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Kosmetik- und Produkttests: Töten für den Profit

 
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Stand Januar 2017
Jahr für Jahr leiden weltweit Hunderttausende Tiere in schmerzhaften Experimenten, in denen die „Sicherheit“ von Chemikalien, Haushalts-, Landwirtschafts-, Medizin- und Industrieprodukten bewiesen werden soll. Die meisten Tests sind völlig veraltet, teilweise wurden sie bereits in den 1920er Jahren entwickelt. Obwohl die Ergebnisse dieser Tests keine zuverlässige Aussage über die Wirkung potenziell toxischer Chemikalien oder medizinischer Wirkstoffe auf den menschlichen Stoffwechsel zulassen, werden Kaninchen, Mäuse, Meerschweinchen und andere Tierarten mit giftigen Substanzen zwangsgefüttert oder sie werden ihnen auf die rasierte Haut gerieben. Die Tiere krampfen und erbrechen; oft entstehen schmerzende Wunden.

2015 wurden allein in Deutschland 630.255 Tiere für sogenannte regulatorische Zwecke und Routineproduktionen in Versuchen missbraucht. Das bedeutet, die Tiere – darunter Mäuse, Ratten, Kaninchen, Hunde, Katzen, Affen und andere Tierarten – werden für Chemikalientests oder die Zulassung von Arzneien „verwendet“ und in der Regel getötet. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die Art dieser Versuche.

1. Augen- und Hautirritationstests
Der sogenannte Draize-Test zur Ermittlung der Haut-/Augenreizung stammt aus den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (1). Kaninchen wird eine Testsubstanz in die Augen geträufelt oder auf die rasierte Haut aufgetragen, während sie in einer Vorrichtung fixiert sind. In den folgenden Tagen beobachten Laborassistenten den Schaden, den die Chemikalien anrichten. Haut- oder Augenreizungen manifestieren sich als Entzündungsreaktionen, geschwollene Augenlider, gerötete Bindehäute und tränende Augen. Irreversible Verätzungen führen zur Bildung von Geschwüren, zu Blutungen und zum Erblinden der Tiere.

Die Einschätzung der erfolgten Schädigung von Augen und Haut beim Draize-Test ist ausgesprochen subjektiv – hierin liegt eine der größten wissenschaftlichen Schwächen dieser antiquierten Testmethode. Verschiedene Labore (und sogar verschiedene Wiederholungen der Tests in demselben Labor) kamen bei derselben Substanz immer wieder zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Hinzu kommen anatomische und physiologische Unterschiede in der Struktur von Kaninchenaugen verglichen mit den Augen des Menschen: Kaninchenaugen neigen zu stärkeren und anderen Reaktionen auf Chemikalien als Menschenaugen. Eine Studie dazu besagt, dass der Draize-Test „die Auswirkungen, die beim menschlichen Auge zu sehen waren, grob überschätzte“. Eine andere Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass der Test „[…] die Wahrscheinlichkeit einer Augenreizung beim Menschen nicht widerspiegelt“. (2)
Im Gegensatz dazu konnte ein klinischer Hauttest bei freiwilligen menschlichen Probanden Daten zur Hautreizung produzieren, die „[…] denen eines Ersatzmodells, wie dem Kaninchen, in sich überlegen sind“. (3)


Akuttoxizitätstests
Um die mögliche toxische Wirkung eines einzigen, kurzzeitigen Kontaktes mit einem Produkt oder einer Chemikalie bestimmen zu können, wird diese Substanz Tieren (meistens Nagern) in verschiedenen, extrem hohen Dosierungen verabreicht – entweder, indem die Substanz auf die Haut der Tiere aufgetragen wird, oder indem die Tiere mit der Substanz zwangsgefüttert oder zur Inhalation gezwungen werden. Die Tiere in den Testgruppen mit den höchsten Dosierungen leiden unter anderem unter massiven Bauchschmerzen, Durchfall, Krämpfen, Anfällen, Lähmungen und Blutungen aus Nase, Mund und Genitalien, bevor sie schließlich sterben (4).
Bereits während des Ersten Weltkrieges wurde für akute Toxizitätstests der berüchtigte LD50-Test eingeführt, der bis heute die häufigste Form der Vergiftung von Tieren bleibt. Bei diesem Test werden Gruppen von Tieren mit einer Testchemikalie in steigenden Dosierungen zwangsgefüttert, bis 50 Prozent der Tiere daran gestorben sind, woraus sich die „letale Dosis“ bei 50 Prozent der Tiere ergibt (LD50). Obwohl diese unglaublich grausame Methode (mit einigen Abwandlungen) seit Jahrzehnten im Einsatz ist, wurde nie offiziell wissenschaftlich belegt, dass die Testergebnisse tatsächlich eine Vorhersage der Wirkung von Chemikalien beim Menschen zulassen. Eine internationale Studie kam allerdings zu dem Schluss, dass Ergebnisse von an Ratten und Mäusen durchgeführten LD50-Tests von 50 verschiedenen Substanzen die Toxizität der Substanzen beim Menschen lediglich mit 65-prozentiger Genauigkeit vorhersahen. Im Gegensatz dazu erreichte eine Testserie an menschlichen Zelllinien eine 75-prozentige Vorhersagegenauigkeit der Toxizität beim Menschen (5).

Krebstests
Obwohl bereits verschiedene hochsensitive tierfreie Tests zum Aufspüren chemikalieninduzierter Genmutationen existieren und seit Jahrzehnten weit verbreitet sind, gibt es nach wie vor Vorschriften, die von Unternehmen verlangen, Tiere zu vergiften, um zu untersuchen, ob sie Krebs entwickeln. Einer der durchgeführten Standardtests heißt „rodent cancer bioassay“, in dem Mäuse und Ratten ihr Leben lang Chemikalien ausgesetzt werden. Ein einziger Testdurchlauf kostet etwa drei Millionen US-Dollar (6). Wissenschaftler räumen längst ein, dass das Testverfahren eine mit 70 Prozent ausgesprochen hohe Rate falsch positiver Ergebnisse mit sich bringt (7). Ein Wissenschaftler von Pfizer schrieb: „Wir sollten der Tatsache in die Augen sehen, dass der gigantische rodent bioassay hunderte von Chemikalien als Karzinogene einstuft, obwohl sie ganz und gar keinen Anteil an menschlichen Krebserkrankungen haben.“ (8)

Das europäische REACH-Programm
Das REACH-Programm (Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) fordert, dass für chemische Substanzen, die vor 1981 entwickelt wurden, erneut Tests durchgeführt werden – einschließlich derer, die bereits seit vielen Jahren verwendet werden. Auch wenn die Anzahl der verwendeten Tiere laut der Behörden auf ein Minimum reduziert werden soll, ist zu befürchten, dass viele Millionen Tiere in grausamen Tests sterben werden. Weitere Informationen zu Tierversuchen im Rahmen des REACH-Programms finden Sie hier: PETA.de/REACH

Der Schritt in die Zukunft
Mittlerweile haben viele Unternehmen Tierversuchen den Rücken gekehrt und vertrauen auf die verfügbaren hochmodernen tierfreien Testmethoden, angefangen bei Zell- und Gewebekulturen bis hin zu Mikrochips. So sind beispielsweise EPISKIN™ und EpiDerm™, zwei mehrschichtige Hautmodelle aus menschlichen Zellkulturen, inzwischen wissenschaftlich validiert und werden weltweit als vollständiger Ersatz für Hautreizungsstudien bei Kaninchen eingesetzt. Auch der „3T3 Neutralrot Phototoxizitätstest“ ist als Alternative zur Verwendung von Mäusen und Meerschweinchen weit verbreitet, um die Hautreizung durch Sonnenlicht zu testen. Unser Faktenblatt zu tierfreien Test- und Forschungsmethoden zeigt weitere Beispiele auf.

Dort, wo tierfreie Methoden noch nicht verfügbar oder validiert sind, setzt sich PETA Deutschland mit den internationalen Schwesterorganisationen und dem PETA International Science Consortium (PISC) dafür ein, dass Firmen und Regierungen ausreichend Mittel zur Verfügung stellen, um entsprechende Tests zu erforschen und zu entwickeln. In enger Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem European Centre for the Validation of Alternative Methods und dem Institute for In Vitro Sciences engagieren wir uns dafür, neue tierfreie Testmethoden zugänglich zu machen.

Was Sie tun können
Mitfühlende Konsumenten spielen eine ausschlaggebende Rolle bei der Abschaffung grausamer Tierversuche. Es hat großen Einfluss auf die Unternehmen, wenn Konsumenten Informationen über ihre Produkte einfordern. Schreiben Sie alle Firmen an, die noch immer an Tieren testen, und erklären Sie ihnen, warum Sie ihre Produkte nicht kaufen. Wenn dies genug Menschen tun, werden die Unternehmen ihre Methoden ändern. Schreiben Sie jedoch auch Firmen, die nicht an Tieren testen, und gratulieren Sie ihnen zu diesem ethischen Standpunkt. Auf PETAs Seite Kosmetik-ohne-Tierversuche.de finden Sie eine lange Liste von Kosmetikherstellern, die PETA schriftlich versichert haben, weltweit auf Tierversuche zu verzichten.


Quellenangaben
(1) M.K. Robinson et al. (2002): Non-Animal Testing Strategies for Assessment of the Skin Corrosion and Skin Irritation Potential of Ingredients and Finished Products. Food and Chemical Toxicology, 40: 573-592.
(2) R. Roggeband et al. (2000): Eye Irritation Responses in Rabbit and Man After Single Applications of Equal Volumes of Undiluted Model Liquid Detergent Products. Food and Chemical Toxicology, 38: 727-734.
(3) Validity and Ethics of the Human 4-h Patch Test as an Alternative Method to Assess Acute Skin Irritation Potential. Contact Dermatitis, 45 (2001): 1-12.
(4) Organisation for Economic Co-Operation and Development (2000): Guidance Document on the Recognition, Assessment, and Use of Clinical Signs as Humane Endpoints for Experimental Animals Used in Safety Evaluation. OECD Environmental Health and Safety Publications. Series on Testing and Assessment.
(5) B. Ekwall (1999): Overview of the Final MEIC Results: II. The In Vitro-In Vivo Evaluation, Including the Selection of a Practical Battery of Cell Tests for Prediction of Acute Lethal Blood Concentrations in Humans. Toxicology in Vitro, 13: 665-673.
(6) Karen Young Kreeger (1996): Of Mice and Humans. The Scientist, 27 May 1996.
(7) Carl L. Alden (2000): Safety Assessment for Non-Geotoxic Rodent Carcinogens: Curves, Low Dose Extrapolations, and Mechanisms in Carcinogenesis: Commentary. Chemical Carcinogenese: Epigenetic Mechanisms and Dose Response, 9.
(8) A. M. Monro (1996): The Rodent Bioassay Is Being Wrongly Used to Identify ‘Carcinogens’. BELLE Newsletter, 5.