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Das traurige Leben der heimatlosen Tiere in der Türkei

Stand Juli 2013
Die Türkei hat seit 2004 ein Tierschutzgesetz, welches jedoch nur auf dem Papier Bestand zu haben scheint. Nach wie vor werden - überwiegend heimatlose Hunde - zu Tausenden qualvoll getötet. Die Tiere sterben in groß angelegten Vergiftungsaktionen, die meist unter dem Deckmantel einer sich anbahnenden Tollwutepidemie auf den Plan gerufen werden. Tausende von Tieren werden in weit abgelegene Regionen (Waldregionen, karstige Gebiete wie Bergregionen, oder abgelegene Müllhalden) abtransportiert in denen sie so gut wie keinerlei Überlebenschancen haben und oftmals einen qualvollen Hunger- oder Verdurstungstod sterben. Zu großen Teilen sind auch die türkischen Tierheime nichts anderes als „Todeslager“, in denen die Tiere ein trauriges Dasein fristen und unversorgt bleiben.

 

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Die Methoden sind grausam und kontraproduktiv
Die Verantwortlichen in der Türkei haben bislang nicht verstanden, dass die Methoden, sich der heimatlosen Tiere zu entledigen, nicht „nur“ grausam und inhuman, sondern auch absolut kontraproduktiv sind. Es liegen Dutzende von Schriftstücken vor - allen voran der Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) -, die belegen, dass Tötungen von Tieren aus einem bestimmten Revier an dem Problem der Überpopulation nichts verändern.

Der Lösungsansatz heißt „Neuter und Release“
Zuverlässigen Schätzungen zufolge können, sofern alle Nachkommen überleben, eine einzige unkastrierte Hündin und ihre Jungen in nur sechs Jahren eine Nachkommenschaft von bis zu 67.000 Hunden hervorbringen, eine unkastrierte Katze und ihre Jungen in nur 7 Jahren von bis zu 420.000 Nachkommen.

Nur die konsequente Umsetzung eines Neuter & Release Programms (Kastrieren & wieder Zurücksetzen ins vertraute Revier) kann die Population von Hunden und Katzen nachhaltig senken. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Tiere in dasselbe Revier, aus welchem sie stammen, zurückgesetzt werden. Berichten engagierter Türkischer Tierschützer zu Folge, aber auch nach Augenzeugenbericht von einer PETA Deutschland-Mitarbeiterin nach ihrem Aufenthalt in Istanbul im Juli 2008, werden heimatlose Hunde häufig nicht in ihr vertrautes Revier zurück gesetzt, sondern nach der Kastration - wenn überhaupt durchgeführt - in Wäldern oder anderen völlig ungeeigneten Regionen ausgesetzt.

 

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Was fordern wir?

Die Geschichte der Türkei ist geprägt von grausamen ebenso wie auch unwirksamen Methoden, sich der Überpopulation heimatloser Tiere zu entledigen, PETA Deutschland e.V. fordert daher:

- Sich der Tierschutzproblematik im Land ernsthaft und ganzheitlich anzunehmen und das Neuter & Release Programm konsequent umzusetzen, welches nachhaltige Populationseffekte bringen wird. Diese Effekte können sich aber erst nach einigen Jahren einstellen (3 - 5), dafür werden diese aber für Mensch und Tier eine dauerhafte und humane Lösung sein.

- Die Umsetzung eines ganzheitlichen Neuter & Release Programms, welches Folgendes beinhaltet: Ein behutsames Einfangen der Tiere, das Kastrieren, medizinisches Versorgen, Impfen und nach einer gewissen Rehabilitationsphase das Zurücksetzen ins vertraute Revier. Zusätzlich hierzu muss die Versorgung der Tiere mittels so genannter Futterstellen (Versorgung der Tiere mit Nahrung und Wasser) sichergestellt werden.

- Um eine konsequente Umsetzung des Neuter & Release Programms gewährleisten zu können, müssen in Städten und Gemeinden zentrale Stellen geschaffen werden, die das Projekt steuern, bewerten und kontrollieren. Die Lösung hierfür sind private - von Städten und Gemeinden finanzierte - Unternehmen, die von lokalen Tierschutzgruppen im humanen Umgang mit Tieren geschult werden. Nur so kann gewährleistet werden, dass das Programm tierschutzgerecht durchgeführt wird und „Früchte trägt“.

- Tierheime sollten einzig und allein als Rehabilitationszentren genutzt werden, in denen Tiere nur eine maximale Anzahl an Tagen verbringen sollten (für die Zeit des Neuter & Release Programms).
- Tiere, die aus triftigen Gründen nicht ins vertraute Revier zurückgesetzt werden können, wie beispielsweise Tiere, die bereits eine lange Inhaftierung in Tierheimen durchlebt haben (eine lange Inhaftierung bewirkt eine Nichtzugehörigkeit zu einem ehemals bewohnten Revier), sollten in einem so genannten offenen Tierheim ein neues zu Hause finden (weitläufig eingezäuntes Gelände mit Futterstellen).

- Unheilbar kranke Tiere, die nicht in ihr gewohntes Revier entlassen werden können, sollten unter Konsultation eines Tierarztes gegebenenfalls friedvoll euthanasiert und von ihrem Leiden erlöst werden.

- Begleitende Maßnahmen, die andernfalls kontraproduktiv zum Programm laufen würden; dazu gehören:
• Kastrationspflicht auch für Tiere in Privathaushalten;
• Zuchtverbot für Hunde;
• Sensibilisierung der Bevölkerung, dass Tiere als fühlende und zu respektierende Lebewesen behandelt werden sollten.