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"Schlittenhunde": Der Tod auf Kufen

 
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Stand Dezember 2012
Stellen Sie sich vor, Sie würden „Ihren Hund von Orlando nach New York rennen lassen, ihm keinen Schlaf gewähren, um die Strecke so schnell wie möglich zu schaffen; ihn durch hüfthohes Wasser und Eis hinweg anfeuern, während das Tier während des Rennens ca. 5 Kilo an Gewicht verliert“ (1). Oder überlegen Sie, wie es sein muss, „mit 15 anderen Läufern zusammen in einer 15 Meter langen Vorrichtung 200 Kilo zu ziehen. Stellen Sie sich vor, hinzufallen und ein vereistes Gefälle heruntergezogen zu werden“ (2). So haben zwei Sport-Kolumnisten das Iditarod-Trail-Schlittenhunderennen beschrieben, eine grausame Tour von Anchorage nach Nome in Alaska, die jeden März stattfindet. Dies ist nur eines von vielen dieser Rennen, in denen „Schlittenhundeführer“ antreten, um Tausende von Dollar und andere Preise zu gewinnen. Die Hunde, die nur als ein pelziges Schneemobil angesehen werden, können sich dagegen glücklich schätzen, wenn sie das Rennen lebendig und ohne ernste Verletzungen überstehen.

Ein berüchtigtes Rennen
Etwa 1500 Hunde starten im Iditarod, doch über ein Drittel werden Jahr für Jahr ausgemustert, weil sie krank werden, sich verletzen oder einfach nur keine Kraft mehr haben, nachdem sie stundenlang durch zerklüftete Bergketten, über gefrorene Flüsse, dichte Wälder und einsame Tundren im beißenden Wind, in erblindenden Schneestürmen und bei Temperaturschwankungen von +40°C bis hin zu -60°C laufen mussten (3, 4). Die Hunde, größtenteils Husky-Mischlinge, die nur zwischen 20 und 25 kg wiegen, werden üblicherweise mit 15 weiteren Tieren in einem Gespann befestigt, das einen 200 kg schweren Schlitten zieht. Sie müssen pro Tag ungefähr 200 Kilometer zurücklegen und oft bis zu sechs Stunden am Stück rennen. Die Hunde bekommen täglich nur wenig Schlaf (5, 6) und das gesamte Rennen kann zwischen neun und 14 Tagen dauern (7).

Die Füße der Hunde sind blutig, mit Quetschungen übersäht, zerschnitten vom Eis und einfach nur verschlissen von den enormen Strecken, die sie bewältigen müssen. Viele der Tiere erleiden Muskelzerrungen, Stressfrakturen oder erkranken an Darmviren oder blutigen Magengeschwüren. In seiner Eigenschaft als freiwilliger Tierarzt beim Rennen sah Scott Moore „Hunde mit gerissenen Achillessehnen, Dehydrierung, Durchfall, Hypothermie, Hyperthermie, Gelenksentzündungen und wunden Stellen an den Schultern, verursacht durch die Geschirre“ (8).

George Diaz, Kolumnist beim Orlando Sentinel schrieb, das Iditarod „ist nicht mehr als ein barbarisches Ritual, das den Cowboys in Alaska eine Lizenz zum Töten gibt“ (9). Jedes Jahr sterben mindestens ein bis zwei Hunde und die Gründe hierfür reichen von dem Erwürgen in Leinen bis hin zu inneren Blutungen. Zudem werden einige Hunde von Elchen totgetrampelt oder erleiden Leberschäden, Herzversagen und Lungenentzündungen. Wolf, ein 5-jähriger Hund im Team von Lance Mackey, starb, als er seine Nahrung erbrach und sich daran verschluckte (10). Takk, ein 7-jähriger Hund im Team von Kjetil Backen, starb an Blutverlust, hervorgerufen durch Magengeschwüre (11). Schätzungen zufolge liegt die Todesrate bei 2,9 Tieren pro 1000 Teilnehmern; hätte der Stadtmarathon in Boston die gleiche Rate, wären seit den 90er Jahren 290 Menschen gestorben (12). Seit 1973 sind mindestens 120 Hunde im Iditarod gestorben – Hunde, die nach dem Rennen starben, sind dabei nicht mit eingeschlossen (13).

Häufig sterben Hunde auch erst nach dem Rennen. Dr. Paula Kislak, Präsidentin der Association of Veterinarians for Animal Rights, sagte: „Wenn sich Milchsäure und andere Chemikalien durch den Muskelabbau aufgrund extremer körperlicher Anstrengung aufbauen, kann es sein, dass sich der Tod durch Gifte in Leber und Nieren noch tage- oder sogar wochenlang nach dem Rennen hinauszögert (14).“ Eine im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine veröffentlichte Studie fand heraus, dass die Atemwege von 59 Hunden ein bis zwei Tage nach einem Rennen „abnormale Ansammlungen“ von Schleim und zellulären Ablagerungen in den unteren Atemwegen aufwiesen. Des Weiteren wurden Lungenschäden bei beinahe der Hälfte aller Hunde als moderat bis ernst eingestuft (15).
Es gibt noch andere grausame und tödliche, jedoch nicht so bekannte, Langzeitrennen, wie das „Flambeau International Sled Dog Classic“, das „Copper Basin 300“, das „Sky Sled Dog Race“ und das „Yukon Quest International Sled Dog Race“.

Das Leid hinter den Kulissen
Tausende von Hunden werden extra gezüchtet, um in Schlittenrennen mitzulaufen, aber nicht jeder Welpe ist ein geborener Läufer. Die Welpen, die das Pensum nicht schaffen, werden ausgemustert. Einige ausgemusterte Hunde werden verkauft oder verschenkt, doch viele werden auch euthanasiert, ausgesetzt, erschossen, zu Tode geknüppelt oder ertränkt.

Frank Winkler, der zweimal bei Iditarod teilnahm, wurde wegen 14 Fällen der Tierquälerei angeklagt, nachdem ein Veterinär eine Box mit toten und sterbenden Welpen in einem Truck gefunden hatte. Winkler gab an, es sich nicht leisten zu können, die Tiere von einem Tierarzt euthanasieren zu lassen, und erschlug die Tiere deshalb scheinbar mit dem stumpfen Ende einer Axt. Gerichtsdokumenten zufolge sagte Winkler, dass er Hunde erschoss und damit nur den Ratschlägen von anderen Schlittenführern gefolgt sei (16). Lorraine Temple rechtfertigte das Erschießen von Hunden in einem Interview im Jahr 1999 wie folgt: „Man kann einfach keine Hunde behalten, die pro Stunde eine Meile zu langsam sind (17).“

Die meisten Hunde leben in beengten Zwingern, die normalerweise nicht von einer Behörde kontrolliert werden. Die Betreiber von solchen Zwingern binden die Hunde häufig an kurzen Seilen an oder sperren sie in viel zu kleine Verschläge. Margery Glickman, eine pensionierte Grundschullehrerin und Gründerin der Organisation „Sled Dog Action Coalition“ (SDAC), machte Urlaub in Alaska und stieß auf eine „Farm“, wo über 200 Tiere für das Iditarod-Schlittenrennen aufgezogen wurden. „Die Bedingungen waren einfach schrecklich“, sagte Glickman der Tageszeitung Miami Herald. „Die Hunde waren dauerhaft an diesen kurzen Leinen angebunden“ (18). In der Aufzuchtstation „Klondike Dreams“, die Touristen Ausflüge auf „Hundeschlitten“ anbietet, wurden über 60 „vernachlässigte, untergewichtige Hunde“ gefunden, die „in einer Behausung voll von Ausscheidungen“ gehalten wurden (19). David Straub, der bereits dreimal am Iditarod teilgenommen hatte, wurden fast 30 unterernährte Hunde abgenommen. Er wurde in 17 Fällen der Tierquälerei angeklagt und die Behörden beschlagnahmten die Hunde (20).

In der größten US-Einrichtung für „Schlittenhunde“, im „Krabloonik Kennel“ in Aspen, Colorado, wurden laut Aussagen eines früheren Mitarbeiters jährlich bis zu 35 Hunde durch einen Kopfschuss getötet (21). Der Manager der Einrichtung verteidigte sich, indem er angab: „Das Aussortieren von Hunden gibt es schon seit Hunderten von Jahren. Es ist nichts Neues[…]. Für den Schlittenhund ist das Teil des Lebenszyklus (22).“

Profit aus Schmerz und Leid
Wie bei so vielen Touristenattraktionen stecken hinter dem Iditarod und ähnlichen Rennen reine Profitgedanken. Der Sportjournalist der USA Today, Jon Saraceno, der das Rennen als „Ihurtadog“ (Ich verletze einen Hund) bezeichnete, berichtete: „Der ökonomische Wert für Anchorage, wo das Rennen zeremoniell beginnt, wird auf mehr als 5 Millionen US-Dollar geschätzt[…]. Natürlich bekommen die Hunde nur ihren üblichen Lohn. Mehr Leid“ (23). Jeff Jacoby, Sportkolumnist des Hartford Courant, schrieb, das Iditarod sei nicht mehr als „eine beschämende Marketingstrategie, die auf dem Rücken schutzloser Tiere ausgetragen wird“ (24).

Zu den Sponsoren des Iditarod gehören Cabela’s, Wells Fargo, GCI, Anchorage Chrysler Dodge, Anchorage Daily News, Chevron, FredMeyer, Millennium Alaskan Hotel und PenAir.

 

Was Sie tun können

Unterstützen Sie weder das Iditarod noch andere Schlittenrennen, wo Hunde zum Einsatz kommen. Nehmen Sie nicht an Fahrten auf Hundeschlitten teil. Wenn Sie eine Reise nach Alaska planen, sagen Sie Ihrem Reiseveranstalter, dass Sie auf keinen Fall Angeboten nachgehen wollen, die Schlittenfahrten mit Hunden beinhalten. Informieren Sie Sponsoren solcher Schlittenrennen, dass Sie kein Unternehmen unterstützen, das solche Grausamkeiten ermöglicht. Über die Jahre hinweg haben zahlreiche Unternehmen wie Nestlé, Rite Aid, Irridium World Communications, Safeway, Maxwell House Brand, True Value Hardware, BP Amoco, Sherwin-Williams, Upjohn, Tropicana, Pizza Hut, Costco und Pfizer Pharmacia ihre Sponsorentätigkeit aufgegeben, als ihnen Menschen mitteilten, dass sie gegen solche Veranstaltungen sind.

Gehen Sie zu Menschenschlittenrennen! In Lowell, Massachusetts, finden zum Beispiel im Februar im Zuge des jährlichen Winterfestes die „National Human Dogsled Championships“ statt. Dutzende menschliche Teams ziehen verrückte Kostüme an und stürmen zur Ziellinie (25). Beim „Idiotarod“ in New York City nehmen mehr als 500 Menschen teil, die Einkaufswagen über die Brooklyn Bridge nach Manhattan schieben (26).

 

Quellen:
1) George Diaz, Iditarod Dog Deaths Unjustifiable, Orlando Sentinel, 5. März 2000.
2) Jon Saraceno, Grueling Iditarod Not Even Fit for Dogs, USA Today, 3. März 1999.
3) Mike Brassfield, Sledding in the Sunshine, St. Petersburg Times, 5. Jan. 2003.
4) Judy Chia Hui Hsu, Everything Turns to Mush, Seattle Times, 5. Jan. 2005.
5) Judy and Richard Schiller, Sled Dogs and Mushers, Crooked Creek Observer, 11. Feb. 1997.
6) Chia Hui Hsu.
7) Brassfield.
8) Jami Badershall, Cody Veterinarian Gets Kick out of Iditarod, Cody Enterprise, 26. März 2004.
9) Diaz.Quelle, Jahr
10) Joel Gay and Craig Medred, Leader’s Dog Dies on Trail, Anchorage Daily News, 15. März 2004.
11) Iditarod XXXII Advisory, 14. März 2004.
12) Saraceno, Grueling Iditarod Not Even Fit For Dogs.
13) Saraceno, As Death Toll of Dogs Rises, So Does Iditarod’s Insanity, USA Today, 14. März 2004.
14) Victims of Cold, Fatigue and Greed, The Press Democrat, 20. März 2004.
15) M.S. Davis et al., Racing Alaskan Sled Dogs as a Model of ‚Ski Asthma‘, American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, 6(2002): 878-82.
16) Julia Rubin, The ‚Ugly Side‘ of Dog Racing; Alaskan Mushers Weed Out Canines That Don’t Make the Team, The Washington Post, 29. Nov. 1991.
17) Diaz.Quelle, Jahr
18) D, Iditarod, Hailed As Greatest Dog Race? Call It Grotesque Shame, Animal Abuse, The Miami Herald, 5. März 2002.
19) Homes Found for Most Dogs Removed From Squalid Kennel, Associated Press, 6. Mai 1999.
20) Heidi Loranger, Starving Dogs Recovering at Shelter, KTVA 11, 20. Okt. 2004.
21) Killing Techniques Being Questioned at Dog Sledding Operation Near Aspen, Associated Press, 5 Apr. 2005.
22) Chad Abraham, Krabloonik Defends Culling of Pack. Long-Term Employee: ‚We’re All Dog Owners Here‘, The Aspen Times, 5. Apr. 2005.
23) Saraceno, As Death Toll of Dogs Rises, So Does Iditarod’s Insanity.
24) Saraceno, Iditarod No More Than Dog Abuse, USA Today, 5. März 2001.
25) Walter Roessing, Lowell Race Is Doggone Funny, The Boston Herald, 27. Jan. 2005.
26) Valerie Fuchs, Madness, Sabotage and a Cart Race Across NYC, Washington Square News, 31. Jan. 2005.