Keine “Krokodilstränen” für Einbrüche im Handel mit exotischen Häuten
Von Paula Moore / PETA USA
Einem kürzlich veröffentlichten Artikel der USA Today zufolge hat die weltweite Wirtschaftskrise auch stark an der amerikanischen Alligatorenindustrie gekratzt. “Luxusgüter” wie Taschen oder Gürtel aus Alligatorenleder finden weniger Abnehmer und so geht auch die Nachfrage durch Modehäuser aus der ganzen Welt zurück. Einige amerikanische Alligatorenfarmen müssen ihre Tore möglicherweise sogar schließen.
Da kann ich nur sagen: Gut so!
Alligatoren werden mit Hämmern und Metallstangen totgeschlagen, um ihre Häute in überteuerte Accessoires zu verwandeln. Schlangen und Eidechsen werden bei lebendigem Leib gehäutet und dann ihrem Leid überlassen. Die routinemäßigen Grausamkeiten in dieser Industrie sollten jedem mitfühlenden Konsumenten sprichwörtlich unter die Haut gehen. Je früher dieser Handel den Bach runtergeht, desto besser.
PETA USA ermittelte verdeckt auf einer Alligatorenfarm in Florida. Unser Ermittler konnte dabei dokumentieren, wie Mitarbeiter Alligatoren in dem Versuch, die Tiere zu töten, mit Aluminiumschlägern auf den Kopf schlugen. Viele Tiere haben sich noch gewunden und bewegt, nachdem die Mitarbeiter der Auffassung waren, die Tiere seien tot (was augenscheinlich nicht der Fall war).
Auf anderen Farmen werden Dr. Clifford Warwick – Spezialist für den Schutz und die Biologie von Reptilien – zufolge Alligatoren erschossen und mit Äxten erschlagen. Es kommt auch vor, dass Mitarbeiter den Tieren mit Hammer und Meißel das Rückenmark durchtrennen.
Viele Alligatoren- und Krokodilfarmen werden durch “Tiere, die wild gefangen und in Bedingungen gebracht wurden, die sehr unhygienisch und extrem beengt sind” ergänzt, so Warwick. “Es ist ein trauriges Leben voller Leid.”
Auch anderen Reptilien geht es nicht besser. Eidechsen werden geköpft und gehäutet. Doch aufgrund ihres langsamen Stoffwechsels kommt es vor, dass sie noch bis zu einer Stunde am Leben sind, nachdem ihnen der Kopf abgetrennt wurde. Das bedeutet, dass sie bei lebendigem Leib gehäutet werden.
Pythons werden mit einem Schlag auf den Kopf betäubt – aber nicht getötet. Dann werden Schläuche in ihren Mund gesteckt, die das Tier voll Wasser pumpen und es wie einen Ballon aufquellen lassen. Dies führt dazu, dass sich die Haut etwas löst.
Im Anschluss stoßen Arbeiter einen Fleischerhaken durch den Kopf der Schlange, ziehen ihre Haut ab und werfen die gehäuteten Körper alle auf einen Haufen. Nach mehreren Stunden oder Tagen, erfüllt von unvorstellbarer Schmerzen, erliegen die Schlangen dem Schock oder der Dehydrierung.
“Schlangen werden niemals auf eine gute Weise getötet”, so Dr. Warwick.
Über ein Fünftel der weltweiten Reptilien sind derzeit vom Aussterben bedroht – da trägt der Handel mit exotischen Häuten nicht gerade zu Verbesserungen bei. Die meisten Schlangen werden wild gefangen, da es zu lange dauert, bis eine gezüchtete Schlange groß genug ist, um ihre Haut zu verwenden. Dr. Mark Auliya von der Organisation TRAFFIC, die den internationalen Handel mit Wildtieren überwacht, gibt an, dass in Südost-Asien einige “große Schlangenarten immer seltener” werden. Die Tiere können seinen Aussagen nach einfach “nicht auf lange Sicht der hohen Wegnahme durch den kommerziellen Handel mit Häuten standhalten”.
Dazu kommt, dass Schätzungen zufolge auf jedes Reptil, das das System auf legale Weise durchläuft, ein weiteres geschmuggelt wird. Laut Dr. Warwick ist jeder einzelne Vertrieb von exotischen Häuten irgendwie in diesen undurchsichtigen Handel verwickelt – ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.
Es stehen uns mittlerweile so viele andere Materialien zur Verfügung, dass es wirklich keinen Grund mehr gibt, warum Designer noch immer mit echten Häuten arbeiten sollten – und Kunden haben keinen Grund mehr, diese zu kaufen. Alligatoren, Schlangen und andere Tiere sollten nicht für unsere kaltherzige Eitelkeit leiden und sterben müssen.