
Achtzig Prozent der hungernden Kinder leben in Ländern, die eigentlich einen Nahrungsüberschuss aufweisen; doch die Kinder bleiben hungrig, weil Landwirte den Getreideüberschuss an Tiere statt an Menschen verfüttern.
Landwirte in Entwicklungsländern geben ihren traditionellen Getreideanbau zugunsten der Aufzucht von Tieren auf, um Fleischesser in den Industrieländern bedienen zu können. Das bedeutet, dass in einigen der weltärmsten Länder Getreide und Land, die für die Ernährung der Hungernden genutzt werden könnten, stattdessen zur Fütterung von sog. "Nutz"-tieren verwendet werden, das dann auf dem Essteller der Reichen landet.
So kam es 1984 zur Hungersnot in Äthiopien, nicht, weil die äthiopische Landwirtschaft keine Lebensmittel produzierte - ganz im Gegenteil: Während der Krise, die zehntausende Menschen das Leben kostete, ímportierten europäische Staaten aus dem verarmten Land Getreide, um damit davon Hühner, Schweine und Kühe in Europa zu füttern. Wäre das Getreide dazu verwendet worden, die äthiopischen Menschen zu ernähren, die es angebaut haben, hätte die Hungersnot abgewendet werden können.
Nach Angaben von Dr. W. Bello, Direktor des Institute for Food and Development Policy, "gibt es genug Nahrung auf der Welt für alle. Aber tragischerweise wird ein Großteil der Nahrung und Fläche der Welt dazu benutzt, Rinder und andere Nutztiere zu erzeugen-also Nahrung für die Reichen - während Millionen Kinder und Erwachsene an Fehl- und Unterernährung leiden. In Zentralamerika wurde der Großteil der Getreideproduktion von der Tierzucht abgelöst, die nun zwei Drittel des kultivierbaren Landes ausmacht."
Amerikanische und europäische Unternehmen ziehen in lateinamerikanischen Ländern ein und kaufen Land und Getreide auf, um "Nutz"-Tiere aufzuziehen und das Fleisch an Fleischesser in den USA und Europa zu verkaufen. Diese Unternehmen benutzen die Ressourcen, die zur Ernährung der örtlichen Bevölkerung verwendet werden sollten, daher hungern Millionen Menschen in Lateinamerika und überall auf der Welt, während für Nahrung gezüchtete Tiere mit Getreide vollgestopft werden und die Umwelt zerstören. In Guatemala beispielsweise sind 75 Prozent der Kinder unter 5 Jahren unterernährt, doch es werden weiterhin über 17.000 Tonnen Fleisch für den Export in die USA produziert. Anstatt die Hungernden der Welt zu ernähren, nehmen wir ihnen das Getreide und das Land, um unsere Sucht nach Fleisch, Eiern und Milch zu befriedigen.