparaturarbeiten an. Doch gerade als die Sierra soweit war, wieder Segel setzen zu können, wurde des Nachts eine Bombe an seinem Rumpf angebracht und versenkte es noch im Hafen.

Andere Piratenschiffe wurden in Spanien, Südafrika und Taiwan entweder versenkt oder beschlagnahmt. Die übrigen verschuldeten sich wegen den steigenden Versicherungssummen und waren gezwungen, den Walfang aufzugeben; trotzdem starb erst im Mai 1988 ein harpunierter Grauwal in den Gewässern von San Francisco. Ein Tierarzt vermutete, dass ein Piratenwalfangschiff das Muttertier tödlich verletzt hatte, dieses jedoch entkommen konnte, als man es aufs Schiff zog.

Das Moratorium und „die wissenschaftliche Forschung“
1982 stimmte die IWC endlich mit 25 zu 7 Stimmen dafür, den kommerziellen Walfang zum Ende des Jahres 1985 unbegrenzt einzustellen.

Japan
Als Antwort darauf erklärte Japan, dass es sich nicht an dieses Moratorium halten werde und auch andere Mitgliedsstaaten zogen nach.
1986 kündigte Japan dann an, man werde zwar keine Wale mehr für kommerzielle Zwecke töten, wohl jedoch aus "wissenschaftlichen Gründen". Und dies, obwohl Japan zwar im Walfang eine führende Position einnahm, jedoch nur 1.300 Arbeitsplätze von Japanern unmittelbar von der Walfangindustrie abhingen. (2)

Am 18. November 2007 hat wieder die Walfangsaison in Japan begonnen, die bis Sommer 2008 andauern wird. 1400 Wale sollen getötet werden, angeblich für wissenschaftliche Zwecke. Darunter sind erstmals auch 50 Buckelwale.
Seit 1986 töteten japanische Walfänger über 10.500 Wale unter dem Deckmantel der Wissenschaft.

Island und Korea schoben auch wissenschaftliche Zwecke vor, um weiterhin Wale fangen zu können. Auch wenn es ganz offensichtlich war, dass es sich hier in Wirklichkeit um kommerziellen Walfang handelte, so ließen doch die ursprünglichen IWC - Bestimmungen eine solche Vorgehensweise zu. Mit großer Verspätung setzten schließlich die Vereinigten Staaten die Pelly-Änderung durch, die Fischimporte aus solchen Ländern verbietet, die die Wirksamkeit des Moratoriums untergraben und Umweltschützer initiierten einen Boykott von isländischen Fischprodukten. Island verkaufte nämlich Walfischfleisch an Japan, das aus "wissenschaftlichem" Fang stammte, jedoch wurde der Boykott 1989 abgeblasen, nachdem Island den Walfang eingestellt hatte. (3)

Am 17. Oktober 2006 erteilte der isländische Minister für Fischerei, Einer K. Gudfinnsson, unter Missachtung des weltweiten Walmoratoriums von 1986, Genehmigungen an Walfänger, bis 31. August 2007 neun gefährdete Finnwale und 30 Zwergwale töten zu lassen.
Island gibt vor, den Walfang aus Gründen der “nachhaltigen Entwicklung“ wieder aufzunehmen, doch plant das Land vermutlich den Export von Walfleisch in Pro-Walfang Nationen wie Norwegen und Japan.

Obwohl Japan Walfischfleisch auch von anderen Ländern bezog, fiel der Pro-Kopf-Verbrauch an Walfischfleisch in Japan von 1,5 Kilogramm im Jahr 1960 auf 100 Gramm im Jahr 1986. (4)

Als Norwegen 1988 seinen kommerziellen Walfang stoppte, war es das letzte Land, das dem IWC-Moratorium Folge leistete. (5,6) Jedoch töten die Norweger noch immer Wale für die "wissenschaftliche Forschung“.

Ein Großteil der Welt ist gegen die grausamen und unnötigen Tötungsaktionen. Botschafter aus 26 Ländern und die EU Kommission unterzeichneten ein diplomatisches Statement (eine so genannte Demarche), in der sie die Tötungen verurteilen. Die Demarche wurde dem Auswärtigen Amt und dem Fischereiministerium Islands zugestellt, doch plant Island nicht, den Walfang einzustellen.

Die Zukunft der Wale
Obwohl sich die Zahl der getöteten Wale erheblich verringert hat - von 36.000 in der Mitte der 70er Jahre - sind Wale immer noch sehr gefährdet. Die Walpopulationen liegen nur bei einem Zehntel dessen, wo sie um die Jahrhundertwende lagen; ein Anwachsen der Populationen wird nur sehr langsam erfolgen. Einige Spezies wurden so gravierend reduziert, dass ihr Aussterben unvermeidlich erscheint. Es wird einmal mehr als zwei Millionen Blauwale gegeben haben, das größte Tier, das je die Erde bevölkert hat. Jetzt gibt es kaum mehr 500 von ihnen. Ein Blauwal kann ein Leben lang die Meere durchstreifen, ohne jemals auf einen seiner Artgenossen zu stoßen.

Wale besitzen viele Fähigkeiten, die zu erklären die Menschen bisher nicht imstande waren. Und so werden wir wahrscheinlich auch den letzten der großen Wale verlieren, ohne diese Tierart gut gekannt zu haben.

Was Sie tun können
Schreiben Sie an die japanische, isländische und norwegische Botschaft ihres Landes und fordern Sie die Botschafter auf, sich für das Ende des Walfangs auszusprechen.


Quellen:

(1) Fund for Animals leaflet, 1982.
(2) "Japan, West Divided on Whaling," The Plain Dealer, July 29, 1982.
(3) "Iceland Stops Killing Whales- Greenpeace Ends Its Boycott," San Francisco Chronicle, Aug. 2, 1989.
(4) "Whales: Research Hunt' Reignites Dispute," Los Angeles Times, Feb. 22, 1988.
(5) "Norway to Hund Whales," The Washington Post, March 23, 1988.
(6) "Soviets to End Whaling," The Washington Post, April 15, 1988.