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„Heckenschützen“ zielen jeden Tag auf Tiere

Von Harald Ullmann



Die Angst legt sich im Umkreis von Washington, D.C. Die Heckenschützen, die im Oktober 14 Menschen niedergeschossen haben sollen, sind hinter Gittern. Während die Behörden die Anklage erheben, sollten wir der Opfer gedenken – all der unschuldigen Männer, Frauen und Kinder, die einfach nur ihr Leben lebten – ihre Autos voll tankten, Gras mähten, in einen Bus stiegen oder zur Schule gingen.

Können Sie sich diese Angst vorstellen? Nicht zu wissen, wo oder wann der Schütze wieder zuschlagen wird. Die Menschen hatten Angst, aus dem Haus zu gehen, und die Zeitungen rieten Einkaufenden, im Zickzack über Parkplätze zu gehen und nicht auf offenen Flächen stehen zu bleiben. Eine meiner Kolleginnen, die in diesem Gebiet wohnt, war in der vergangenen Woche einmal frühmorgens unterwegs und wurde von einem kleinen Jungen angehalten, der so verängstigt war, dass er sie – eine vollkommen Fremde – anbettelte, ihn doch zur Schule zu bringen.

Als ich mit ihr darüber sprach, begann mir klar zu werden, dass diese Menschen jetzt genau das erleben, was viele unschuldige Tiere jeden einzelnen Tag ihres Lebens empfinden: unablässige, unerbittliche Angst. Angst, dass sie plötzlich ausgewählt und geschlagen oder getötet werden.

Tiere, die gejagt werden, leben in einem fortdauernden Zustand der Wachsamkeit oder des Schreckens, müssen auf immer im Zickzack durch ihr Leben rennen, aus Angst, dass jemand mit einem Netz oder einem Gewehr oder einem Speer sich an sie heranschleicht.

Auch Tiere in Labors erleben diese „Hyper-Wachsamkeit“, was zur Folge hat, dass ihre Nerven ständig angespannt sind. Denn wenn Sie einmal die Sicht der Tiere annehmen, dann ist es genau das, worum es bei Tierversuchen eigentlich geht. Weder um Wissenschaft noch um Medizin noch um Wissen. Es geht um Schmerz und Entmachtung. Darum, dass jemand beschließt, dass sie Schmerz und Tod erleiden sollen. Neue Studien haben gezeigt, dass diese Belastung Nerven- und Immunsystem beeinflusst und die Lebensspanne der Tiere verkürzt, wodurch die Ergebnisse aus Tierversuchen im günstigsten Falle fehlerhaft werden.

Und auch die Tiere in Zirkussen wissen niemals, wann der „Heckenschütze“ zuschlagen wird. Sie müssen es bereits ertragen, zu einem Leben gezwungen zu werden, dass sie nie auf diese Weise führen würden, entfernt von ihrer Familie und all ihren Artgenossen, weggesperrt in Käfige oder an Ketten gefesselt, von einem Ort zum nächsten gekarrt. Die Angst vor der Peitsche und dem Knüppel ist ihr ständiger Begleiter. Sie würden niemals Kunststücke vorführen, wenn sie sich nicht davor ängstigen würden, sonst hart bestraft zu werden.

Auch Tiere, die wir jeden Tag sehen, kennen diese Angst. Streuner werden oft mit einem Tritt oder einem Fluch begrüßt. Rinder, die vor der Schlachtung stehen, sehen mit an, wie ihre Artgenossen langsam in einem Meer von Blut sterben.

Wir können etwas gegen die „Heckenschützen“ in unserer Mitte tun, um die Angst in unserer Gemeinschaft zu verringern. Wir können darauf bestehen, dass Tiere, die nichts Böses wollen, die genau wie die Menschen, die Angst davor haben, verletzt oder getötet zu werden, nicht gequält oder geschlagen werden, sondern dass ihnen die Chance gegeben wird, in Frieden auf dieser Welt zu leben. Wir können unser Bestes tun, um dafür zu sorgen, dass sie mit Freundlichkeit und nicht mit Gewalt begrüßt werden.

Wir können auch unseren Kindern den sozialen Wert dessen beibringen, niemals Branchen zu unterstützen, die Tieren Schaden zufügen, zum Beispiel Zirkusse; gesundes vegetarisches Essen statt immer nur Fleisch zu wählen, Kunstleder oder Baumwolle statt echtem Leder zu wählen und Produkte zu vermeiden, die an Tieren getestet wurden. Wenn jeder von uns ein paar Änderungen vornimmt, können wir das Leben vieler beeinflussen und unsere Nachbarschaft zu einem Zufluchtsort statt einer Zielscheibe werden lassen.

Harald Ullmann ist 2. Vorsitzender von PETA-Deutschland e.V (People for the Ethical Treatment of Animals)