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Rinder – das entbehrungsreiche Leben in der Mast

Leiden für ein Stück Fleisch

Stand Februar 2015
Jeder Mensch, der sich mit Rindern beschäftigt, weiß, dass sie soziale und meist sehr sanfte Tiere sind, die in einem engen Herdenverband leben. Rinder sind sehr sensibel und schlau – und gerade Jungtiere sind sehr verspielt. Sie pflegen eine ausgeprägte Mutter-Kind-Beziehung und unter ihnen gibt es mehr oder weniger schlaue, zutrauliche, verschmuste oder auch draufgängerische Persönlichkeiten.
 
In der Landwirtschaft zählt das einzelne Individuum nicht. Hier werden Rinder nach ihrer Leistung bemessen und auch gezielt danach gezüchtet und selektiert. Das Urrind ist der mittlerweile ausgestorbene Auerochse (1). Mit der Domestikation ging die extreme Züchtung auf verschiedene Nutzungsrichtungen einher, sodass Rinder heute unnatürliche Mengen Milch produzieren oder Fleisch ansetzen. So gibt es heutzutage sogenannte Milchrassen, Zweinutzungsrassen und eben auch spezielle Fleischrassen, die weniger Milch geben und dafür innerhalb kurzer Zeit viel Fleisch ansetzen.
Der Schein trügt: Bald werden diese Kälber unter lautem Muhen von ihren Müttern getrennt, gemästet und getötet.
Fakten: Hauptsache viel Fleisch – es geht nur um Profit
In ländlicheren Gegenden sehen Menschen ab und an scheinbar glückliche Kühe mit ihrem Nachwuchs auf der Weide. Diese Kühe stehen dort aber nicht um ihrer selbst willen, sondern weil die Fleischindustrie Nachschub zur Mast benötigt. Im Gegensatz zur Milchindustrie, wo das Kalb der Mutter kurz nach der Geburt entrissen wird, haben Kuh und Kalb in der Mast eine gewisse Zeit zusammen – die Trennung nach etwa fünf bis sieben Monaten ist dafür umso schmerzlicher.
Die meisten Bullen stehen in der Mast auf schmutzigen Spaltenböden – von einer grünen Wiese können sie nur träumen.
In Deutschland ist die sogenannte Bullenmast am weitesten verbreitet, da Bullen am schnellsten viel Fleisch ansetzen. Manche Betriebe mästen aber auch Färsen, weibliche Rinder, die noch kein Kalb zur Welt gebracht haben, oder Ochsen, also kastrierte männliche Rinder (2).

Rinder könnten um die 20 Jahre alt werden. Sogenannte Fleischrassen wie Angus oder Fleckvieh haben jedoch solch einen extremen Fleischansatz, dass sie – auch wenn sie nicht frühzeitig im Schlachthaus getötet werden würden – eine verminderte Lebenserwartung haben. Der Körper der Tiere ist nicht für eine solch enorme Fleischmenge geschaffen – Organversagen, Gelenkprobleme oder Stoffwechselkrankheiten sind die Folgen. In der Mast leben sie ebenfalls nicht annähernd 20 Jahre, denn schon nach weniger als 24 Monaten und einem Gewicht von meist über 700 kg werden sie abtransportiert und geschlachtet (3). Laut Bundesregierung kann die Fehlbetäubungsrate bei Rindern mehr als 10 % betragen – das bedeutet mindestens 320 000 Rinder, denen jedes Jahr in Deutschland bei Bewusstsein die Kehle durchgeschnitten wird, während sie kopfüber an einem Bein am Schlachterhaken hängen (4). Lesen Sie hier mehr über die Produktion von Kalbfleisch und welche Individuen dahinterstehen.
Dieses junge Rind braucht eigentlich noch die Zuneigung seiner Mutter – in der Mast zählt nur der schnelle Fleischansatz.
Haltung: Die meisten Rinder stehen nie auf einer grünen Wiese
In Deutschland gibt es noch immer keine detaillierten gesetzlichen Regelungen zur Haltung von Rindern. Im Tierschutzgesetz sowie in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sind lediglich allgemeine Anforderungen aufgeführt. Nur die Haltung von bis zu sechs Monate alten Kälbern wird durch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung konkret geregelt - diese Bestimmungen beschränken sich allerdings auf minimale Anforderungen und haben mit einem artgerechten Leben nichts zu tun (2). Nur wenige Tiere haben das Glück, wenigstens im Sommer auf der grünen Weide zu sein. Viele Tiere müssen noch in der Anbindehaltung leben – tagein tagaus an derselben Stelle essen, liegen, koten und urinieren. Vor allem für die bewegungsfreudigen Jungtiere ist dies eine große Qual, die sich in Verhaltensstörungen und verschiedenen Krankheiten zeigt. Die allermeisten Rinder, etwa 75 %, müssen in sogenannten Laufställen stehen (5). Diese sind meist in enge Buchten aufgeteilt und die Rinder stehen und liegen auf harten und mit Kot bedeckten Vollspaltenböden. Das empfohlene Platzangebot liegt bei gerade einmal 3,5 qm für einen Bullen über 600 kg – können Sie sich vorstellen, Ihr gesamtes Leben auf einem handelsüblichen Lattenrost zu verbringen? (2)
Amputationen – verboten und doch erlaubt
Eigentlich verbietet das Tierschutzgesetz im §5 und §6 Eingriffe am Tier ohne Betäubung sowie die Amputation von Körperteilen eines Wirbeltieres. Doch Ausnahmen bestimmen im Tierschutzgesetz die Regeln, sie werden zur Routine in der alltäglichen Praxis. Daher sind folgende Praktiken ohne Betäubung gestattet: das Stechen der Ohrmarken, das schmerzhafte Kastrieren von männlichen Rindern bis zur vierten Lebenswoche und das traumatisierende Enthornen bis zur sechsten Lebenswoche, bei dem der Hornansatz der Kuhkinder meist mittels eines mehrere Hundert Grad heißen Brennstabs ausgebrannt wird sowie das Kürzen des bindegewebigen Endstückes des Schwanzes von unter drei Monate alten männlichen Kälbern mittels elastischer Ringe (6).

Was Sie tun können


Rinder sind Lebewesen und keine Nutzungsobjekte, an denen man herumzüchten darf. Kaufen Sie keine tierischen Produkte wie Fleisch, Milch, Eier oder Honig. Hinter all diesen Produkten steckt großes Tierleid. Melden Sie sich noch heute bei unserem unverbindlichen und kostenlosen VeganStart-Programm an und erhalten Sie 30 Tage lang leckere vegane Rezepte und viele Tipps und Tricks, die den Einstieg in ein gesundes und tierfreundliches Leben erleichtern.



Quellen:
  1. Johannes Gutenberg-Universität Mainz: „Ursprung aller Hausrinder liegt in einer kleinen Auerochsen-Herde im Nahen Osten“ (März 2012) http://www.uni-mainz.de/presse/51060.php
  2. Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V.: „Mastrinderhaltung“. Merkblatt Nr. 112 (Stand: 2007)
  3. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: „Gruber Tabelle zur Fütterung in der Rindermast“ (19. Auflage / 2014): http://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/informationen/p_31941.pdf
  4. Deutscher Bundestag (Drucksache 17/10021): „Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren“ (15.06.2012) http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/100/1710021.pdf
  5. Statistisches Bundesamt: „Landwirtschaftliche Betriebe mit Haltungsplätzen für Rinder nach Haltungsverfahren am 1.3.2010“: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/Landwirtschaftszaehlung2010/Tabellen/9_1_LandwBetriebeHaltungsplaetzeRinder.html
  6. Tierschutzgesetz: Vierter Abschnitt - Eingriffe an Tieren. §5 und §6