Stand: Dezember 2012
Menschen, die Tiere schützen wollen und dennoch Eier konsumieren, achten häufig darauf, dass ihre Eier aus Freiland- oder Bio-Haltung stammen. Die 0 auf dem Ei gibt die Herkunft an. Dabei bedeutet „0“ Bio-Haltung. Ermittler von PETA Deutschland wagten im Spätsommer 2012 einen Blick hinter die Kulissen und mussten feststellen, dass die Hühner auch in den sogenannten alternativen Haltungsformen zur bloßen Produktionseinheit degradiert werden. Die Grausamkeit, die die Tiere dort tagtäglich erdulden müssen, steht der in den von der Gesellschaft und dem Gesetz geächteten Käfighaltungen in kaum etwas nach.Die PETA-Ermittler sind schockiert
Was die Ermittler in der besagten Farm in Twistringen im Landkreis Diepholz zu sehen bekommen, stimmt in keiner Weise mit den romantischen Bildern überein, die Verbraucher von der Biohaltung haben. Im Betrieb finden sich tote und sterbende Tiere. Viele Hennen haben eitrige Kloaken, die Hinterteile der Tiere und große Teile der Haut sind wund und federlos. Etliche Hühner sind mit Kot der über ihnen sitzenden Tiere verschmutzt. Das ließe sich mit einer sinnvollen Anordnung der Sitzgelegenheiten vermeiden. Ein massiver Befall mit Vogelmilben konnte dokumentiert werden. Ein solcher Befall macht die Tiere krankheitsanfällig und fördert Entzündungen an den Bissstellen. Außerdem steigt die Seuchengefahr.
Bei der Bio-Haltung ist für die Hühner ein Auslauf vorgeschrieben. Dieser existiert zwar, ist für einen Großteil der Hennen des südlichen Stalls jedoch augenscheinlich nicht erreichbar. Gitter behindern den direkten Weg zum Auslauf und nötigen die Tiere, über bis zu fünf Kotförderbänder zu springen, um nach draußen zu gelangen. Dabei sollte den Tieren der Zugang zum Freilauf so leicht wie möglich gemacht werden. Hier entsteht der Eindruck, dass viele Hühner den Weg nach draußen gar nicht finden. Solche „Schikanen“ hätten nach unserer Rechtsauffassung beanstandet werden müssen.
Die Tiere sind immer die Leidtragenden
Die Wendlander Frischei GmbH betreibt mehrere Biofarmen, so auch in Prinzhöfte. Im Februar 2012 kommt es dort zu einem Brand. 4.000 Hühner sterben qualvoll, 15.000 werden auf Anordnung des Veterinäramtes notgeschlachtet. Ein technischer Defekt soll die Ursache gewesen sein. Knapp 200 Meter von der Brandruine entfernt, steht ein weiterer Stall des Unternehmens. Die offensichtliche Ursache für eine potentielle Brandgefahr findet sich hier schnell: Praktisch alle Bodenflächen im Stall und im „Kaltscharrraum“ sind mit Weidezaunleitungen ausgestattet. Die anliegende Spannung von 15.000 Volt sorgt an mehreren Stellen für sichtbare Funkenübersprünge in die brennbare Einstreu. Warum überhaupt elektrische Leitungen verlegt werden, ist schleierhaft. Denn diese befinden sich an den Wänden, die ohnehin eine Begrenzung für die Hühner darstellen. In einem Stallbereich ist die Leitung sogar so verlegt, dass die Hühner sie beim Verlassen des „Kaltscharrraums“ berühren müssen. Natürlich können wir nicht mit Sicherheit sagen, dass die Weidezaundrähte der Grund für den Brand im Nachbarstall waren. Jedoch liegt die Vermutung nahe.
Die vorgeschriebene Umzäunung ist stellenweise offen, teilweise sogar gar nicht vorhanden. So sind die Hühner nicht vor „Fressfeinden“, wie z.B. Füchsen oder Beutefängern, geschützt. Außerdem können sich die Gruppen, die in der Biohaltung aus maximal 3.000 Hennen bestehen dürfen, so untereinander vermischen. Beides ist unzulässig. Es stellt sich die Frage, warum so etwas bei den Biokontrollen nicht auffällt.
Betrüger-Ei: Wer einmal lügt …
Nicht nur für die Tiere bietet ein Siegel für Bio-, Freiland- oder Bodenhaltung keinen Schutz, schließlich werden auch die Verbraucher betrogen, belogen und getäuscht.
So auch im Falle der von PETA-Aktivisten im Jahr 2012 besuchten Hühnerfarm in Velbert. Der Stall gehört Richard Hennenberg, der u.a. auch der Eigner der Wendlander Frischei GmbH ist. Bis zum März 2010 stand hier an der Nordrather Straße 37 noch die größte Bio-Hennenfarm von NRW. Dass jedoch statt ca. 80.000 Quadratmetern vorgeschriebener Auslauffläche nur etwa 15.000 Quadratmeter vorhanden waren und selbst dort teilweise über Wochen und Monate keine Tiere im Freilauf zu sehen waren, fiel angeblich bei keiner der Kontrollen auf. Hennenberg gab einfach einen Wald, der weder beantragt noch genehmigt und auch nicht als Auslauffläche hergerichtet war, an, und führte so das Biosystem mehr als zwei Jahre an der Nase herum. Erst die Recherchen von PETA und einer örtlichen Bürgerinitiative sowie der mediale Druck veranlassten das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen (LANUV) letztlich dazu, Hennenberg das Bio-Siegel für diese eine Farm zu entziehen. In vielen anderen seiner Betriebe wird bis heute Bio-Ware produziert und das Vertrauen in die Bio-Branche scheint ungebrochen. Und auch hier war IMO das „blinde“ Kontrollinstitut.
(Gegen den Hennenberg-Clan, gegen mehrere Behörden und gegen die Kontrollfirma IMO laufen Ermittlungsverfahren. Der Anzeigen-Komplex hat die Aktenzeichen 50 Js 301/09, 85 Js 68/09 und 85 Js 15/10 Staatsanwaltschaft Wuppertal.
Mit den beiden unanfechtbaren Beschlüssen des Oberverwaltungsgerichts NRW vom 26.7.2010 wurde rechtskräftig festgestellt, dass das illegal als Auslauffläche genutzte Waldgebiet nicht umgenutzt werden darf und somit der Status als „Bio-Ei“ zu Recht entfallen ist (Az.: 20 B 327/10 und 20 B 514/10 OVG NRW).
…dem glaubt man doch?
Das Haltungssystem wurde schließlich auf Bodenhaltung umgestellt. Seit dem 31.8.2012 wird der Stall mit behördlicher Genehmigung als kombinierte Freiland- und Bodenhaltungsfarm betrieben. Boden- und Freilandeier werden auf dasselbe Eiertransportband gelegt, die Unterscheidung erfolgt durch die unterschiedliche Farbe. Bei den weißen Eiern handelt es sich um Boden-, bei den braunen um Freilandeier. Das zuständige Landesamt LANUV bestätigt das in einer E-Mail und nennt auch die notwendige Auslauffläche: für die 9.421 „Freilandhennen“ wären das 37.685 Quadratmeter. Ob diese tatsächlich aus fachlicher Sicht als für die Hühner genutzte effektive Fläche tatsächlich zur Verfügung steht, wird von PETA angezweifelt. Doch unabhängig davon kommt es noch „besser“: An einem Marktstand in Wuppertal kaufen die Ermittler über den Zeitraum von mehreren Wochen immer wieder Eier aus genau diesem Stall. Der Händler bestätigt, dass die Eier von Hennenberg stammen. Doch obwohl es sich um die weißen Bodenhaltungseier („2“) handelt, haben diese einen Freilandstempel („1“). Dies lässt den Schluss insbesondere im Hinblick auf den Betrugsskandal 2009/2010 zu, dass das ganze Kontrollsystem nicht funktioniert. Weiterhin wurden auch dieses Mal wieder dutzende tote Tiere im Stall gefunden. Auch der Zustand der lebenden Tiere sowie der Stallanlage insgesamt war bemerkenswert schlecht, auch dies ist Verbraucherbetrug.
Die einzige Möglichkeit, die alle Hennen vor Ausbeutung und Gefangenschaft schützt, ist, keine Eier und Ei-Produkte mehr zu essen. Bio ist kein Garant für Tierschutz. PETA bietet daher das ultimative vegane Backpapier zum kostenlosen Herunterladen an, damit Kuchen und Frühstücksei auch ohne Hühnereier gelingen.
Ei-Rezepte ohne Eier finden Sie hier.