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PETA-Recherche zu Vogelbörsen und -ausstellungen

Was Sie gegen das Leiden tun können

Stand März 2013
3,5 Millionen „Ziervögel“ leben in deutschen Haushalten.(1) An den Wochenenden finden bundesweit Vogelausstellungen und -börsen statt: Es werden Zuchten präsentiert und Vögel wie „Ware“ verkauft. Für die Vögel bedeuten diese Termine regelmäßig tagelangen Stress und Angst – um menschliche Zucht- und Sammelleidenschaft zu befriedigen. Obwohl ihr Leid unübersehbar ist, verschließen Verkäufer, Züchter und Besucher ihre Augen vor dem Offensichtlichen. Tradition rechtfertigt keine Tierqual. PETA recherchierte auf mehreren Ausstellungen und Börsen.

 

 

Gefangen im engen Käfig.
Auf Vogelausstellungen und -börsen sind die unterschiedlichsten Vögel zu sehen: Allen gemein sind ihre wunderhübschen Farben – und der Käfig, in den Händler und Züchter sie gepfercht haben und der ihnen die Freiheit raubt. Gitter, die die Vögel hindern, ihre Flügel zu nutzen.

Die Verantwortlichen dieser Qual – Ausrichter, Händler und Züchter – sind alarmiert, weil immer mehr Menschen an der Präsentation und dem „Verramschen“ der Vögel Kritik üben. Wohl aus Furcht vor den berechtigten Beanstandungen von Tierschützern und den geforderten Veränderungen ihrer festgefahrenen Traditionen war auf der 64. Deutschen Meisterschaft der Kanarienzüchter in Bad Salzuflen im Januar 2012 Fotografieren und Filmen streng verboten. Diese Veranstaltung, die Börse und Ausstellung kombiniert, war bereits im Vorfeld heftigst kritisiert worden, weil die Verantwortlichen schon rein organisatorisch alle Tierschutzmindeststandards mit Füßen treten.

Erste Erfolge
Trotz des Widerstands der Züchter und Händler zeigen sich erste Erfolge für den Tierschutz: der kleinste Ausstellungskäfig für Gesangskanarien wird auf der "Meisterschaft" des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbundes nicht mehr verwendet. Das ist nicht genug – wir können mehr erreichen! Vögel sind fühlende und hochintelligente Lebewesen und keine „Ware“ oder Spielplatz für Züchter. Helfen Sie uns dabei, diese Tierqual zu beenden!

WAS SIE TUN KÖNNEN

Kein Vogel ist eine „Ware“ – das einzig Wahre ist die Freiheit! Setzen Sie sich mit uns dafür ein, dass diese Veranstaltungen nicht mehr stattfinden. Unterstützen Sie unsere Forderung nach einem Heimtierschutzgesetz, das Vogelbörsen und -ausstellungen verbietet.
Klicken Sie hier, um unsere Online-Petition zu unterstützen.



Was Sie noch tun können


Besuchen Sie weder Vogelausstellungen noch Vogelbörsen.
  • Kaufen Sie niemals Tiere auf Vogelmärkten – auch nicht aus Mitleid.
  • Informieren Sie Freunde und Bekannte über das Tierleid auf diesen Veranstaltungen und verbreiten Sie unsere Informationen.
  • Schreiben Sie Leserbriefe, wenn Zeitungen über Ausstellungen und Börsen berichten
  • Sollten Vogelbörsen und -ausstellungen in städtischen Gebäuden stattfinden, schreiben Sie Ihre Kommune an und drücken Sie Ihr Entsetzen aus, dass diese Tierquälerei unterstützt wird. So könnte Ihr Schreiben aussehen: Anschreiben Vogelbörse (Word Doc) / Anschreiben Vogellausstellung (Word Doc)
  • Sammeln Sie Unterschriftenlisten die sich gegen die Ausrichtung von Vogelbörsen und Vogelausstellungen in Ihrer Stadt aussprechen und die an den Bürgermeiser / die Bürgermeisterin Ihrer Stadt gerichtet sind.
  • Ein Vorlage finden Sie hier: Unterschriftenliste
  • Verteilen Sie Handzettel vor der Veranstaltung und informieren Sie die Besucher.

 

Vögel beim Transport

Das Leiden der Tiere

Tierquälerischer Transport
Bereits der Transport zu einer Börse oder einer Ausstellung bedeutet für die sensiblen und intelligenten Vögel enormen Stress: in engen Behältnissen werden die Tiere zum Teil über weite Strecken transportiert, oft ohne Futter und Wasser.

 

Zu kleine Käfige auf einer Vogelbörse
Die Käfige: eng, klein, verdreckt
Am Zielort werden die Vögel in kleine Ausstellungskäfige umgesetzt. Stark verdreckte Käfige sind auf diesen Veranstaltungen an der Tagesordnung. Die Käfige sind überfüllt oder zu klein. Sauberes Wasser? Immer wieder Fehlanzeige! Wiederholt werden Käfige verwendet, die nicht den Tierschutzmindestanforderungen für Börsen und Ausstellungen entsprechen – weil sie nicht dreiseitig geschlossen sind. Vögel, die in diesen Käfigen kauern, haben keinerlei Rückzugsmöglichkeit und sind von allen Seiten Stress ausgesetzt! Die meisten Börsenverantwortlichen schaffen keinen Abstand zwischen Käfigreihen und Besuchern, die Besuchermassen schieben sich an den Tischen vorbei, stoßen gegen die Käfige, Kinder stecken ihre Finger zwischen die Gitterstäbe. Für Vögel, deren innigster Wunsch und Bedürfnis in dieser Situation das Wegfliegen ist, ein Alptraum!

 

Gestresste Vögel
Gestresste und kranke Vögel
In den Ausstellungs- und Verkaufsräumen herrscht durch das laute Rufen der unzähligen Vögel in ihren Käfigen ein enormer Lautstärkepegel. Viele Tiere fallen durch monotone und stereotype Verhaltensmuster auf. Immer wieder werden auch sehr gestresste und eindeutig kranke Tiere präsentiert – die auch auf Nachfrage vom PETA-Rechercheteam nicht in den Quarantäneraum gebracht wurden. Für die betroffenen Tiere eine Tortur und für andere Vögel eine Gefahr: der Verbreitung von Krankheiten werden Tür und Tor geöffnet. Ein Wellensittich, der apathisch in der Ecke seines Käfigs auf der Seite lag und auch auf ein sanftes Klopfen nicht reagierte, wurde vom verantwortlichen Börsenpersonal als „schlafend“ abgetan.

Tierärztin Josephine Stolze: „Kein Wellensittich oder ein anderer Vogel schläft auf dem Boden, wie von Vogelbesitzern und Börsenpersonal behauptet. Die Tiere sind stark gestresst oder krank. Diese Vögel leiden und können außerdem andere Tiere anstecken. Bei manchen Krankheiten kann auch eine Übertragung auf Menschen nicht 100%ig ausgeschlossen werden.“(2)

 

Tiere werden wie Ware "verramscht"

Ein Ramschmarkt

Auf Vogelbörsen und -märkten werden Vögel zum Kauf und Tausch angeboten – in der traurigen Realität gleichen diese Veranstaltungen einem „Ramschmarkt“.

Käfige werden übereinandergestapelt, Vögel unter Tischen verstaut. Den Händlern geht es um den schnellen Euro. Informationen über lebensnotwendige Bedingungen für Vögel werden verschwiegen, stattdessen werden Schwarmvögel für eine Einzelhaltung angepriesen: verschiedene Händler versichern dem PETA-Rechercheteam, dass mit ausreichender Beschäftigung und im Käfig angebrachtem Spielzeug die Haltung eines einzelnen Tieres selbstverständlich möglich sei – für die sensiblen und sozialen Tiere ist ein einsames Leben eine nur schwer zu ertragene Qual. Geworben wird immer wieder mit Handaufzuchten – dieser beschönigende Begriff benennt das Entreißen der Küken von ihren Eltern, obwohl diese sich um ihren Nachwuchs kümmern können. Der einzige Grund für dieses herzlose Vorgehen ist das Ziel, die Vögel auf Menschen zu prägen und zutraulicher zu machen – eine bessere „Ware“ zu schaffen. Das Resultat sind schwer verhaltensgestörte und unglückliche Vögel. Gegen Ende der Börsen werden Rabatte ausgerufen – frei nach dem Motto: „Alles muss raus“.

 

So genannte „Korkenzieherkrallen“

Rassenwahn

Auf Vogelausstellungen wird die Zucht zu Bewertungszwecken präsentiert. Den einzelnen Vögeln werden bestimmte Merkmale „herausgezüchtet“. Auf der Suche nach neuen, extremen Formen werden immer neue Kreuzungen präsentiert. Die Zuchtausstellungen sind der Spielplatz, auf dem sich größenwahnsinnige Gestalter austoben können. Zuchtverbände stellen die Spielregeln: penible Bewertungsmaßstäbe, nach denen Punkte für die „Zuchtergebnisse“ vergeben werden. Die Grenze zur Qualzucht ist bei vielen Tieren längst überschritten.

Besonders augenscheinlich wird der Zuchtwahnsinn bei Kanarienvögeln: Kanarien werden nach Farbe, Form, Federkleid und Gesang gezüchtet. Viele „Frisurenkanarien“ können wegen der Federhauben nicht mehr sehen und sind faktisch blind – besonders für Fluchttiere eine Qual. Durch das Reiben der Federn auf den geöffneten Augen können Hornhautverletzungen entstehen, die über Einschränkungen der Sehkraft und schmerzhafte Entzündungen bis hin zum Verlust des Auges führen können. Verlängerte Krallen und Wachstumsanomalien, sogenannte „Korkenzieherkrallen“, zeugen von tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen und Vernachlässigung. Für die Vögel bedeuten die Krallen eine erhebliche Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit und bergen ein großes Verletzungsrisiko. Bei den „Gebogene Positurkanarien“ experimentieren unverantwortliche Züchter mit der Körperhaltung der Vögel: die unglücklichen Tiere erinnern an den Glöckner von Notre Dame.

Die Zuchtverbände schreiben darüber hinaus für die verschiedenen „Kanarienrassen“ spezielle Schaukäfige vor. Der Kritik der Tierschützer an den kleinen Käfigen entgegnet ein Züchter im Vereinsblatt „Der Vogelfreund“: „… zu jeder Rasse gehört auch ihr Käfig. Die Käfige sind nicht nur ‚Unterbringungsmittel‘ für die Dauer der Ausstellung, sondern mit den Rassen verbunden und gewachsen!“ (3)

 

Aus Vogelbörsen existiert de facto kein Tierschutz

Tierschutz auf den Börsen und Ausstellungen? Fehlanzeige!

Rechtliche Regelungen für Vogelbörsen und -ausstellungen existieren de facto nicht: Das Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat 2006 lediglich Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten veröffentlicht, die aber explizit nicht rechtsverbindlich sind. Jede Börse soll ihre eigene Börsenordnung erlassen – die in der Regel nicht eingehalten wird. Die Veterinärbehörden scheuen sich, die in den Leitlinien vorgegebenen Mindestanforderungen per Verfügung gegenüber den Börsenbetreibern und den einzelnen Ausstellern festzusetzen – nur dann würden diese juristisch verbindlich werden.

Zwar sind die Veterinärbehörden für die Einhaltung des Tierschutzes auf Börsen und Ausstellungen zuständig, doch in der Realität sind Tierschutzmissstände auf diesen Veranstaltungen systemimmanent – Tierqual und Tierleid stehen unter dem Deckmantel von Tierliebe alle Türen offen.



Quellen:
(1) Quelle: WZF.www.zzf.de/presse/markt. „Der deutsche Heimtiermarkt 2010“. Letzer Zugriff: 03. Februar 2012.
(2) die Tierärztin begleitet das PETA-Rechercheteam auf Ausstellungen, um sich einen Eindruck zu verschaffen
(3) Quelle: Der Vogelfreund. Fachorgan des Deutschen Kanarien- und Vogelzüchter-Bundes e.V. Fachzeitschrift für Vogelzüchter, Vogelliebhaber, Vogelschützer. 12 /2011. 64.Jahrgang. S. 546.