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Veganismus und die Umwelt

Stand Juli 2012
„Der Lebensmittelkonsum hat über Produktion, Verarbeitung und Transport erheblichen Einfluss auf Umwelt und Natur. Dies gilt vor allem für den Fleischkonsum, aber auch für den Konsum von Milchprodukten. Der hohe Konsum tierischer Produkte in Deutschland, welche je ‚Kalorie‘ deutlich mehr Fläche als pflanzliche Produkte beanspruchen, ist im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung und die gravierenden Umweltfolgen einer intensiven Landwirtschaft nicht global verallgemeinerungsfähig.“ So ist es im Umweltgutachten 2012 des Sachverständigenrats für Umweltfragen zu lesen. (1)

Veganer, Menschen, die also keinerlei tierische Produkte zu sich nehmen, sind folglich definitiv die wirkungsvollsten Umweltschützer.

Rohstoffverbrauch

Mit dem Anstieg des weltweiten Fleischverbrauchs werden weltweit riesige Landflächen, und damit ganze Ökosysteme, unwiederbringlich zerstört, um Platz für die Aufzucht von Tieren und den Anbau von Futtermitteln zu schaffen. Vor allem die Waldbestände fallen der ressourcenverschlingenden Fleischindustrie zum Opfer – allein in Südamerika wurden in den letzten 40 Jahren 40% des Regenwaldes für die Produktion von Fleisch abgeholzt. Zwischen 2001 und 2004 wurde im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland, nämlich 540.000 Hektar, vernichtet. Doch auch das Gleichgewicht des Bodens und der darin enthaltenen Nährstoffe leidet unter der Tierhaltung. Dies hat folgenschwere Konsequenzen, immerhin werden 70% der landwirtschaftlich genutzten Fläche von der Tierwirtschaft in Anspruch genommen. (2, 3, 4, 5, 6)

Ähnlich ist es bei Wasser, denn der Wasserhaushalt wird ausschlaggebend durch die Tierwirtschaft beeinträchtigt. Es ist mittlerweile unstrittig, dass Trinkwasser immer kostbarer und rarer wird, ungleich verteilt ist und auch das Wassermanagement eine wichtige Rolle spielt. Bedenkt man, dass etwa 70% der erschlossenen Wasserressourcen in die Landwirtschaft fließen, und die Fleischindustrie dabei besonders wasserintensiv ist, so ist hier ein großer Ansatzpunkt, um wassersparender zu leben. Denn für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch benötigt man rund 15.500 l Wasser, eine Menge mit der man ein Jahr lang täglich duschen könnte. Auch die anderen tierischen Produkte schneiden im Vergleich zu den pflanzlichen deutlich schlechter ab, was ihren Wasserfußabdruck angeht: Verbraucht ein Kilogramm Butter über 5500 l und ein Liter Milch 1000 l Wasser, so benötigt ein Kilogramm Kartoffeln nur knapp 290 l, Salat und Tomaten etwas über 200 l Wasser. (2, 7, 8, 9)

Klimawandel und Luftverschmutzung

Die Treibhausgase Kohlenstoffdioxid, Methan und Stickoxid gelten als Hauptursache für den Klimawandel. Diese drei werden verstärkt in der Tierwirtschaft erzeugt, entweder direkt durch den Verdauungsprozess oder die Ausscheidung der Tiere oder indirekt durch die Produktionsprozesse, die Abholzung der Wälder für Weideflächen oder die Anpflanzung von Futtermitteln. Deshalb schreiben Studien der Tierwirtschaft, und damit dem Konsum tierischer Produkte, einen Anteil von über 50% am Klimawandel zu! (10)

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) kommt in einem Bericht von 2008 zu dem Schluss, dass eine pflanzliche Ernährung über 40% der Treibhausgasemissionen einsparen könnte. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) resümiert in einer Studie von 2010, dass Fleisch und Milchprodukte den Unterschied in der persönlichen Klimabilanz machen, schließlich kann der durch die Landwirtschaft bedingte Ausstoß von Methan und Lachgas hierdurch um mehr als 80% reduziert werden. Auch das Worldwatch Institut oder das Öko-Institut Freiburg zeigen in Berichten und Studien, dass die vegane Lebensweise die klimafreundlichste ist. Der Klimawandel ist eines der drängendsten Probleme, denen wir uns weltweit stellen müssen. Tun wir nichts, so können laut renommiertem Stern-Bericht von 2006 Kosten von bis zu 5,5 Billionen Euro bis 2100 auftreten. Sein Verfasser, der Ökonom Nicolas Stern, kritisiert deshalb auch den Konsum von Fleisch. (10, 11, 12, 13, 14)

Daneben produziert die tierische Landwirtschaft extreme Mengen an Staub, Feinstaub und anderen schädlichen Stoffen, welche die Luft verpesten. Dazu zählt auch das stark riechende, giftige Ammoniak, das schädlich für Gesundheit und Umwelt ist. Es entstammt zu 94% der Agrarwirtschaft und davon zu 64% der Tierwirtschaft (durch den Dung der Tiere). Zum einen verschlimmert es die Lebensbedingungen der Millionen Tiere in den Ställen, nimmt ihnen die Luft zum Atmen und schädigt ihre Lungen – auch für den Menschen ist es gesundheitsschädigend – und zum anderen verursacht es sauren Regen, der dann Pflanzen, Gewässer und die darin lebenden Wasserbewohner wie Fische und sogar Bauwerke gefährdet. (3, 4, 6)

Wasserverschmutzung

Die Intensivtierhaltung produziert jedes Jahr unglaubliche Mengen an Gülle, Mist und Dung. Da tierische Ausscheidungen – im Gegensatz zu den menschlichen – nicht durch Kläranlagen behandelt werden, gelangen diese in das Wassersystem und können sich schlussendlich in Flüssen, Seen und unserem Trinkwasser wiederfinden.
Die Ausscheidungen der Tiere, die mit all den in der Intensivtierhaltung eingesetzten Medikamenten und vorkommenden Krankheitserregern versetzt sind, werden als Düngemittel für Felder benutzt. So landen viele Tonnen Gülle zuerst zur Zwischenlagerung in riesigen Gruben oder Silos und später auf Pflanzen bzw. dem Boden und belasten dadurch sowohl die Luft als auch das Wasser. Darüber hinaus können Bäche und Flüsse die Ausscheidungen von den Anlagen bis ins Meer tragen. Der Stickstoff aus Tierausscheidungen und Düngemitteln, die hauptsächlich zur Produktion von Futtermitteln verwendet werden, sowie die Medikamente führen dazu, dass die Vielfalt und Stabilität der Meere bedroht wird. Die Medikamenten-Rückstände stellen auch durch diesen Weg eine gesundheitliche Gefährdung des Menschen dar. (4, 6)

Tiermissbrauch

Doch die Fleischindustrie verschmutzt nicht nur unsere Umwelt. Sie nutzt auch jede Möglichkeit, so viel Fleisch, Milch und Eier so schnell, so billig und auf so wenig Raum wie möglich zu produzieren – das führt zu elenden Bedingungen, unter denen Tiere leben und sterben müssen. Für weitere Informationen zu dieser Problematik lesen Sie bitte unsere Faktenblätter zum Thema Veganismus und Intensivtierhaltung.

Was Sie tun können

Der Umstieg auf eine rein pflanzliche Ernährung ist ein sehr wichtiger Schritt: Sie tun damit dem Planeten, all seinen Bewohnern und sich selbst einen großen Gefallen. Es gibt heutzutage so viele großartige vegane Optionen, dass Sie nach Ihrem Umstieg sagen werden, es hätte Ihnen noch nie besser geschmeckt. Mit dieser einfachen Entscheidung können Sie die Welt verändern.

Werfen Sie unter PETA.de/Veganesleben einen Blick auf leckere Rezepte, Informationen über eine gesunde Ernährung, Tipps zum Einkaufen und vieles mehr. Außerdem können Sie dort PETAs kostenloses Veggie Starter Kit bestellen oder sich beim Veganstart-Programm anmelden.


Quellenangaben:

(1) Sachverständigenrat für Umweltfragen (2012): Umweltgutachten 2012. Verantwortung in einer begrenzten Welt. http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/01_Umweltgutachten/2012_Umweltgutachten_2012_KFE.pdf?__blob=publicationFile.
(2) Worldwatch Institute (2004): Meat – Now it’s personal. www.worldwatch.org/system/files/EP174A.pdf.
(3) Food and Agriculture Organisation (2006): A Livestock’s Long Shadow.
(4) Compassion in World Farming (2004): The Global Benefits of Eating Less Meat http://awellfedworld.org/PDF/CIWF%20Eat%20Less%20Meat.pdf.
(5) ZEIT ONLINE: Klimakiller ersten Ranges. http://www.zeit.de/2007/04/Kuh.
(6) Josef Reichholf (2004): Der Tanz um das goldene Kalb. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach.
(7) Stockholm International Water Institute (2004): Water – More Nutrition per Drop. http://www.siwi.org/documents/Resources/Policy_Briefs/CSD_More_nutrition_per_drop_2004.pdf.
(8) Waterfootprint Network. www.waterfootprint.org. Letzter Abruf am 04.07.2012.
(9) WWF Deutschland (2009): Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands. http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/wwf_studie_wasserfussabdruck.pdf.
(10) Worldwatch Institute (2009): Livestock and Climate Change. http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf.
(11) Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2008): BMELV-Bericht zum Klimaschutz im Bereich Land- und Forstwirtschaft. http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Klima-und-Umwelt/Klimaschutz/BerichtKlimaschutz.html#doc376748bodyText21. Letzter Abruf am 04.07.2012.
(12) Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (2010): Klimaschutz durch bewusste Ernährung. http://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/2010/klimaschutz-durch-bewusste-ernaehrung.
(13) Öko-Institut e.V. (2007): Treibhausgasemissionen durch Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln. http://www.oeko.de/oekodoc/328/2007-011-de.pdf.
(14) Tagesanzeiger (2009): Fleisch essen wird einst so verpönt sein, wie betrunken Auto fahren. http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Fleisch-essen-wird-einst-so-verpoent-sein-wie-betrunken-Auto-fahren/story/29078958.