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Osteoporose

Wichtige Einflussfaktoren auf gesunde Knochen

Stand August 2012

Osteoporose in Deutschland

Osteoporose ist eine Krankheit, die sich durch eine geringe Knochendichte und den Abbau von Knochengewebe auszeichnet. Laut dem Netzwerk-Osteoporose e.V. leiden weltweit 200 Millionen Frauen an Osteoporose, in der EU erleiden ca. 400.000 Frauen einen Oberschenkelhalsbruch (1). In Deutschland wird die Anzahl der Osteoporose-gefährdeten Menschen auf ca. 7,8 Millionen geschätzt (2). Die jährlichen Kosten, die durch Osteoporose verursacht werden, belaufen sich allein in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2008 auf 1,86 Milliarden Euro. Auf dem Osteologie Kongress 2007 sprach Prof. Dr. Franz Jakob sogar noch von 5 Milliarden Euro Kosten, die jährlich durch Osteoporose verursacht werden (3).
Während einige an Osteoporose leidende Menschen regelmäßig Rückenschmerzen haben, an Körpergröße verlieren und Deformierungen der Wirbelsäule erleiden, wissen viele andere noch nicht einmal, dass sie die Krankheit haben, bis ein Knochenbruch auftritt.

 

Knochen im Querschnitt (Quelle: Wikipedia)
Faktoren für gesunde Knochen

Die meisten Völker der Welt konsumieren keine Kuhmilch und doch tritt bei ihnen nicht diese hohe Anzahl von Osteoporose-Erkrankungen auf, die in den westlichen Ländern üblich ist. Tatsächlich ist es so, dass dort, wo Menschen viel Protein, aber wenig Kalzium konsumieren, ein erhöhtes Osteoporose-Risiko vorzufinden ist (4).

Vitamin D

Natürlich spielen auch die Intensität der Sonneneinstrahlung und der Aufenthalt im Freien eine wichtige Rolle. So wird Kalzium nur mit genügend Vitamin D richtig in die Knochen eingebaut. Vitamin D wiederum kann von unserem Körper selbst gebildet werden, wenn wir uns zum Beispiel mit kurzen Ärmeln oder kurzen Hosen eine halbe Stunde täglich im Freien aufhalten. In Deutschland sitzen leider viele Menschen täglich eher im Büro und die Jugendlichen vor ihren Computern. Alte Menschen begeben sich selten aus dem Haus. Daher steigt gerade bei Menschen, die sich selten der Sonneneinstrahlung aussetzen, bei Menschen, die sich stark mit Kleidung verhüllen, oder bei Jugendlichen, die selten den Platz vor Laptop und TV verlassen, das Risiko, einen Vitamin D-Mangel zu erleiden. Das wiederum wirkt sich langfristig auf ihre Knochengesundheit aus.

„Vitamin D besitzt eine wichtige Schlüsselfunktion für unsere Gesundheit“, sagt Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Viele ernsthafte Erkrankungen wie Rachitis, Diabetes, Multiple Sklerose, Osteoporose, Bluthochdruck sowie verschiedene Krebsformen sind auf einen Mangel an Vitamin D zurückzuführen. Denn auch wenn die Kalziumaufnahme optimal ist, benötigt der Körper auch Vitamin D, um die Knochen aufzubauen, den Herzmuskel und das Nervensystem mit Kalzium zu versorgen (5).
Auch eine Studie an 6712 Mädchen zwischen 9 und 15 Jahren zeigt, dass Milchkonsum keinen Einfluss auf das Knochenbruchrisiko hat, eine gute Vitamin D-Versorgung die Gefahr für Knochenbrüche jedoch senken kann. (6)
Eine Studie hat über zwei Jahre hinweg den Knochenstoffwechsel von 181 Frauen in Vietnam untersucht. Obwohl die 88 Veganerinnen deutlich häufiger von einem Vitamin-D-Mangel betroffen waren (73 %) als die 93 Mischköstlerinnen (46 %), konnten keine signifikanten Unterschiede im Knochenstoffwechsel und weiterhin kein negativer Effekt von veganer Ernährung auf die Knochenmasse festgestellt werden. Hingegen zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen hohem Konsum von tierischem Protein und tierischen Fetten und dem Knochenabbau. (6a)


Eiweiß

Eine Studie des National Institutes of Health der Universität von Kalifornien, veröffentlicht im American Journal of Clinical Nutrition (2001), kam zu dem Ergebnis, dass „Frauen, die das meiste Eiweiß aus tierischen Nahrungsmitteln aufnahmen, eine 3-fach höhere Knochenschwundrate und eine 3,7-fach höhere Hüftfrakturrate aufwiesen als Frauen, die das meiste Eiweiß aus pflanzlichen Quellen bezogen. Obwohl die Forscher noch hinzufügten: „[…] wir haben bisher nichts gefunden, das diese Verbindung erklären könnte. Am Ergebnis ändert es ohnehin nichts.“ Die Schlussfolgerung der Studie: „Eine erhöhte Einnahme von pflanzlichem Eiweiß und eine verringerte Einnahme von tierischem Eiweiß können Knochenschwund und das Risiko einer Hüftfraktur verringern.“ (7)

Kalzium

Eine weitere Studie, veröffentlicht im American Journal of Clinical Nutrition (2000), untersuchte alle Aspekte der Ernährung und der Gesundheit der Knochen und kam zu dem Ergebnis, dass ein hoher Konsum von Obst und Gemüse die Gesundheit der Knochen positiv beeinflusste und dass Milchkonsum genau dies nicht tat. Derartige Ergebnisse sind für Ernährungsforscher nicht überraschend: Laut Dr. Neal Barnard, Autor von Turn Off the Fat Genes (2001) und verschiedenen anderen Büchern über Ernährung und Gesundheit, ist die Kalziumaufnahme von Gemüse genauso gut oder sogar besser als die von Milch. Die Kalziumaufnahme von Milch beträgt ungefähr 30 Prozent, während die entsprechenden Zahlen für Brokkoli, Rosenkohl, Senfgemüse, Rüben, Grünkohl und einige andere grüne Blattgemüse zwischen 40 Prozent und 64 Prozent liegen (8).
Durch den Verzehr eines kalziumhaltigen Mineralwassers kann der Großteil des Tagesbedarfes an Kalzium gedeckt werden. So gibt es Wasser, das pro Liter 400 mg Kalzium enthält. Ein erwachsener Mensch benötigt laut DACH-Referenzwerten 1000 mg Kalzium am Tag. 2,5 Liter dieses Wassers liefern also den Tagesbedarf. Nicht nur den Tagesbedarf an Kalzium, sondern sie entsprechen zugleich auch der optimalen Flüssigkeitszufuhr!

 

Die Werbung macht’s

„Es ist kaum möglich, das Fernsehen einzuschalten und nicht auf irgendeine Werbung zu stoßen, in der verbreitet wird, dass Milch zu stärkeren Knochen beiträgt. In diesen Werbespots wird nicht gesagt, dass nur 30 Prozent des Kalziums in der Milch vom Körper verwertet werden oder dass Osteoporose bei Milchtrinkern am häufigsten auftritt. Und sie helfen Ihnen erst recht nicht dabei, die wirklichen Gründe des Knochenschwunds zu korrigieren.“
- Dr. Neal Barnard, Vorsitzender des Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM)

Die Milchindustrie hat hierzulande die Nahrungsmittelindustrie fest im Griff. Sie bezahlt eine riesige Anzahl von Ernährungsexperten, Ärzten und Forschern dafür, für Milchprodukte zu werben, und gab im Jahr 2010 in Deutschland 513,7 Millionen Euro für die Bewerbung von Molkereiprodukten aus. Nur Süßigkeiten werden mit 722,2 Millionen Euro noch stärker beworben (9). Wie viel Geld fließt wohl in die Werbung von Salat und Gemüse?

Die Milchindustrie hat Schulen unterwandert, Sportstars, Prominente und Politiker gekauft und verfolgt dabei durchgehend einen auf Profit statt auf die öffentliche Gesundheit ausgerichteten Plan. Dr. Walter Willett, ein Veteran unter den Ernährungsforschern an der Harvard School of Public Health, gibt an, dass Kalziumkonsum „schon so etwas wie ein religiöser Kreuzzug geworden ist“ und wirklich vorbeugende Maßnahmen wie körperliche Bewegung in den Schatten drängt. Die Milchindustrie möchte uns glauben machen, dass unsere Knochen stärker werden, wenn wir täglich drei Gläser Milch trinken, und dass Osteoporose in unsere persönlichen Zukunft nicht auftreten wird (10).

Aber: Dass Milch kein Bestandteil einer gesunden Ernährung ist, zu diesem Schluss kam jetzt die Harvard School of Public Health. Das Ergebnis ihrer Forschung ist ein Nahrungsmittelführer, der sogenannte gesunde Teller, der „Healthy Eating Plate“. Neben der US-Landwirtschaftsorganisation (USDA) wurden auch führende Ernährungsexperten darüber informiert, dass die veraltete Ernährungspyramide zu oft von den Interessen großer Lebensmittelunternehmer beeinflusst wurde und dass es an der Zeit ist, eine Lebensmittelzusammenstellung zu bewerben, die tatsächlich gesund ist. Die wichtige neue Erkenntnis lautet: Milchprodukte stehen nicht mehr für eine gesunde Ernährung. Ganz im Gegenteil. Ein hoher Konsum von Milchprodukten kann das Risiko erhöhen an Prostatakrebs oder Eierstockkrebs zu erkranken. Das liegt hauptsächlich an den vielen gesättigten Fettsäuren, die in der Milch enthalten sind. Dagegen sollten besser Kohl, Chinakohl, angereicherte Soja-Drinks oder Bohnen auf dem Speiseplan stehen, um den Kalziumbedarf zu decken (11).

 

Was kann ich also für starke Knochen tun?

Osteoporose ist eine furchtbare Krankheit und obwohl es Beweise dafür gibt, dass Milchkonsum sie nicht verhindert, garantiert das Weglassen von Milchprodukten auch nicht, dass Sie nicht auch davon betroffen sein werden. Und wenn Sie, wie die meisten Menschen, die kein Fleisch und keine Milchprodukte konsumieren, ein gesundes Körpergewicht aufweisen, sollten Sie sich auf jeden Fall um die Gesunderhaltung Ihrer Knochen Gedanken machen (und dafür etwas tun).

Nützlich für starke Knochen sind auf jeden Fall:


Ausreichend Vitamin D: Wenn Sie sich nie in der Sonne aufhalten, nehmen Sie auf jeden Fall ein Vitamin-D-Supplement oder essen Sie mit pflanzlichem Vitamin D2 angereicherte Lebensmittel.
  • Viel Obst und Gemüse essen: Diese Lebensmittel enthalten wichtige Vitamine und Mineralstoffe, z.B. Kalium, Magnesium und Vitamin C.
  • Weglassen von tierischem Eiweiß: Es verhindert die optimale Einlagerung von Kalzium in die Knochen.
  • Einschränkung des Alkoholkonsums: Alkohol ist Gift für die Zellen, die die Knochen bilden, und hemmt die Aufnahme von Kalzium.
  • Einschränkung des Salzkonsums: Natrium spült Kalzium aus den Knochen.
  • Nicht rauchen
  • Körperliche Aktivität: Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass körperliche Bewegung der Schlüssel für den Aufbau von starken Knochen ist (wichtiger als jeder andere Faktor). Beispielsweise kam eine Studie, veröffentlicht im British Medical Journal, die 1.400 Männer und Frauen über 15 Jahre hinweg beobachtet hat, zu dem Ergebnis, dass Sport der beste Schutz gegen Hüftfrakturen sein kann und dass „die reduzierte Einnahme von Kalzium kein Risikofaktor zu sein scheint.“ Und Forscher der Penn State University fanden heraus, dass die Knochendichte deutlich davon beeinflusst wird, wie viel Sport Mädchen in ihren Teenagerjahren treiben, in denen sich 40 bis 50 Prozent ihrer Skelettmasse entwickeln. Mitte 20 endet der Knochenaufbau und es liegt an uns, den Abbau zu verhindern (12).
  • Schlussfolgerung

    Milchtrinken trägt zum Profit der Milchproduzenten bei, aber wie die oben genannten Studien zeigen, gibt es keine Übereinkunft darüber, dass Milchkonsum vor Osteoporose schützt. Ganz im Gegenteil dazu werden Milchprodukte mit allen möglichen anderen Problemen in Verbindung gebracht, darunter Akne, Fettleibigkeit, Herzkrankheiten und Krebs (Brustkrebs und Prostatakrebs eingeschlossen). Außerdem sind oft auch noch Spuren von Antibiotika, Medikamenten und Hormonen darin nachzuweisen. (13)(14)
    Kalzium ist natürlich ein lebenswichtiges Mineral und es ist möglich, einen Kalziummangel zu haben. Laut Dr. Neal Barnard, Vorsitzender des Physicians Committee for Responsible Medicine, „ist insbesondere Milch eine schlechte Absicherung gegen Knochenbrüche. Die gesündesten Kalziumquellen sind grünes Blattgemüse und Hülsenfrüchte. Sie müssen nicht riesige Portionen Gemüse oder Bohnen essen, um genug Kalzium zu bekommen, aber Sie sollten beides regelmäßig in den Mahlzeiten verwenden. Wenn Sie extra viel Kalzium aufnehmen wollen, sind angereicherte Orangen-, Apfel- oder Grapefruitsäfte eine gute Wahl.“

    Für Menschen ist es ebenso artfremd, die Muttermilch von Kühen zu trinken, wie die Muttermilch von Ratten, Katzen, Hunden, Giraffen oder anderen Säugetieren. Die Natur hat die Muttermilch des Menschen für Menschenbabys geschaffen, die Muttermilch von Kühen für Kälber und so weiter.

    Der verstorbene Dr. Benjamin Spock spricht in Baby and Child Care (dem Bestseller der letzten 50 Jahre in den Vereinigten Staaten nach der Bibel) die Empfehlung aus, dass niemand Kuhmilch konsumieren sollte, und nach der Auflistung einer Unzahl von Krankheiten, die mit Milchkonsum in Verbindung stehen (Herzkrankheiten, Krebs, Fettleibigkeit, Antibiotikaresistenz, Eisenmangel, Asthma, Ohrinfektionen, schlechte Haut, Magenschmerzen, Blähungen und Durchfall), kommt er zu dem Schluss: „In der Natur trinken Tiere nach dem Aufwachsen keine Milch mehr und das ist auch der normale Verlauf beim Menschen. Kinder halten ihren Kalziumspiegel besser, wenn ihr Eiweiß aus pflanzlichen Quellen stammt.“ Dr. Spock empfiehlt menschliche Muttermilch für Menschenbabys, wie die Natur es vorsieht.

     

     

    Quellenangaben:

    (1) Netzwerk-Osteoporose e.V. (2012): http://www.netzwerk-osteoporose.de/index.php/content/view/89/159/ (abgerufen am 19.Januar 2012)

    (2) DV-Osteologie (2012): http://www.dv-osteologie.org/uploads/presse/DVO%20-%20Engagement%20gegen%20Osteoporose.pdf (abgerufen am 19.Januar 2012)

    (3) Netzwerk-Osteoporose e.V. (2012): http://www.netzwerk-osteoporose.de/index.php/content/view/88/159/ (abgerufen am 19.Januar 2012)

    (4) Leitzmann und Keller (2010): Vegetarische Ernährung. Ulmer. Stuttgart. S.166 ff

    (5) Ärzte-Zeitung (2012): http://www.aerztezeitung.de/news/article/800845/kinderaerzte-vitamin-d-alle.html (abgerufen am 19. Januar 2012)

    (6) (Kendrin R. Sonneville et al. (2012): Vitamin D, Calcium, and Dairy Intakes and Stress Fractures Among Female Adolescents. Unter: www.archpediatrics.com

    (6a) Ho-Pham LT, Vu BQ, Lai TQ, Nguyen ND, Nguyen TV (2012): Vegetarianism, bone loss, fracture and vitamin D: a longitudinal study in Asian vegans and non-vegans. European Journal of Clinical Nutrition 66(1), 75-82

    (7) Sellmeyer und Stone et al. (2001): A high ratio of dietary animal to vegetable protein increases the rate of bone loss and the risk of fracture in postmenopausal women. In: American Journal of Clinical Nutrition 73 S. 118-122

    (8) American Journal of Clinical Nutrition, Vol. 70, Nr. 3, S. 543S-548S, September 1999

    (9) http://www.meine-milch.de/artikel/werbekosten-fuer-milchprodukte

    (10) Washington Post “Health” Artikel vom 26. September 2000, S. 13

    (11) Michelle Schoffro Cook (2012): Harvard Declares Dairy NOT Part of Healthy Diet. http://www.care2.com/greenliving/harvard-declares-dairy-not-part-of-healthy-diet.html (abgerufen am 8. Januar 2012)

    (12) Lloyd et al. (1999): Adult Female Hip Bone Density Reflects Teenage Sports- Exercise Patterns But Not Teen Calcium Intake, S. 40: http://pediatrics.aappublications.org/content/106/1/40.abstract

    (13) David Derbyshire (2011): It's not all white: The cocktail of up to 20 chemicals in a glass of milk. In: http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2012050/The-cocktail-20-chemicals-glass-milk.html#ixzz1RQpJ0iAL (abgerufen am 19. Januar 2012)

    (14) Eric Pianin (2001): Dioxin Report EPA On Hold. Industries Oppose Finding of Cancer Link, Urge Delay. In: Washington Post, Washington, D.C. 12. April 12 2001. S. A.01 http://pqasb.pqarchiver.com/washingtonpost/71078562.html?did=71078562&FMT=ABS&FMTS=FT&date=Apr+12%2C+2001&author=Eric+Pianin&desc=Dioxin+Report+EPA+On+Hold%3B+Industries+Oppose+Finding+of+Cancer+Link%2C+Urge+Delay (abgerufen am 20. Januar 2012)