“Deep Throat” lenkt Aufmerksamkeit auf Skandalenthüller
von Mary Beth Sweetland
Das Geheimnis um „Deep Throat“ ist gelüftet: Der ehemalige hochrangige FBI-Beamte Mark Felt gab sich als „Deep Throat“ zu erkennen, der geheime Informant, welcher den Washington Post-Reportern Bob Woodward und Carl Bernstein in den 70er Jahren Informationen zugespielt hatte, die den Watergate-Skandal ins Rollen brachten und Präsident Nixon und das Weiße Haus zum Rücktritt zwangen. Am Fall „Watergate“ kann man deutlich erkennen, welche äußerst wichtige Rolle Skandalenthüller und die Medien in Amerika spielen. Ich erhalte täglich Anrufe von Menschen, die über brisante Informationen verfügen. Zwar geht es hier nicht um korrupte Politiker und auch nicht um Informationen, die zum Sturz eines Präsidenten und seiner Mannschaft führen. Dennoch sind sie wichtig, weil sie Verstöße gegen das Gesetz und schreckliche Tierquälereien aufdecken.
Allein in den letzten Wochen veröffentlichte PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Videofilmmaterial, das Verstöße gegen US-Bundestierschutzgesetze in einem Tierversuchslabor und ungeheuerliche Grausamkeiten gegen Tiere in einem Geflügelschlachthaus dokumentiert. In beiden Fällen ist das Beweismaterial eindeutig, es ist in Farbe und von hoher Qualität (siehe PETA.de). Doch die Reaktionen der beiden verantwortlichen Unternehmen und mancher Zeitungsredakteure nach dem Motto „Erschießt den Informanten!“ macht uns klar, was Mr. Felt wohl dazu bewogen hat, drei Jahrzehnte lang zu schweigen.
Zeuge dieser Tierquälereien zu sein und sie aufzuzeichnen war alles andere als ein Zuckerschlecken. In einem Tierversuchslabor in Vienna, Virginia, USA, das der milliardenschweren Firma Covance mit Sitz in Princeton, New Jersey, gehört, wo für die Pharmaindustrie Tests an Primaten gemacht werden, arbeitete unser Ermittler fast ein Jahr lang undercover - und deckte Schreckliches auf: Für die Mitarbeiter dieser Firma ist es das Normalste auf der Welt, die ihnen anvertrauten Affen zu erwürgen, sie zu schlagen, zu verspotten und anzuschreien. Ein anderer PETA-Mitarbeiter ermittelte zwei Monate undercover als Arbeiter in der Tyson Foods Hühnerverarbeitungsanlage in Heflin, Alabama. Das eben veröffentlichte Videoband zeigt Arbeiter, für die es zum ganz normalen Arbeitsalltag gehört, den Hühnern die Köpfe abzureißen, sie zu Tode zu verbrühen und sie mit Maschinen zu verstümmeln, die nicht richtig funktionieren.
Als Reaktion auf diese Enthüllungen behauptete Covance, das Vorgehen des Ermittlers sei illegal gewesen, und allem Beweismaterial zum Trotz wagte Covance sogar zu behaupten, sie würden die Affen in ihren Versuchslaboren stets gut behandeln. Tyson Foods wollte wissen, weshalb der PETA-Ermittler nicht versucht habe, die Misshandlungen zu stoppen. Rundfunk- und Zeitungsberichte sowie manche Leitartikel stellten diese Frage ebenfalls, hielten es jedoch nicht für nötig, mich auch nur einmal diesbezüglich anzurufen. Tatsache ist: Der PETA-Ermittler hat wiederholt versucht, das Fließband im Schlachthaus zu stoppen, wo die Hühner noch bei vollem Bewusstsein zu den Siedetanks befördert wurden. Er beschwerte sich immer wieder über die Misshandlungen. Seine Vorgesetzten schenkten seinen Beschwerden jedoch keinerlei Beachtung.
Die allumfassende Frage hier ist jedoch: Wann wurde es zur schlechten Sache, Leute auffliegen zu lassen, die gegen das Gesetz verstoßen? Würde Mr. Felt heutzutage auch noch konspirative Treffen in Tiefgaragen riskieren?
So viel ist klar: Ohne die Courage der Skandalenthüller und Undercover-Ermittler sowie die unvoreingenommene Berichterstattung der Medien würden die Angestellten in den Tierversuchslaboren, die PETA in den letzten 25 Jahren untersucht hat, immer noch Kaninchen mit ihren Fäusten totschlagen, die Köpfe von Pavianen einschlagen und sich dann über die hirngeschädigten Opfer lustig machen, junge Kätzchen und Affen durch Zusammennähen ihrer Augenlider blind machen, Hunde in Schusswundentests erschießen, Schweine in Autocrashtests töten und vieles mehr. Wir sollten daher alle dankbar sein, dass es Menschen wie Mr. Felt gibt, die Ungerechtigkeiten ans Licht bringen.
Mary Beth Sweetland ist Vizepräsidentin und Direktorin für Forschung & Ermittlung bei PETA, 501 Front St., Norfolk, VA 23510; PETA.org