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„No Kill-Tierheime“ in den USA

Über die Arbeit sogenannter „No Kill-Tierheime“ und warum sie Tieren oft nicht helfen

Stand März 2014
Wir haben bereits mehrfach über die verheerende Überpopulation von Hunden und Katzen in den USA berichtet (wie es sie natürlich auch in vielen anderen Ländern gibt). Unsere Kollegin Daphna von PETA USA hat dazu einen Text veröffentlicht, der erklärt, warum Tierheime, die Tiere erklärtermaßen nicht einschläfern, keine Lösung sind.

Um den Beitrag richtig einordnen zu können, lesen Sie zuvor bitte weitere Informationen zur Situation in den USA
unter:
http://www.peta.de/petatoetettiere

 
Diese Katze fristete 2012 ein trauriges Leben in einem "No Kill-Tierheim"
Wie bekommen die USA die Überpopulation von Hunden und Katzen in den Griff?
 
Verfasst von Daphna Nachminovitch, PETA USA, 2. März 2014
 
Was Sie gleich lesen werden ist schrecklich – aber leider nicht ungewöhnlich. Eine Familie rief bei PETA USA an und bat uns um Hilfe für ihre im Sterben liegende Katze. Die Katze war alt, klapperdürr und unterkühlt. Sie maunzte kläglich und war bereits zu schwach, um den Kopf heben zu können. Trotz der offensichtlich hoffnungslosen Lage, in der sich die Katze befand, weigerte sich ein „No Kill-Tierheim“, das Tier einzuschläfern, weil die Familie die Gebühr für das Einschläfern in Höhe von 40 US-Dollar nicht zahlen konnte. PETA USA tat das einzig Richtige, um dieser Katze zu helfen: Wir bereiteten dem Leid der Katze auf würde- und respektvolle Weise ein Ende.
 
Vielen Menschen ist nicht klar, dass die Statistiken zu eingeschläferten Tieren in sogenannten „No Kill-Tierheimen“ nur deshalb so niedrig sind und positiv wirken, weil solche Einrichtungen Tiere wie diese sterbende Katze abweisen. „No Kill-Tierheime“ nehmen nur offensichtlich gut vermittelbare Tiere auf. Oft verlangen sie keine Bestätigungen von Vermietern und ergreifen keine Maßnahmen, um ungeeignete Halter auszumustern – denn das würde ihrer Vermittlungsstatistik schaden. Hinzu kommt, dass viele solche Einrichtungen Tiere kostenlos abgeben oder Aktionen veranstalten, bei denen Interessenten ein Tier gegen eine Vermittlungsgebühr aufnehmen und ein zweites kostenlos dazu bekommen. Solche fragwürdigen Vorgehensweisen führen zu spontanen Adoptionen von Tieren, die jedoch oft schon kurze Zeit später wieder ins Tierheim zurückgebracht werden. Die betroffenen Tiere sind dann noch verstörter und unsicherer als vorher.
 
Und das ist noch nicht alles: Weil sich immer mehr Tierheime um jeden Preis „No Kill“ auf die Fahne schreiben wollen, steigen die Fälle von Animal Hoarding stetig an. Von den in den USA jährlich ca. 6.000 gemeldeten Fällen von Animal Hoarding machen „Tierschutzgruppen“ mittlerweile ein Viertel aus! So beschlagnahmten Behörden im letzten Jahr z. B. mehrere Duzend Hunde aus einer „Tierrettung“ in Virginia und sprachen ein Halteverbot von Heimtieren für den Betreiber aus. Einige Hunde waren in solch schlechter Verfassung, dass sie sofort eingeschläfert werden mussten.
 
Wir müssen uns den Tatsachen stellen: Auch wenn der Begriff „No Kill“ (keine Tötung) Tierfreunden zunächst etwas Positives suggeriert, bedeutet „No Kill“ in Wahrheit  oft „Slow Kill“, also einen langsamen Tod. In sogenannten „Rettungsstationen“ leben Hunde und Katzen eingesperrt in aufeinandergestapelten Käfigen und Boxen; von „No Kill-Tierheimen“ werden sie oft abgewiesen und schließlich ausgesetzt – was wiederrum dazu führt, dass sie sich vermehren und neue Tiere in die Welt setzen, die niemand haben möchte.
 
PETA USA setzt sich unermüdlich dafür ein, diesen Tieren zu helfen. Eine kleine Abteilung der Tierrechtsorganisation arbeitet in den ärmeren Gegenden der US-Bundesstaaten Virginia und North Carolina, in denen sich weder Tierheime, polizeiliche Anlaufstellen für Tierschutzdelikte oder Tierärzte finden. In einigen Bezirken gibt es nichts und niemanden, den man im Falle einer hilfsbedürftigen Katze ansprechen könnte. Manche Tierheime schläfern Tiere nicht einmal auf Wunsch ihrer Halter ein, weil sie für ein solches Vorgehen von der Öffentlichkeit verurteilt würden.
 
Diese Tierheime verweisen Menschen mit alten, verletzten oder anderweitig nicht vermittelbaren Tieren gerne an offene Tierheime wie das von PETA USA – Tierheime, die jedes Tier aufnehmen, das zu ihnen gebracht wird – egal, ob es alt, krank, verletzt oder aggressiv ist; Tierheime, die diesen Tieren einen schmerzfreien Tod gewähren, wenn das Leben ihnen nichts mehr zu bieten hat. Angesichts der aktuellen Situation in manchen US-Gemeinden ist die Hilfe, die solche offenen Tierheime bieten, dringend erforderlich.
 
Im vergangenen Jahr verwies PETA USA 329 vermittelbare Tiere an offene Tierheime. Es waren Tiere wie Holly Berry und Cinnamon: angekettete, vernachlässigte, unterernährte Hunde, die bei PETA USA gegen Parasitenbefall behandelt wurden. Der Befall war so schlimm, dass einer der Hunde bereits völlig ausgezehrt war und der andere von Fliegen förmlich aufgefressen wurde. Zudem konnte PETA USA im vergangenen Jahr 11.229 Hunde und Katzen kastrieren – so auch Buster und Brownie, zwei Hunde, deren mittellose Halter das Angebot eines kostenlosen Hin- und Rücktransports zu den Tierkliniken von PETA USA gerne in Anspruch nahmen. Denn das Schlüsselwort zur Bekämpfung der Überpopulation von Tieren lautet: Geburtenkontrolle.
 
PETA USA half im Jahr 2013 außerdem über 1.500 mittellose Familien, ihre Tiere behalten zu können und übernahm die kostenlose tierärztliche Versorgung. In diesem Zuge wurden unter anderem Tumore entfernt und Prolapse behandelt. Wir halfen über 2.300 Menschen, ihre Tiere behalten zu können, indem wir sie zu Verhaltensproblemen ihrer Tiere berieten. Vernachlässigten, meist an der Kette gehaltenen Hunden lieferten wir kostenlose, nach unseren Entwürfen angefertigte Hundehütten und Stroh zum Auslegen. Wir ersetzten ihre oft schweren Ketten mit leichten Leinen und besuchen die Hunde nun regelmäßig, um Parasitenbefall zu behandeln, Wassereimer, falls nötig, bereitzustellen, verklebtes Fell abzurasieren, die Hunde zu füttern, ihnen Spielzeug zu bringen und ihnen so viel Liebe und Aufmerksamkeit wie möglich zuteilwerden zu lassen.
 
Wir freuen uns über jeden einzelnen Menschen, der das Leben von Tieren gemeinsam mit uns retten und verbessern möchte. Das bedeutet jedoch, kein Loblied auf das „No Kill“- Prinzip zu singen, sondern die Probleme praktisch zu bewältigen. Jeder, der Hunden und Katzen helfen will, kann sich für Kastrationsgesetze und für einen Verkaufsstopp von Tieren im Zoohandel starkmachen. Lassen Sie Ihre tierischen Begleiter kastrieren und helfen Sie auch finanzschwachen Menschen, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Es ist an der Zeit, dass wir das Wunschdenken hinter uns lassen und die Ärmel hochkrempeln – nur so können wir das Leid heimatloser Tiere beenden.

Was Sie tun können

Auch wenn Tiere aus Platzmangel in Tierheimen bei uns noch nicht eingeschläfert werden müssen – bitte helfen Sie, die Überpopulation von Tieren einzudämmen: Kaufen Sie nie ein Tier beim Züchter oder im Zoohandel, sondern schenken Sie einem Tier aus dem Tierheim ein neues Zuhause.

Lassen Sie Ihren tierischen Begleiter kastrieren, damit nicht noch mehr Tiere in eine Welt geboren werden, in der es schon zu viele heimatlose Tiere gibt.