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Das unbekannte Leben der Kaninchen

Bestimmt denken Sie bei Kaninchen an süße, flauschige Gefährten, die über Wiesen flitzen, Haken schlagen und von Kindern gerne als „Haustiere“ gehalten werden.

Dabei vergessen viele, dass kein anderes Tier vom Menschen so vielfältig ausgebeutet wird wie das Kaninchen: Es wird als Pelz- und Fleischlieferant sowie Labor- und Kuscheltier missbraucht – nichts bleibt Kaninchen erspart. Sogar ihre Embryonen werden ihnen weggenommen und in Versuchslaboren verwendet.

 

Kaninchen brauchen viel Platz © Verena Stiess; Freilaufkaninchen.de
Doch macht Kaninchen all das überhaupt etwas aus? Wie leidensfähig sind diese stillen Tiere, die nur selten Lautäußerungen von sich geben? Was wissen wir wirklich über die Langohren und ihre natürliche Lebensweise? Wer einmal die Möglichkeit hat, eine Kaninchenfamilie in natürlicher Umgebung zu beobachten, wird feststellen, dass das Leben dieser Tiere nichts mit dem gemeinsam hat, was Kaninchen durch den Menschen widerfährt, sei es im Labor oder auch zu Hause im Käfig.

 

Kontaktliegen © Verena Stiess; Freilaufkaninchen.de
SOZIALLEBEN
Kaninchen leben in Gruppen. Es gibt eine Rangordnung, die sich Kaninchen durch Kämpfe erarbeiten und die sie im Laufe der Zeit und bei Streitigkeiten immer wieder anpassen. Das ranghöchste Kaninchen übernimmt Verantwortung und ist für die Erziehung des Nachwuchses zuständig. Oft ist es damit beschäftigt, sein Revier zu markieren. Außerdem hält es regelrecht Wache und sichert so die Umgebung ab, wenn seine Familie ruht. Das sogenannte „Kontaktliegen“, bei dem mehrere Tiere lang ausgestreckt sehr dicht beieinander liegen, fördert den Zusammenhalt der Gruppe. Gegenseitige sorgfältige Fellpflege festigt ebenfalls die sozialen Strukturen.

In Versuchslaboren gibt es für Kaninchen weder Gruppenhaltung noch Auslauf. Stattdessen sind sie einzeln eingesperrt und sehen niemals das Tageslicht, spüren niemals frisches Gras oder Erde unter ihren Pfoten.



Körperpflege © Verena Stiess; Freilaufkaninchen.de
TAGESABLAUF & PLATZBEDARF
Kaninchen haben einen festen und regelmäßigen Tagesablauf. In den frühen Morgenstunden und abends vor der Dämmerung sind sie sehr lebhaft und aktiv. Dabei rennen und hoppeln, klettern und springen sie durch ihr Revier. Dazwischen allerdings, etwa zwischen 10 und 18 Uhr, pflegen sie eine ausgiebige „Mittagspause“. Dann stehen in erster Linie Ruhe und teils auch Geselligkeit auf dem Programm. In der Mittagshitze werden gerne schattige Plätzchen aufgesucht, ansonsten verstecken Kaninchen sich bevorzugt an etwas geschützteren Stellen, gerne unter überhängenden Ästen oder Büschen.

In Versuchslaboren leben Kaninchen einzeln in kleinen Gitterboxen, ohne Einstreu, ohne Kontaktmöglichkeiten miteinander, ohne herumlaufen, sich verstecken oder bequem liegen zu können. Ihre Umgebung ist vollkommen kahl und unstrukturiert, dafür aber herrscht ein permanenter Lärm- und Stresspegel.

Artgerechte Kaninchennahrung - z.B. Löwenzahn © Verena Stiess; Freilaufkaninchen.de
ERNÄHRUNG
Kaninchen verbringen sehr viel Zeit mit der Nahrungsaufnahme. Ihr Verdauungstrakt ist auf verhältnismäßig große Mengen energiearmer, rohfaserreicher Nahrung ausgerichtet. Das bedeutet: Gräser, Kräuter und anderes Grünfutter stehen täglich auf dem Speiseplan. Viele Stunden am Tag mümmeln die Kaninchen ruhig vor sich hin. Eine ausgewogene Mischung frischer Grünfutterarten deckt Energie-, Vitamin-, Nährstoff- und Wasserbedarf der kleinen Tiere nahezu vollkommen.

Die vorrangige Fütterung mit energiereichem Trockenfutter hingegen, die leider sowohl in der „Heimtierhaltung“ als auch in Versuchslaboren sehr verbreitet ist, ist vollkommen unnatürlich und wird von den Kaninchen nur schlecht vertragen. Das empfindliche und lebensnotwendige Gleichgewicht von Bakterien und Mikroorganismen in ihrem Darm wird nachhaltig geschädigt. Es kommt zu massiven Aufblähungen und gefährlichen Stoffwechselerkrankungen. Die Zähne werden nicht mehr vernünftig abgenutzt und wachsen in die Länge (und im schlimmsten Fall bis ins Zahnfleisch).

 

Neugieriges Kaninchen © Verena Stiess; Freilaufkaninchen.de
KOMMUNIKATION & EMPFINDEN
Zur Kommunikation nutzen Kaninchen eine ganze Palette von Möglichkeiten, wobei der Geruchssinn die wichtigste Rolle einnimmt: Sie streichen beispielsweise mit Duftdrüsen unter dem Kinn über Eckpunkte ihres Reviers. Um Unterwerfung zu demonstrieren, schieben Kaninchen ihre Nase ganz flach unter den Körper des ranghöheren Tieres. Mit verschiedenen Grunzlauten tun sie ihren Unmut kund, andere Grunzlaute wiederum können bedeuten, dass ihnen etwas besonders gut schmeckt. Bemerken sie eine Gefahr, trommeln sie rasch mit den Hinterbeinen auf den Boden, um ihre Familie zu warnen. Dann rasen alle blitzschnell in Deckung. Solche Fluchtversuche können im Labor schmerzhaft am Käfiggitter enden.

Ihre Sinne sind weit entwickelt, so haben Kaninchen ein sehr großes Gesichtsfeld und können vor allem in der Dämmerung relativ gut sehen. Sie können sehr gut hören und dank ihrer Tasthaare unfallfrei auch im Dunkeln Engpässe passieren. Ihr Nervensystem ist genauso ausgeprägt wie das anderer Wirbeltiere, sie empfinden wie wir Schmerzen. Ein leidendes, verängstigtes Kaninchen verhält sich meistens vollkommen lautlos und unauffällig, drückt sich in eine Ecke und wirkt apathisch.

 

Kaninchen mit verätzter Haut in einem Labor
In Versuchslaboren werden an Kaninchen nach wie vor einige der schmerzhaftesten und belastendsten Tests durchgeführt, so z.B. Versuche zur Reproduktionstoxizität von chemischen Substanzen. Bei diesen werden schwangeren Kaninchen täglich potenziell giftige Testsubstanzen verabreicht, um dann kurz vor dem errechneten Geburtstermin Mutter und Föten zu töten, damit Experimentatoren die Effekte des Gifts untersuchen können. Vorher bleiben die Kaninchen ohne tierärztliche Behandlung, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Auch im Bereich der kosmetischen Industrie wurden an Kaninchen über Jahrzehnte berüchtigte Haut- und Augenreizungstest durchgeführt (z.B. der Draize-Test). Aufgrund der EU-Chemikalienrichtlinie REACH werden diese Tests immer noch bei unzähligen Chemikalien angewendet, die Kaninchen leiden dabei enorme Qualen und werden am Ende der Versuche immer getötet.


LINK: Bitte helfen Sie uns, dem Leid der beinahe 100.000 Versuchskaninchen, die jährlich in Deutschland sterben, ein Ende zu bereiten.

 

LINK: Tierversuchsfreie Kosmetik