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Kuhschmuggel nach Bangladesch

Todesreise zum Schlachter

Stand August 2013
Den Hindus in Indien sind Kühe heilig. In den meisten indischen Bundesstaaten steht das Schlachten von Kühen unter Strafe. Das Fleisch von Kühen ist für die große Mehrheit der indischen Bevölkerung uninteressant. Und dennoch werden in Indien Tausende illegale Schlachthöfe betrieben, in denen Christen und Muslime arbeiten. Für die wirtschaftlich bedeutende Lederindustrie Indiens sind die Häute alter Kühe aus der Milchindustrie ein lukratives Geschäft. Doch noch profitabler für arme indische Bauern ist der Verkauf ihrer Kühe ins muslimische Nachbarland Bangladesch. Mit über 300 Dollar je Kuh bringt ihnen der illegale Verkauf der Tiere zur Schlachtung in Bangladesch das Doppelte dessen ein, was sie auf dem heimischen Schwarzmarkt erhalten. In einem Land, in dem zwei Drittel der Bevölkerung von weniger als 2 Dollar pro Tag leben, ist das ein Vermögen. Schätzungsweise zwei Millionen indische Kühe sollen jährlich nach Bangladesch geschmuggelt werden.

 

Indische Kühe werden gefesselt übereinander auf winzige Ladeflächen verfrachet © PETA / Karremann
Ein langer, qualvoller Transport
Für den Transport werden indische Rinder mit Seilen zusammengeschnürt und auf Transportern mit kleinen Ladeflächen rücksichtslos übereinander geworfen. Beim Be- und Entladen verletzen sich die Tiere gegenseitig ungewollt mit den Hörnern oder treten auf liegende Artgenossen. Auf einen Minilaster, der gesetzlich nur für den Transport von maximal drei Tieren zugelassen ist, werden in der Regel neun gefesselte Kühe gepackt. Den qualvollen, oftmals Tausende Kilometer weiten Transport in den nordindischen Bundesstaat Westbengalen müssen die Tiere zu Fuß oder auf LKWs zurücklegen – teilweise ohne Zugang zu Wasser und Nahrung. Angesichts der enormen Distanzen ziehen sich Transporte von Rindern von Indien nach Bangladesch häufig über eine ganze Woche hin. Zum Vergleich: In Deutschland dürfen Rinder mehrmals hintereinander über 29 Stunden am Stück auf LKWs transportiert werden. Der Lebendtransport bedeutet jedoch immer einen enormen Stress für die betroffenen Tieren und erhöht ihr Infektionsrisiko massiv.

 

Die Tiere können sich während der langen Fahrt nicht hinlegen und ihnen fehlt häufig Zugang zu Futter und Wasser © PETA / Karremann
An der indisch-bengalischen Grenze angelangt bestechen die Schmuggler die Grenzpolizei mit Schmiergeldern oder schleichen sich bei Nacht über die schwer bewachte Grenze. Kinder helfen den Schmugglern, indem sie mit den Kühen gemeinsam durch den Grenzfluss Ganges ans andere Ufer schwimmen. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit korrupten Grenzpolizisten, die störende Bauern foltern oder Schmuggler erschießen.

 

Abgemagerte indische Kühe auf dem Rindermarkt in Dhaka. Einige haben eitrige Fleischwunden vom Transport davongetragen. © PETA / Karremann
Verletzte und gequälte Tiere
In Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, dokumentierten PETA-Ermittler und der Dokumentarfilmer Manfred Karremann, wie die sichtlich erschöpften Kühe auf überfüllten LKWs auf dem Rindermarkt angeliefert werden. Mit Gerten werden sie von der Ladefläche in die Unterstände getrieben. Einige Kühe haben offene, eitrige Wunden, andere sind bis auf das Gerippe abgemagert. Manche Tiere haben krumme Schwänze, denn viele Schmuggler brechen den Tieren unterwegs den Schwanz, damit sie den Gewaltmarsch fortsetzen. Gehorchen die Tiere nicht, eilen ihre Besitzer mit Gerten herbei und prügeln wahllos auf sie ein.

 

Diese Kuh ist zu schwach um zu stehen. © PETA / Karremann
Der illegale Transport von Rindern von Indien nach Bangladesch wird zum einen von der Nachfrage nach Fleisch in Bangladesch getrieben. Darüber hinaus sind die Häute von indischen Kühen für bengalische Gerbereien von höherer Qualität und bringen ihnen auf dem Weltmarkt größere Profite als einheimische Kuhhäute. PETA Indien führte am Obersten Gerichtshof in Indien ein Gerichtsverfahren gegen die einzelnen indischen Bundesstaaten, um die Einhaltung der bestehenden Tierschutzgesetze durchzusetzen. Doch solange sich die indische Regierung und die Bundesstaaten nicht für die Rechtsdurchsetzung einsetzen, werden weiterhin jedes Jahr Abermillionen Kühe auf dem Horrortrip von Indien nach Bangladesch Qualen leiden müssen.

 

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