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 »  »  »  » Ranking: Die besten und die schlimmsten Veterinärämter 2013

Die TOP 5 und die FLOP 5 der deutschen Veterinärämter in 2013

PETAs Zusammenarbeit mit Amtstierärzten

Stand Februar 2014
Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden im Sinne des Tierschutzgesetzes daraufhin tätig werden. Während wir in vielen Fällen in kooperativer Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielen konnten, gibt es noch immer viel zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Ein Grundproblem ist das Fehlen einer neutralen Aufsichtsbehörde, welche schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und maßregelt.

Im nachfolgenden Ranking haben wir die im Jahr 2013 aus unserer Sicht besonders positiv oder besonders negativ aufgefallenen Veterinärämter aufgeführt.

Anmerkung: Wir nennen hier die gesamte Behörde, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstechen.
Chitana mit ihrer neuen Partnerin im belgischen Zoo, hier rechts im Bild / © PETA

TOP 5 – die besten Veterinärämter 2013

1. Veterinäramt Landkreis Segeberg

Im Zirkus Las Vegas musste die aus Afrika stammende Elefantin Chitana in tierschutzwidriger Einzelhaltung leben. Jede Nacht ihres Lebens wurde sie an zwei Beinen angekettet. In der Dressur kam der spitze Elefantenhaken zum Einsatz. Trauriger Alltag für Elefanten in deutschen Zirkusbetrieben. Bei vielen Veterinärbehörden stieß PETA mit ihrer Beschwerde auf taube Ohren. Doch der Zirkus Las Vegas hat nicht mit den engagierten Amtsveterinären aus Bad Segeberg gerechnet, die Chitana im Mai 2013 unter massivem Polizeischutz und mit Rückendeckung der Staatsanwaltschaft aus dem Zirkushorror befreiten. Die 29-jährige Chitana lebt jetzt ohne Ketten, dafür mit Artgenossen in einem Zoo in Belgien. Weitere Informationen hier.

 

2. Veterinäramt der Stadt Lübeck
Nach einem Hinweis von PETA leitete das Veterinäramt in Lübeck mit Hilfe der Wasserschutzpolizei im Juni 2013 ein Verfahren gegen einen Berufsfischer ein, der im Hafen von Travemünde kistenweise lebende, nach Luft schnappende Flundern in Kisten ohne Wasser verkaufte. Gemäß der Tierschutz-Schlachtverordnung müssen Fische im Wasser gehältert werden, da sie sonst langsam und qualvoll ersticken. Der Verkauf von lebenden Fischen ist verboten. Weitere Informationen hier.
Anfang des Jahres verfügten die Lübecker Amtsveterinäre nach Anzeige von PETA zudem die Rückführung von zwei schwangeren Kamelen aus einem Wanderzirkus zurück in ihr Winterquartier. Gemäß der Zirkus-Leitlinien dürfen hochschwangere und säugende Tiere keinen Reisestrapazen ausgesetzt werden.

 

3. Veterinäramt der Stadt Bielefeld
Mit Hilfe des entschiedenen Durchgreifens der Bielefelder Amtstierärzte wurde 2013 die Nerzfarm des Züchters Alfons Grosser nach über 30 Jahren endlich geschlossen. Laut einem neuen Gesetz hätte Grosser die Haltungsbedingungen schon 2011 mit hohem Aufwand verbessern müssen – zu teuer für den Nerzfarmer, dessen einziger Antrieb der Profit ist. Mit juristischen und ordnungsrechtlichen Tricks und Verzögerungstaktiken versuchte der Nerzfarmer, den Betrieb noch jahrelang illegal weiterlaufen zu lassen. Doch per Schließungsverfügung, einem Zwangsgeld in Höhe von 24.000 Euro sowie einem Ordnungswidrigkeitsverfahren zwang das Bielefelder Veterinäramt Alfons Grosser zu einem außergerichtlichen Vergleich, der die Schließung der Nerzhölle beinhaltete. Das Leid von tausenden Nerzen durch weitere illegale Nachzucht wurde verhindert. Weitere Informationen hier.

 

4. Veterinäramt der Stadt Halle
Tierquälerei in der Kunst – dieses Thema sorgte auch in Halle/Saale für Aufregung, als eine Studentin der Kunsthochschule „Burg Giebichenstein“ für ihre Abschlussarbeit einen Film präsentierte, auf dem ein kleiner Vogel minutenlang in eine Wollschnur eingewickelt wurde. Der Vogel befand sich dabei in einer Schreckstarre – ein Zustand, der als Indiz für Todesängste bei Vögeln gilt. Nach unserer Anzeige beim städtischen Veterinäramt wurden beachtliche Ermittlungen durchgeführt, in deren Zuge die Studentin ermittelt und die verantwortlichen Lehrkräfte befragt wurden. Letztendlich konnte der Fall nicht konkret geahndet werden, weil die Studentin aus Spanien stammte und dort auch die Tierquälerei begangen hat. Doch auch das Veterinäramt Halle kam zu der Einschätzung, dass die Ermittlungen zu einer Sensibilisierung bei den Verantwortlichen der Kunsthochschule beitrug. Weitere Informationen hier.

 

5. Veterinäramt Landkreis Aichach-Friedberg
Wie bereits 2012 schafften es die Amtstierärzte aus dem Landkreis Aichach-Friedberg erneut in PETAs TOP-Rangliste. Einige Zirkusbetriebe versuchen mit einer neuen Masche, Besucher anzulocken: süße, neugeborene Tierbabys. Obwohl die Zirkusleitlinien Zirkusbetrieben ausdrücklich untersagen, mit hochschwangeren und säugenden Tieren herumzureisen, kam im Zirkus Henry beim Gastspiel im bayerischen Kühbach ein Eselbaby zur Welt. Da die Reisestrapazen im Zirkus Tiermütter und -babys hohen Risiken aussetzen, haben die engagierten Amtstierärzte nach Anzeige von PETA ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Zirkus eingeleitet sowie ein mehrwöchiges Reiseverbot verhängt, um die Belastungen für die Tiere möglichst gering zu halten. Weitere Informationen hier.

Geflügelzüchter Lohmann: Männliche Küken für die Vergasungstonne © Polizeifoto Ausschnitt

FLOP 5 – die schlimmsten Veterinärämter 2013

1. Veterinäramt Landkreis Cuxhaven
Nach Anzeige von PETA ermittelt die Staatsanwaltschaft mittlerweile nicht nur gegen eine Brüterei-Anlage des Konzerns Lohmann (LZT), sondern auch gegen das Veterinäramt im Landkreis Cuxhaven. Ein Gutachten des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit brachte 2013 zutage, dass dort seit Jahren mit offensichtlicher Billigung der Cuxhavener Amtstierärzte männliche Eintagsküken systematisch unter extrem tierquälerischen Bedingungen vergast wurden. Der Todeskampf der Küken dauerte teils mehrere Minuten, wobei tote und lebende Küken haufenweise übereinander lagen. Des Weiteren fielen die Küken aus zu großer Höhe in die ungepolsterte Tötungsanlage, so dass der Aufprall bzw. der Zusammenprall mit den anderen Küken für Schmerzen und Verletzungen bei den Tieren sorgte.Weitere Informationen auf PETA.de/Lohmann

 
 

2. Veterinäramt Landkreis Emsland
Im Emsland sorgte 2013 ein Fall von abgemagerten Pferden und in kleine Käfige (sogenannte Fangwagen) eingesperrte Galloway-Rinder für großes Aufsehen. Die Rinder schrien Zeugen zufolge stundenlang vor Durst, so dass sich auch Nachbarn bei den Behörden beschwerten. Trotz Strafanzeige von PETA gegen den Tierhalter bei der Ortschaft Klein Hesepe sowie zahlreicher Meldungen an das Veterinäramt änderte sich an den tierquälerischen Zuständen monatelang nichts. Daher wurde seitens PETA auch Strafanzeige gegen das Veterinäramt im Landkreis Emsland erstattet. Eines der Pferde wurde im Dezember 2013 nach Hinweis eines örtlichen Tierschutzvereins von der Polizei tot auf dem Gelände des Tierhalters aufgefunden. Weitere Informationen hier.

3. Veterinäramt Landkreis Wetterau
Dieses Veterinäramt kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nachdem die Amtstierärzte aus der Wetterau bereits 2012 wegen der toten Elefantin Maya in der FLOP-Liste landeten, war 2013 erneut ein toter Elefant zu beklagen. Im Juni machte sich der hessische Schausteller Rene Renz mit der alten und kranken Mädi auf den Weg ins über 2.000 Kilometer entfernte Estland, wo die Elefantendame qualvoll starb. Ein heißer Tipp von Tierschützern an das Amt sollte den illegalen Transport eigentlich schon im Vorfeld verhindern. Doch anstatt eine unangekündigte Kontrolle durchzuführen, riefen die Amtstierärzte aus der Wetterau zunächst bei der Schausteller-Familie in Friedberg an, um sich zu erkundigen, ob denn ein Elefant in deren Besitz sei. Eine anschließende Kontrolle vor Ort verlief natürlich erfolglos – die Tragödie nahm ihren Lauf. Weitere Informationen hier.

 

4. Veterinäramt Oberbergischer Kreis
Auf einem Auge blind sind die Amtstierärzte aus dem Oberbergischen Kreis, die dazu verpflichtet sind, Tierschutzmissstände zu ahnden und abzustellen – auch auf dem „Vieh- und Krammarkt“ in Waldbröl. Nachdem PETA zahlreiche Meldungen von lokalen Tierfreunden über diesen Tiermarkt erhielt, haben sich PETA-Ermittler im Mai 2013 selbst auf dem Tiermarkt umgesehen und tatsächlich schockierende Missstände dokumentiert. Das Veterinäramt war, wie später bekannt wurde, zufällig am selben Tag vor Ort, doch die Amtsveterinäre haben beispielsweise überbesetzte, verdreckte und mangelhaft ausgestattete Käfige für Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel großzügig übersehen. Gleich am Eingang stolperten die PETA-Ermittler zudem über Hühnerkäfige, die auf dem Boden standen, über keinen Sichtschutz verfügten und völlig überfüllt waren. Selbst diese offensichtliche Missachtung der Leitlinien wurde von den Amtsveterinären nicht beanstandet. Weitere Informationen auf PETA.de/Tiermarktwaldbroel.


5. Veterinäramt Landkreis Euskirchen
Meldungen über Tierhaltungsmissstände, die von lokalen Tierschützern und auch von PETA an das Veterinäramt im Kreis Euskirchen übermittelt werden, haben keine hohen Chancen, Gehör zu finden. Im Gegenteil: Nach einer Meldung von PETA über eine mangelhafte Pferdehaltung beschuldigte der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Weins, die Organisation sogar, „böswillig falsche Angaben“ von Informanten an das Amt zu übermitteln – obwohl selbst das Amt Mängel einräumte. Nach einer Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landrat musste sich der Amtstierarzt bei PETA zwar entschuldigen, doch war den Tieren damit auch nicht geholfen. Konkret ging es in dem Fall um Pferde, die in verdreckten Boxen gehalten wurden und teilweise unter Mauke, einer bakteriellen Hautentzündung, litten. Bereits 2011 äußerte sich Veterinäramtsleiter Dr. Weins über lokale Tierschutzvereine, die ähnliche Erfahrungen mit dem Amt gemacht hatten, abfällig: „Die berufenen und fachkundigen Tierschützer sitzen im Veterinäramt. Wir haben das studiert und können Verhältnisse als einzige fachlich beurteilen, und irgendein Tierschutzverein kann gar nichts“

Was Sie tun können

Tipps, wie Sie persönlich Tierquälerei stoppen können
Bitte melden Sie Missstände und Tierquälerei konsequent der zuständigen Veterinärbehörde in Ihrer Stadt oder Ihrem Landkreis. Fassen Sie Ihre Beobachtungen detailliert und sachlich zusammen. Fertigen Sie möglichst Bild- und Videomaterial an. Unbedingt sollten Sie nach Ihrer Meldung beim Veterinäramt so lange nachfassen, bis der Missstand beseitigt ist (Fallbericht). Das kann ermüdend sein, ist aber für das jeweilige Tier die einzige Chance! In dieser Übersicht finden Sie ausführliche Tipps, wie Sie vorgehen sollten.