Gedanken zum Schulmassaker in Erfurt
In dieser gewalttätigen Zeit möchte ich einen Weg vorschlagen, um mit Gewalt umzugehen: Erinnern wir uns doch an den erfolgreichsten Befürworter der Gewaltlosigkeit, der jemals gelebt hat, und folgen wir seinem Beispiel – Mahatma Gandhi.
Würde Gandhi noch leben, dann würde er sich vielleicht wundern, was in Deutschland und in den USA passiert: Es ist nicht länger überraschend, aber noch immer schockierend, eine Zeitung aufzuschlagen und zu lesen, dass ein Kind oder ein Jugendlicher irgendwo das Feuer gegen andere Kinder und ihre Lehrer eröffnet hat.
Diese Jugendlichen und andere überall auf der Welt versuchten verzweifelt, genau das zu erlangen, was Gandhi hatte – enorme Macht. Doch seine „Waffe“ war kein Gewehr, sondern eine Gabel. Er glaubte, dass Gewaltlosigkeit mit dem beginnt, was wir essen, und dass unsere Esstische „Tische des Friedens“ sind, die genauso wichtig sind wie jene Tische, an denen die Mächtigen dieser Welt sitzen, um über die Konflikte in ihren Ländern zu diskutieren. Zwar wird uns die Verbannung des Fleisches von Tieren aus unserer Nahrung wahrscheinlich nicht übernacht zu einem Gandhi machen. Doch das Verständnis, warum wir die Bedürfnisse und Wünsche von anderen, selbst von „niederen“ Tieren, beachten sollten, könnte beginnen, die Saat der Empathie zu säen.
Empathie, so glaubte Gandhi, ist der wichtigste Schlüssel zum Verständnis. Wenn man von Vorurteilen gegenüber anderen erfüllt ist, immer einen Weg findet, sich von anderen Lebewesen zu distanzieren, weil sie einer anderen Religion, Schicht, Hautfarbe oder Spezies angehören, wird man nicht in der Lage sein, das Leben erfolgreich zu meistern, glücklich zu sein und eine bessere Welt zu schaffen.
Nach diesen Schulmassakern nehmen die meisten Lehrer und Psychologen nun die Anzeichen der Jugendverwahrlosung ernster als bisher. Wir anderen könnten einen ersten, sanften Schritt in Richtung einer größeren Empathie unternehmen, indem wir unseren Respekt auf ALLE Spezies ausdehnen, nicht nur auf die, die niedlich und flauschig sind. Warum nicht die eigene Gabel in eine machtvolle „Waffe“ verwandeln, indem man das Frühstück, das Mittagessen und das Abendessen ohne die zerstückelten Leichen von Tieren auf dem Teller genießt?