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Sindelfingen: Tiere sind keine Ramschware – PETA übt scharfe Kritik an Reptilien- und Fischbörse und fordert Behörden auf, die Veranstaltung künftig zu untersagen

 
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Stand Dezember 2016
Sindelfingen / Stuttgart, 1. Dezember 2016 – Tödlicher Stress für Exoten: An diesem Wochenende findet die „Fisch & Reptil 2016“ in der Messe Sindelfingen statt. Die Tierrechtsorganisation PETA übt scharfe Kritik an der mit dem Tierschutz unvereinbaren Reptilien- und Fischbörse und fordert die Behörden auf, künftig keine Börsen für sensible Exoten und Fische mehr zu genehmigen. Für die Tiere bedeutet die Zurschaustellung großen Stress, da sie meist tierschutzwidrig in kleinen Plastikboxen präsentiert werden. Hinzu kommen fehlende Rückzugsmöglichkeiten und lange Transportzeiten. PETA appelliert an die Behörden und Kommunalpolitiker, das bereits im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehene Verbot gewerblicher Tierbörsen für exotische Tiere schon jetzt in Sindelfingen umzusetzen.
„Auf Aquaristik- und Reptilienbörsen wie der in Sindelfingen werden empfindliche Lebewesen wie billiger Trödel verramscht“, so Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin bei PETA. „Politiker sollten diese Tierquälerei nicht länger tolerieren, sondern derartige Veranstaltungen umgehend verbieten.“
 
PETA wirft den Veranstaltern und Händlern vor, den Tod unzähliger Tiere billigend in Kauf zu nehmen: Viele Fische und Reptilien sterben, bevor sie überhaupt in den Handel kommen. Sterberaten von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich [1]. Zudem ist das Giftfischen in einigen Ländern noch die Regel. Die Transportbedingungen für Fische sind ebenfalls nicht verbindlich festgelegt, und der Fang tropischer Fische – unter anderem in Indonesien, Australien sowie auf den Philippinen und Malediven – führt zur Zerstörung von Korallenriffen. Einer Schätzung des Worldwatch Instituts zufolge werden jährlich 500 bis 600 Millionen Zierfische gefangen. Allein in deutschen Aquarien schwimmen etwa 80 Millionen Fische. [2].
 
PETA betrachtet die Haltung von Fischen zu Dekorationszwecken als ethisch problematisch und fordert die Abschaffung von Aquarien sowie ein generelles Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathaushalten, denn eine artgerechte Haltung in Gefangenschaft ist nicht möglich. Die Versorgung ist äußerst kostspielig und erfordert umfangreiches Wissen. Ein Großteil der in Deutschland gehaltenen Exoten stirbt frühzeitig, weil die Tiere nicht ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden. Eine kürzlich veröffentlichte international übergreifende PETA-Recherche offenbarte erstmals Einblicke in den skrupellosen Handel mit für den deutschen Heimtiermarkt bestimmten Reptilien: Ermittler der Tierrechtsorganisation dokumentierten massenhaft tote, verletzte oder jahrelang in Plastikboxen eingesperrte Tiere bei deutschen Großhändlern und deren internationalen Zulieferern.

Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen angebotenen Wildtiere handelt es sich um Naturentnahmen. Im Auftrag profitorientierter Händler und gedankenloser Endabnehmer werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert. Zudem werden Exoten teilweise zu Schleuderpreisen an jeden Interessenten verkauft – unabhängig davon, ob der künftige Halter über das nötige Fachwissen zur Haltung der Tiere verfügt. Eine tierärztliche Fallstudie untersuchte rund 150 verstorbene Reptilien und kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten [3].
 
Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gefährliche exotische Salmonellenarten: Etwa 90 Prozent der Tiere tragen die gesundheitsgefährdenden Erreger in sich. Auf den Menschen übertragen können sie schlimmstenfalls zu Hirnhautentzündungen oder gar zum Tod führen – vor allem Kinder, immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts ist jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern auf exotische Tiere zurückzuführen [4].
 
PETA appelliert an die Bevölkerung, Aquaristikbörsen, Reptilienausstellungen und Exotenmessen zu meiden. Wer über die nötigen Fachkenntnisse verfügt, kann ein Tier aus einem Tierheim adoptieren und so dazu beitragen, den Handel einzudämmen. Wissenswertes über die faszinierenden Reptilien und Fische erlernen Kinder viel eher in entsprechenden Dokumentationen, da Tiere in Freiheit ein anderes Verhalten zeigen als in Gefangenschaft.
 
[1] Toland, Elaine / Warwick, Clifford / Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, Vol. 59 No. 3.
[2] Brunner, Bernd (2016): Freiheit für die Fische. In Zeit Online. http://www.zeit.de/2016/40/aquarium-hobby-forschung-oekologie-tierschutz.
[3] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie. 4. Leipziger Tierärztekongress.
[4] Robert-Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.
 
Die Tiere werden in Massen angeboten und haben keine Rückzugsmöglichkeit. / © PETA Deutschland e.V.
 
Das druckfähige Motiv kann hier heruntergeladen werden.
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Exotenhandel
PETA.de/Salmonellen
PETA.de/Exotenboersen
PETA.de/Fische-in-Aquarien-nein-danke
 
Kontakt:
Judith Stich, +49 (0)30 6832666-04, JudithS@peta.de