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Todesursachen

 

Die Todesursachen von Eisbären und anderen Tieren in Gefangenschaft zu analysieren, um etwas mehr über deren tatsächliche Lebensqualität zu erfahren, ist sehr schwierig. Zoos geben in den meisten Fällen keinerlei Einblicke in Obduktionsberichte und entscheiden in fast allen Fällen meist selbst über Leben und Tod ihrer Insassen.

Um die Todesursachen doch noch ein wenig analysieren zu können, haben wir uns das internationale Zuchtbuch von 1994 herangezogen. Darin fanden wir eine Auswertung der Zuchtbuchführerin Frau Dr. Linke zu den Todesursachen der Eisbären, die bis zu diesem Jahr starben.

So enthielt das Zuchtbuch (bis 1994) genau 922 verstorbene Eisbären. Von diesen 922 Eisbären gab es jedoch nur für 276 Tiere (30%) Hinweise über die Todesursachen. Von 646 verstorbenen Eisbären (70%) wusste man also nicht, woran sie starben (siehe Abb. 1).
Diese erschreckende Zahl deckt sich mit der bereits oben genannten Tatsache, dass Zoos grundsätzlich detaillierte Angaben zu Todesursachen und ein Einsichtsersuchen in Obduktionsberichte oft grundsätzlich verweigern. Warum eigentlich, wenn sie doch nichts zu verbergen haben?

 

Abb. 1

 

Von den 276 Eisbären, über deren Todesursache es Kenntnisse gab, waren 168 Eisbären (18%) älter als 1 Jahr und 108 Eisbären (12%) jünger als 1 Jahr (siehe Abb. 1). Diese Zahl der unter 1 Jahr verstorbenen Eisbären liegt reell jedoch viel höher, wie Sie später im Kapitel über die Zucht erfahren werden. Dieser kleine Wert zeigt hier lediglich an, dass von diesen 108 Eisbären Angaben zu genauen Todesursache vorlagen.

Interessanter werden die Zahlen erst, wenn man sich eine Todesursache, die „Tötung durch einen männlichen Eisbären“, näher betrachtet. In der Abbildung 2 wird sehr gut deutlich, dass gerade junge und unerfahrene Eisbären von erwachsenen und erfahrenen Eisbären getötet werden.

 

Abb. 2
Im vorherigen Kapitel „Einzelgänger“ haben wir bereits deutlich gemacht, dass es für Eisbären prinzipiell schwer ist, einem anderen Eisbären auf den Bärenanlagen auszuweichen. Angesichts der Zahlen zum Alter der getöteten Eisbären (Abb. 3) wird noch offensichtlicher, dass es wohl für besonders junge Eisbären (52%) besonders dramatisch ist, wenn sie in eine völlig neue und unbekannte Gruppe integriert oder an erwachsene Eisbären gewöhnt werden sollen.

 

Abb. 3

 

Bei den 10 Eisbären, mit Alter 10-19 Jahre, die von einem anderen Eisbären getötet wurden, handelte es sich ausschließlich um Bären weiblichen Geschlechtes. Dies lässt auch hier den Rückschluss zu, dass die eigentliche Ursache für den Tod dieser Tiere mit großer Wahrscheinlichkeit in der artuntypischen, also nicht einzelgängerischen Haltung (siehe auch Dominanz im Kapitel Einzelgänger) zu suchen ist.

 

Betrachtet man die obige Abbildung (Abb. 4), stellt sich auch die Frage, ob die eher wenigen Todesfälle bei Wildfängen ihre Erklärung darin haben, dass diese Bären es noch bei ihren in Freiheit lebenden Müttern gelernt haben, mit aggressivem Verhalten (das der Mutter im Abnabelungsprozess) besser umzugehen. Denn Eisbärenbabys in Gefangenschaft werden sehr oft zu früh von ihren Müttern getrennt (siehe Wilbär, Zoo Stuttgart Wilhelma). Dies hat oft zur Folge, dass den Heranwachsenden der natürliche Abnabelungsprozess fehlt, der mit anfänglich spielerischen und harmlosen Kämpfen, später dann aber mit echten aggressiven Gebärden und leichten Verletzungen, bis zur Abnabelung einhergeht.