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Berlin ist Tierversuchshauptstadt

Obwohl am MDC-Labor in Berlin gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird, soll das Tierversuchslabor ausgebaut werden. Schon jetzt sterben dort abertausende Mäuse jährlich einen grausamen Tod.

Stand Oktober 2013

Der geplante Neubau am MDC
Am Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin in Berlin-Buch (kurz MDC) soll für 24 Millionen Euro ein neues Tierversuchslabor gebaut werden. Die „Kapazitäten“ des MDC für Tierversuche sollen dadurch um 17 Prozent steigen. Finanziert wird das Ganze vor allem aus Steuergeldern. Noch ist der Neubau aber nicht genehmigt. PETA fordert, dass das neue Tierlabor am MDC nicht gebaut werden darf, und zwar aus folgenden Gründen:
Tierschutzvorschriften werden nicht eingehalten: Tiere am MDC leiden unter entsetzlichen Haltungsbedingungen, unter der Unfähigkeit und Gleichgültigkeit der Mitarbeiter und den grausamen Versuchen. Ein solches Institut darf nicht noch mit einem neuen Labor und Platz für noch mehr Tierqualen „belohnt“ werden.
  • Tierversuche sind ein wissenschaftlicher Irrweg: Studien haben gezeigt, dass die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind. Schwer kranken Menschen wäre eher geholfen, wenn die zur Verfügung stehenden Forschungsgelder in zukunftsweisende und aussagekräftige tierfreie Forschungsansätze investiert würden, anstatt in antiquierte Tierversuche.
  • Ein Schritt in die falsche Richtung: Sowohl die EU-Versuchstierrichtlinie als auch der Berliner Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU geben die Reduktion von Tierversuchen als Langzeit-Ziel vor. Der Neubau eines großen Tierversuchslabors wäre also ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Trotzdem mauern Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und sehen untätig dabei zu, wie die Tierversuchszahlen in Berlin immer weiter steigen.
  • Geldverschwendung: Tierfreie Test- und Forschungsmethoden werden nach wie vor viel zu wenig gefördert. Jährlich fließen Unsummen öffentlicher Gelder in grausame und veraltete Tierversuche, während die Entwicklung weiterer tierfreier Methoden vom Staat nur mit etwa 4 Millionen Euro pro Jahr unterstützt wird.
  • Anschluss nicht verpassen: Berlin ist als Forschungsstandort international nicht ernst zu nehmen, wenn dort immer noch mit Methoden vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte geforscht wird. Um mit der Weltspitze mithalten zu können, brauchen wir einen Umbruch, der eine neue Ära in der Forschung einläutet.
  • Klicken Sie hier, um unsere Online-Petition zu unterstützen.
    Mäuse wie diese sterben am MDC in grausamen Versuchen. © PETA
    Hintergrundinformationen zum MDC
    Das MDC ist ein riesiges Tierversuchslabor in Berlin. In erster Linie wird dort sogenannte Grundlagenforschung betrieben, die vor allem die Neugier der Forscher befriedigen und ihnen prestigeträchtige Veröffentlichungen in Fachmagazinen bescheren soll. Konkrete Ergebnisse für die Medizin sind die absolute Ausnahme, denn die physiologischen Unterschiede zwischen Mäusen und Menschen sind viel zu groß. Trotzdem werden schon jetzt jedes Jahr abertausende genmanipulierte Mäuse und andere Tiere wie Kaninchen und Ratten grausamen Experimenten am MDC ausgesetzt, an deren Ende sie immer der sichere Tod erwartet.

    Zwei Beispiele für Tierversuche am MDC:

    Stammzellforschung: Genmanipulierte Mäuse, deren Immunsystem schwer geschädigt war, wurden nahezu tödlicher Strahlung ausgesetzt, wodurch ihr Immunsystem noch weiter geschwächt wurde. Dann wurden ihnen – meist ohne Betäubung – menschliche Zellen in die Leber gespritzt. Erst nach Wochen der Qual wurden die Tiere getötet.
  • Schmerzexperimente: Mäusen wurden brennende Chemikalien oder Säuren in ihre Pfoten gespritzt, darunter Salzsäure, Capsaicin und Formalin. Einige Mäuse wurden auf fast 60° C heiße Platten gesetzt. Am Schluss wartete auf alle Tiere der Tod durch Enthaupten oder Vergasen. Forscher wie Gary Lewin, der extrem grausame Versuche zum Schmerzempfinden verschiedener Tiere durchführt, werden sogar mit hohen Summen von EU-Geldern gefördert!
  • Tierquälerei am MDC
    Tierversuche finden fast immer im Verborgenen statt. Zwar werden sie oft vom Steuerzahler mitfinanziert, öffentliche Informationen dazu existieren aber praktisch nicht. So ist es auch am MDC. Um also zu erfahren, wie die Tiere in diesem Labor behandelt werden und ob beispielsweise bei Kontrollen durch die zuständigen Veterinäre des LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) Verstöße gegen das Tierschutzgesetz auffielen, musste PETA einen wahren Papierkrieg mit den Behörden ausfechten und sich auf das Informationsfreiheitsgesetz beziehen. Erst dann bekamen wir Akteneinsicht und stellten schockiert fest, dass am MDC bereits seit Jahren systematisch gegen das deutsche Tierschutzgesetz und die EU-Tierversuchsrichtlinie verstoßen wird!

    1. Bei Kontrollbesuchen der Amtsveterinäre 2008 und 2009 fielen immer wieder die zu kleinen Käfige auf, in denen die Tiere dicht an dicht ihr trauriges Dasein fristen müssen, oft ohne Beschäftigungs- oder Nistmaterial wie Heu oder Papprollen. Obwohl die gesetzlichen Vorgaben für die Haltung von Tieren in Versuchslaboren schon unerträglich niedrige Maßstäbe anlegen, wurden diese am MDC noch unterschritten.

    Auszüge der Kontrollberichte: Tierschutzverstöße am MDC © PETA
    Ein Beispiel: Laut EU dürfen in standardisierten Käfigen, deren Grundfläche nur etwa halb so groß ist wie ein Din-A4-Blatt (bei einer Höhe von 12 cm), drei ausgewachsene Mäuse gehalten werden. Die Tiere verbringen in diesen winzigen Boxen ihr ganzes trauriges Leben. Dennoch wurden solche Bestimmungen zur Käfiggröße vom MDC sogar noch unterschritten!

    2. In den Akten des LaGeSo finden sich auch Berichte über schwer verletzte Tiere, die ohne Hilfe ihrem Schicksal überlassen wurden, über verhungerte Tiere, die vom Wochenenddienst schlicht vergessen wurden, und über Tiere, deren Haltung gar nicht genehmigt war.
    Hier gibt es die Akteneinsichten mit den traurigen Details aus 2008 und 2009 als pdf zum Download: Akteneinsicht.

    Weitere Recherchen von Politikern/-innen des Berliner Senats ergaben, dass auch in den Jahren nach 2009 bei Kontrollen des LaGeSo am MDC immer wieder Verstöße gegen die Bestimmungen auffielen. So gab es allein schon bei 50 Prozent der Kontrollbesuche nach 2009 Verstöße gegen § 2 des deutschen Tierschutzgesetzes, der Grundlegendes zur Haltung und Pflege von Tieren regelt. Verantwortliche des MDC hingegen beschönigten dies in der Presse und sprachen von Einzelfällen, nach 2009 habe es keine Beanstandungen mehr gegeben.

    Diese Behauptungen konnten mittlerweile als Lügen entlarvt werden. Allein 2010 wurden 31 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz am MDC eingeleitet. Das sind mehr als in jedem anderen Berliner Tierversuchslabor.

    Weitere Recherchen zu den genauen Verstößen, die zu den Ordnungswidrigkeitsverfahren geführt haben, laufen derzeit.


    MDC – Die politische Situation
    Betrachtet man die Finanzierung des MDC, so lässt sich ein Großteil der Gelder zum Bund zurückverfolgen. Somit fällt das Forschungszentrum in das Ressort von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. PETA schrieb die Ministerin im Juni 2013 an und appellierte im Licht der jüngst dramatisch gestiegenen Tierversuchszahlen in Berlin, einen weiteren Ausbau der Laborkapazitäten des MDC dringend zu stoppen. Schließlich enthalten sowohl die EU-Versuchstierrichtlinie als auch der Berliner Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU die Zielvorgabe, Tierversuche deutlich zu reduzieren. Im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gibt man sich aber ignorant und sieht über solche Vorgaben hinweg. Das Antwortschreiben aus dem Hause Wanka an PETA enthält lediglich den lapidaren Hinweis, es würden durchaus Anstrengungen unternommen, um Tierversuche zu reduzieren. Auf den geplanten Neubau am MDC wird gar nicht erst eingegangen. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ignoriert die empörten Proteste von Tierschützern seit über einem Jahr und will sie offenbar aussitzen. Tatsächlich scheint der politische Wille zu fehlen, das MDC anzutasten. Alle genannten ethischen, rechtlichen und wissenschaftlichen Gründe, die dafür sprechen, einen Neubau nicht zu genehmigen, wurden bislang von den Verantwortlichen ignoriert.

    MDC – die rechtliche Situation
    PETA stellt am bisherigen Verhalten der beteiligten Behörden fest, dass völlig vergessen wird, dass der Tierschutz als Staatsschutzziel in die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen wurde und bei Genehmigungsvorhaben – verpflichtend – eine Abwägung zwischen Abs. 20a (Tierschutz) und Abs. 5 GG (Forschungsfreiheit) erfolgen muss. In diesem Fall muss nach Ansicht von PETA Deutschland e.V. die Abwägung klar zugunsten des Tierschutzes erfolgen, gerade auch im Hinblick auf die anstehenden gesetzlichen Änderungen zum Schutz von „Versuchstieren“, die einen solchen Ausbau von Tierversuchskapazitäten nicht mehr als zeitgemäß erscheinen lassen!

    Was Sie tun können

    Sie können uns helfen, den Neubau am MDC zu verhindern!

    Unterschreiben Sie unsere Petition unter PETA.de/MDC und teilen Sie sie mit möglichst vielen Freunden und Bekannten über Ihre Sozialen Netzwerke oder per E-Mail. Verleihen Sie Ihrem Anliegen durch ein persönliches Anschreiben, einen Anruf oder ein Fax an Klaus Wowereit oder Johanna Wanka besonderen Nachdruck. Nur wenn viele Menschen sich daran beteiligen, können wir den Neubau stoppen!
  • Laden Sie unsere Flyer und Poster herunter. So können Sie das Material einfach selber ausdrucken oder einen Stapel im Copyshop drucken lassen. Machen Sie Ihr Umfeld mobil, legen Sie Flyer aus und hängen Sie Poster auf, überall wo Sie sind.
  • Organisieren Sie eine Demo! Wir helfen Ihnen gerne mit Material und Infos.
  • Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.
  • Sollten Sie über Insider-Informationen über das MDC (oder andere Tierversuchslabore) verfügen: Bitte kontaktieren Sie uns! Nur so können wir den Tieren helfen. Über PETA.de/Whistleblower können Sie sich auch als anonymer Informant bei uns melden. Aber auch wenn Sie uns Ihren Namen verraten: Wir schützen unsere Quellen und werden Ihre Informationen immer vertraulich behandeln.