Katzen zu Halloween und an jedem anderen Tag – die Wahrheit
Von Alisa Mullins
Als meine Mutter noch ein kleines Kind war, hatte sie einen Lieblingskater namens Midnight. Wie der Name impliziert, war er tiefschwarz und, ginge es nach meiner Mutter, war er der wunderbarste Kater, den es je gab. Wie alle anderen streunenden Katzen, die meine Mutter und ihre Schwester nach Hause brachten, war auch er sowohl eine Wohnungskatze als auch ein „Freigänger“. Die meisten Katzen lebten damals so. Gelegentlich verschwand die eine oder andere Katze auf mysteriöse Weise. Als jedoch meiner Mutter liebster Kater an Halloween verschwand, läuteten bei ihr alle Alarmglocken. Sie suchte tagelang nach Midnight.
Schließlich fand sie ihn tot unter der Veranda. Wahrscheinlich wurde Midnight von Nachbarjungen, die nichts Gutes im Sinne hatten, gequält. Zum Sterben schleppte sich Midnight nach Hause. Meine Mutter lernte damals eine wertvolle Lektion, und als sie selbst erwachsen war, hielt sie die hübsche braune Tigerkatze, die meine Familie adoptiert hatte, stets im Haus.
Halloween ist für Katzen ein gefährlicher Tag, wie eigentlich jeder andere Tag auch. Tierheime empfehlen, Katzen besonders zu Halloween nicht ins Freie zu lassen.
Katzen, die draußen unbeaufsichtigt sind, kehren manchmal nie zurück. Manche werden verletzt oder tot aufgefunden, wie auch die arme Midnight. Andere werden von Dieben oder Katzenfängern entführt, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Wohngebiete nach freundlichen Hunden und Katzen zu durchkämmen, um sie an Händler zu verkaufen, die sie dann an Versuchslabore weiterverhökern. Angesichts rasender Autos, intoleranter Nachbarn, gelangweilter Jugendlichen, die sich mit Baseball-Schlägern, Fallen, Rattengift und giftigen Frostschutzmitteln bewaffnen, und Psychopathen kann die große Zahl der jährlich verschwindenden Katzen kaum überraschen.
Normalerweise gelangen wir nur durch ein entsprechendes Unglück zu der Erkenntnis, Katzen nicht unbeaufsichtigt außer Haus zu lassen. Schmerzende Unglücke stehen heute fast schon auf der Tagesordnung. Vermisste Hunde und Katzen wurden im Lagerhaus einer Schule zur Ausbildung von Kampfhunden gefunden. Ein Fellhändler wurde dabei ertappt, wie er Katzenfelle verkaufte. Eine Katze, die zu ihrem täglichen Herumstrolchen außer Haus gelassen wurde, kam mit Verbrennungen am ganzem Körper zurück, verursacht von heißem Kochfett. Eine Frau suchte nach ihren beiden Katzen und fand sie schließlich, von Pfeilen durchbohrt.
Eine streunende Katze, die ich kürzlich aufnahm, litt an Katzen-AIDS und war durch ihre Erkrankung dermaßen mitgenommen, dass sie eingeschläfert werden musste, denn es gibt keinen Impfstoff gegen Katzen-AIDS. Die einzige Möglichkeit, die Krankheit einzudämmen, ist, Katzen und Kater zu kastrieren und sie zu Hause zu behalten.
Der Straßendschungel von heute ist bei weitem zu gefährlich für verletzbare, zutrauliche kleine Lebewesen. Aber können Katzen für das häusliche Leben überhaupt gezähmt werden? Mein derzeitiger Haufen von ehemals streunenden Katzen findet so manche Beschäftigung, auch wenn ich meist zu Hause bin. Sie spielen endlos lange Katzenfußball mit Papierrollen. Auch die Spiele „Wer ist in der Tüte?“ und „König des Kratzbaums“ sind äußerst populär. Sie können auch stundenlang auf der Fensterbank sitzen und Vögel, Eichhörnchen und Schmetterlinge im Garten beobachten. Am Wochenende steigen Katzenminze-Feten. Dann sprenkle ich ein wenig der Minze auf Spielsachen und Kratz-Kartons, und die Katzen rollen, schnurren und mampfen, bis sie im siebten Himmel sind und einschlafen.
Aber ist meine Bande der Wohnzimmerlöwen wirklich glücklich im Haus? Eines Tages schaffte es mein Hund, die Hintertür zu öffnen. Es vergingen mehrere Stunden, bis ich es bemerkte. Doch die Welt hinter der Tür interessierte meine Haustiere überhaupt nicht.
Alisa Mullins schreibt für People for the Ethical Treatment of Animals (PETA)