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Fleisch essen und Umweltschutz vertragen sich nicht

Von Ingrid E. Newkirk


Am 22. April 2010 findet zum 40. Mal der „Tag der Erde“ (engl. Earth Day) statt. Der amtierende US-Senator Gaylord Nelson initiierte den „Tag der Erde“ seinerzeit als nationalen Umweltaktionstag, um auf die Problematik der Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen. Dies führte zur Gründung der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) und zur Verabschiedung der US-Umweltgesetze zur Reinhaltung der Luft (Clean Air Act) und zur Reinhaltung des Wassers (Clean Water Act). Vierzig Jahre später wird der „Tag der Erde“ auch international begangen. Zum diesjährigen „internationalen Tag der Mutter Erde“ wurde erwartet, dass sich von Buenos Aires in Argentinien bis hin zum japanischen Tokio eine Milliarde Menschen an Aktionen zur Feier des Earth Day beteiligen.

Das ist alles gut und schön, aber auf lange Sicht hin nützt es nicht viel, Bäume zu pflanzen oder Flüsse zu säubern, wenn wir Mutter Erde gleichzeitig durch unseren Fleischkonsum an den Abgrund treiben. Eine wahre umweltbewusste Lebensweise beginnt nämlich mit dem, was wir essen.

Die Massentierhaltung verschwendet so viele kostbare Ressourcen und zerstört unsere Umwelt so massiv, dass man gar nicht so recht weiß, so man anfangen soll.

Laut der UN-Welternährungsorganisation werden heute 30 Prozent der Festlandoberfläche der Erde entweder direkt oder indirekt zur Aufzucht von Tieren zur „Nahrungsmittelgewinnung“ genutzt. In dem Maße, wie der Hunger der Menschheit auf Fleisch steigt, machen Bulldozer rund um den Globus riesige Landflächen dem Erdboden gleich – nur, um darauf noch mehr „Viehzucht“ zu betreiben und noch mehr Futtermittel für diese Tiere anzubauen.

Ein weiterer Aspekt ist der gigantische Energieverbrauch zur Betreibung von Massentierhaltungsbetrieben, Mastparzellen, Schlachthöfen und LKWs zum Transport von Tieren und Wasser, das für die „Viehzucht“ verschwendet wird (Ein Veganer verbraucht für seine Ernährung pro Tag ungefähr 1.100 Liter Wasser; ein Fleischesser hingegen ungefähr das 14fache). Ganz zu schweigen vom Getreide, das an die sogenannten „Nutztiere“ verfüttert wird, statt hungernde und unterernährte Menschen mit Nahrung versorgen.

Und das ist noch nicht alles, denn die Produktion von Fleisch- und Milchprodukten, in die das ganze Getreide, die ganze Fossilenergie und die riesigen Wassermengen fließen, hinterlässt noch etwas anderes: tonnenweise tierische Ausscheidungen.

Ein Schwein erzeugt viermal so viele Abwässer wie der Mensch. Laut der US-amerikanischen Wissenschaftlervereinigung „Union of Concerned Scientists“ produziert die Massentierhaltung Jahr für Jahr etwa 300 Millionen Tonnen tierische Ausscheidungen – das entspricht der doppelten Menge der Abwässer, die von der menschlichen Bevölkerung der gesamten Vereinigten Staaten produziert wird.

Es gibt auf US-Bundesebene keine Vorschriften bezüglich der Behandlung, Speicherung und Entsorgung der Abermillionen Tonnen tierischer Ausscheidungen, die die Massentierhaltung Jahr für Jahr produziert. Diese ungeklärten, unhygienischen und mit Chemikalien verseuchten Abwässer sammeln sich in riesigen Tümpeln, in denen sie lagern, bis sie sich nach und nach zersetzen. Alternativ werden sie als Dünger über landwirtschaftlichen Nutzflächen verteilt. Bei beiden Methoden kommt es zu Ausschwemmungen, die nicht nur den Boden und die Grundwasserreserven verunreinigen, sondern auch zum Tod von Fischen und anderen Tiere führen. Zahlreiche Berichte belegen, dass Menschen, die in der Nähe von Massentierhaltungsbetrieben leben, aufgrund dieser Verunreinigungen an Erkrankungen der Atemwege, neurologischen Erkrankungen oder anderen Krankheiten leiden.
Die heutige Fleischproduktion ist nachweislich einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Einem UN-Bericht von 2006 zufolge verursacht die Zucht von Tieren zur Nahrungsmittelproduktion mehr Treibhausgase, als alle Autos, LKWs, Flugzeuge und Schiffe der Welt zusammen. Während der 2006-Bericht die Fleischindustrie noch für 18 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich machte, belegen neueste Studien, dass diese Zahl weitaus höher sein könnte. Nach einer Schätzung des Berichts „Livestock and Climate Change“ des US-amerikanischen Forschungsinstituts Worldwatch Institute soll die Viehzucht tatsächlich 51 Prozent aller weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen.

Es ist Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen und sich klarzumachen, dass Umweltschutz bei den meisten Menschen spätestens dann aufhört, wenn sie sich zum Essen an den Tisch setzen. Jedes Mal, wenn wir Fleisch, Eier oder Milchprodukte verzehren, tragen wir zur Umweltzerstörung und zur weltweiten Verschwendung unserer kostbaren Ressourcen bei.

Wenn uns als wirklich etwas an Klimaschutz und dem nachhaltigen Umgang mit Land, Wasser und anderen Ressourcen gelegen ist, ganz zu schweigen von einem respektvollen Umgang mit Tieren, müssen wir jeden Tag als „Tag der Erde“ feiern – und zwar mit jeder Mahlzeit.

Ingrid E. Newkirk ist Gründerin und Vorsitzende der Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) sowie Autorin einer Reihe von Büchern, darunter „One Can Make a Differenc“e und „The Peta Practical Guide to Animal Rights“.