Der neue Herbst-Trend: Kunstpelz
von Robin Wesley / PETA USA
Vor ein paar Tagen habe ich die neuen Modemagazine für den Herbst durchgeblättert und überrascht festgestellt, dass diesen Herbst ein Accessoire scheinbar extrem angesagt ist: Kunstpelz!
Das hat mich wirklich überglücklich gemacht. Im vergangenen Jahr waren die Modemagazine nämlich leider voll von pelzigen Designs – in einer Zeitschrift fand ich einen zweiseitigen Artikel über Pelzmäntel und Schals, die mit einem Hauch von 24-karätigem Gold überzogen waren. Doch in diesem Jahr ist aufgrund der maroden Wirtschaft Geprahle „out“ und Sparsamkeit „in“! Viele Trendsetter präsentieren sich in Kunstpelzjacken, anstatt echte Felle aufzutragen.
Ich hoffe, dass sich so viele Menschen wie möglich diesem Trend anschließen – und das aus einem ganz bestimmten Grund. Viele der Pelzaccessoires und Jackenbesätze werden aus Kaninchenfell hergestellt, da dieses oft günstiger als das Fell anderer Tiere ist. Ich habe in den vergangenen Jahren mit vielen Kaninchen zusammengelebt und kann deshalb mit Bestimmtheit sagen, dass diese Tiere mehr als nur ein Pelzkragen sind.
Genau wie die Hunde und Katzen, mit denen wir zusammenleben, haben Kaninchen eine ganz eigene Persönlichkeit, haben Vorlieben und Abneigungen. Eines meiner Kaninchen, Henry, wollte immer im Mittelpunkt stehen und setzte sich deshalb mitten in mein Wohnzimmer, wenn ich fernsah, oder machte es sich auf dem Sofa gemütlich, alle Viere von sich gestreckt.
Meine Kaninchen Cozy und Freya verliebten sich ineinander und waren seitdem unzertrennlich. Ganz egal, wo sie gerade waren, sie saßen immer ganz dicht beisammen. Wenn ich Cozy streichelte, leckte er mich ab. Freya knabberte vorsichtig an meinem Unterarm. Sie waren echte Leckermäuler und liebten Bananen, Äpfel und Rosinen.
Kaninchen gehen lebenslange Freundschaften mit ihren Artgenossen und ihren menschlichen Begleitern sowie anderen Tieren in ihrem Zuhause ein. Henry und meine Katze Winnie jagten sich immer gegenseitig durch mein Haus und spielten miteinander. Wenn meine Katze Josie Henry putzte, rieb er seine Zähne aufeinander – ein Zeichen, dass es ihm gefiel. Am liebsten mochte er es, wenn sie sein Gesicht putzte.
Kaninchen sind von Natur aus extrem saubere Tiere. Man kann sich also vorstellen, wie es ihnen auf Pelzfarmen geht, wo sie in winzigen, dreckigen Käfigen inmitten ihrer eigenen Ausscheidungen leben müssen.
Der Direktor von PETA Asia und ein Mitarbeiter besuchten vor kurzem eine typische Kaninchenpelzfarm in China. Und was ihnen als erstes entgegenschlug, war der furchtbare Gestank – eine widerliche Kombination aus Urin, Kot und Häuten, die in der Sonne trockneten.
Kaninchen haben nicht grundlos derart starke Hinterbeine. Sie wollen herumspringen – meine Kaninchen rennen durchs Haus und schlagen wilde Haken, springen in die Luft und schlagen mit ihren Beinen.
Auf der Pelzfarm, die PETA Asia besuchte, saßen hunderte Kaninchen in Einzelkäfigen, die kaum größer als sie selbst waren, in der eisigen Kälte. In jedem Käfig, Reihe für Reihe, saß ein einzelnes Kaninchen ganz alleine.
Wenn die meisten Menschen an Pelzfarmen denken, fällt ihnen als erstes die schreckliche Schlachtung der Tiere ein. Die Mitarbeiter von PETA Asia sahen und dokumentierten, wie Arbeiter die verängstigten Tiere aus ihren Käfigen zerrten und ihnen den Kopf umdrehten – sie brachen ihnen so zwar das Genick, töteten sie aber nicht. Diese Kaninchen waren noch am Leben und krampften, als sie wie Müll in Fässer geworfen wurden.
Wenn ich an Pelzfarmen denke, denke ich nicht nur an den grausamen Tod, sondern auch an die extreme Langeweile und Einsamkeit, die diese Kaninchen Tag für Tag, Monat für Monat, in ihren Einzelkäfigen ertragen müssen, bis sie getötet werden. Kaninchen können zwar etwas schüchtern sein, aber sie sind keine Einzelgänger. Sie mögen es, wenn man sanft mit ihnen spricht und sie Teil der Familie sind.
Viele Menschen machen sich derzeit Sorgen, sie könnten ihren Job verlieren oder ihre Hypothek nicht mehr zahlen – echten Pelz zur Schau zu tragen wäre wohl wirklich etwas unverschämt, um es vorsichtig auszudrücken. Kein Wunder also, dass Modemagazine diese Saison Kunstpelz bewerben. Doch für alle Kaninchen kann ich nur hoffen, dass dieser Trend auch weit nach der Rezession noch anhält. Grausamkeiten sind niemals „in“!